Auch zu zweit konnte Alba (hier Luke Sikma und Joshiko Saibou) die Bayern oft nicht stoppen. Foto: AFP PHOTO / Christof STACHE
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Basketball-Vizemeister Bei Alba Berlin gibt es fast nur Sieger

Alba jubelt trotz der Finalniederlage gegen Bayern München. Trainer Reneses bleibt den Berlinern erhalten, doch die Mannschaft könnte vor einem Umbruch stehen.

Sport kann Balsam für die Seele sein. Gut zu beobachten war dies am Samstagabend im Münchner Westen. Die meisten der 6500 Fans verließen die stickige Mehrzweckhalle auch dann noch nicht, als das entscheidende Meisterschaftsfinalspiel zwischen den Basketballern von Bayern München und Alba Berlin längst vorbei war, als die Gastgeber mit einem 106:85 ihre vierte deutsche Meisterschaft feierten. Auch Edmund Stoiber, langjähriger Ministerpräsident Bayerns und CSU-Ehrenvorsitzender, tat der Abend in Tagen, in denen seine Partei viel aufs Spiel setzt, sichtlich gut. Wie ein Teenager stand der 76-Jährige in der Halle und machte mit seinem Smartphone Aufnahmen von der Meisterfeier im Konfetti-Regen.

Balsam für die Seele war auch der Trost, den die 700 Fans von Alba Berlin ihrem Team spendeten. Da wurde ihre Mannschaft ziemlich auseinandergenommen und doch feierten sie, als wäre exakt das Gegenteil der Fall gewesen. „Ich kann diesen Fans gar nicht genug danken. Das ist großartig“, sagte Albas in der Finalserie tapferer, aber glückloser Luke Sikma. Und sein Chef, Alba-Manager Marco Baldi, war mit sich und der Welt im Reinen. „Ich spüre und sehe, dass hier richtig was zusammenwächst“, sagte er. „Die Krönung fehlt. Aber viel besser kann es nicht sein.“ Während er das sagte, sang der Anhang immerzu: „Achtmal Deutscher Meister, neunmal Pokalsieger, für immer erste Liga... Alba Berlin. Hey, hey, hey, hey!“

Und als sich der Eindruck verfestigte, dass es an diesem Abend keine Verlierer, sondern ausschließlich Sieger geben sollte, lugte Akeem Vargas etwas abseits von einem Parkplatz hervor. Vargas spielt seit 2013 bei Alba und ist schon allein wegen dieses Umstandes eine kleine Institution. Vargas aber wollte am Samstag kein Gewinner sein. „Ich messe Erfolg an Titeln und wir haben keine Titel, deswegen kann ich aktuell keine positive Saison sehen für mich und den Klub“, sagte er und ergänzte kurz und trocken: „We fall short“ – wir sind zu kurz gekommen. Für ihn selbst stellte sich die Situation nach der Niederlage vermutlich auch deshalb nicht positiv dar, weil es bei dem 28-Jährigen – wie er durchklingen ließ – hakt mit einer Weiterbeschäftigung bei Alba.

Albas Spieler sind begehrt

Überhaupt ist die Sache mit dem Spielerpersonal wie nach jeder Saison die heikelste Angelegenheit. Gerade in diesen Wochen und Monaten dürfte auf Baldi und seinen Sportdirektor Himar Ojeda viel Arbeit zukommen. Anhand des schnelllebigen Basketballgeschäfts sind die Verträge der Spieler meist von kurzer Laufzeit und überdies noch mit Ausstiegsklauseln versehen. Gefragt sein dürften bei Alba mit hoher Wahrscheinlichkeit Spieler wie Sikma, Marius Grigonis oder der am Samstag mit 29 Punkten überragende Spencer Butterfield. „Wir wollen den Kern des Teams behalten“, sagte Ojeda, „aber das wird natürlich schwer. Jeder der Top-Klubs kann mehr bezahlen als wir.“ Der Spanier war sicher auch unter den Eindrücken des unermüdlichen Jubels der Fans optimistisch. „Wir wollen mit unserer jungen Mannschaft weiter wachsen, wir wollen mithalten mit Teams, deren Etat zwei- oder dreimal so hoch ist wie unserer“, sagte er und fügte hinzu: „Alba steht vor einer strahlenden Zukunft.“

Die Berliner Jugendteams dominieren bundesweit

Gelingen soll das auch mit Spielern aus dem eigenen Nachwuchs. Man wolle etwas bauen, „wo dauerhaft Spieler hervorkommen, die uns helfen können“, sagte Baldi. Schon in dieser Saison waren bei Alba Spieler wie Tim Schneider, Joshiko Saibou oder Kapitän Niels Giffey aus dem eigenen Nachwuchs in der engeren Rotation. Zudem gewannen die Berliner in allen drei Altersklassen U14, U16 und U19 die deutsche Meisterschaft. Die strahlende Zukunft, von der Ojeda spricht, ist durchaus im Bereich des Möglichen. Zumal einerseits Ojeda am Samstag noch einmal bestätigte, dass Trainer Aito Garcia Reneses Cheftrainer bleiben werde („Er hat Vertrag und ist glücklich bei uns“) und andererseits Aufsichtsrats-Chef Axel Schweitzer jüngst ankündigte, dass der Spieleretat leicht wachsen werde. Dennoch wissen sie auch bei Alba, dass es für die Krönung, also Titel, dauerhaft auch Spieler vom Schlage eines Marius Grigonis oder Luke Sikma braucht. Letzterer freut sich nun auf den Urlaub. „Ich denke, mein Körper benötigt nach der harten Saison nun eine Pause“, sagte er und lauschte den Fans, die gar nicht mehr aufhören wollten, seinen Namen in den Münchner Nachthimmel zu rufen.

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