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Die Eisbären haben nach dem 4:2 am Sonntag in Bietigheim fünf mal auswärts gewonnen. Foto: imago images
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Auswärts ungeschlagen, zu Hause ohne Sieg Die Eisbären ringen mit einer seltsamen Serie

Daheim haben die Eisbären viermal verloren, auswärts fünfmal gewonnen. Teampsychologe Markus Flemming erkennt dennoch keine Kettenreaktion.

An sich machen die Eisbären ja in dieser Saison alles richtig auf dem Weg zur Verteidigung ihres Meistertitels. Daheim haben die Berliner in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) bislang viermal verloren, auswärts nun nach dem 4:2 am Sonntag in Bietigheim fünfmal gewonnen.

Wenn diese seltsame Serie hält, dann könnten die Eisbären in den Play-offs zuschlagen – wenn sie sich in der Tabelle möglichst weit hinten einordnen und damit in einem entscheidenden Spiel gegen die besser platzierte Mannschaft immer den Auswärtsvorteil hätten. Es wird aber schwer, denn in den Pre-play-offs hätten sie womöglich den Heimnachteil.

Das ist natürlich ein bitterer Scherz, zumal die eine Heimserie den Berlinern gar nicht gefällt und sicher bis zu den Play-offs auch noch ein paar Punkte in eigener Halle dazukommen sollten. So früh in der Saison, hat ihr bester Angreifer Marcel Noebels etwa gesagt, da wolle er sich doch keine „Heimschwäche andichten lassen“.

Darüber diskutieren sie nicht so gern bei den Berliner nach außen hin, wie ihr Teampsychologe Markus Flemming dem Tagesspiegel sagt. Selbstredend führe er Einzelgespräche mit den Profis, unter dem Siegel der Vertraulichkeit. Denn: „Druck von außen hilft nicht, wir sehen hier nur die positiven Dinge.“

Die Auswärtsbilanz in der Liga ist ein Knaller

Positiv ist, dass die Eisbären auswärts eine Macht sind, mit viel Geduld ihr Spiel herunterspulen können. Sobald sich der Gegner vor den eigenen Fans ausgetobt hat, schlagen die Berliner zu, wie jetzt am Sonntag in Schwaben. Die Auswärtsbilanz in der Liga ist ein Knaller: 22:7 Tore, 15 Punkte aus fünf Spielen. Daheim dagegen war Abwarten selten erste Spielerpflicht, war der anfängliche Drang nach vorn schon oft das Ende vom siegreichen Spiel: Wie etwa am Freitag gegen Düsseldorf, als die Berliner sofort in Rückstand gerieten, sich davon nicht erholen konnten und 1:3 verloren.

Flemming sieht auch die jüngste Heimniederlage losgelöst und nicht als Teil einer Kettenreaktion. Wenn die Spieler aufs Eis gehen würden, hätten sie den Kopf frei und würden nicht an das denken, was im Heimspiel zuvor passiert ist. „Das sind doch Profis! Ein Artist, der zehn Meter über dem Boden schwebt, denkt ja auch nicht darüber nach, was er gerade macht, denn sonst würde er nervös werden.“

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Einen Faktor dafür, dass die Berliner bereits am Dienstag im Heimspiel der Champions League gegen den HC Lugano (19 Uhr, Mercedes-Benz-Arena) den Schalter auf Heimsieg umlegen könnten, seien die Fans, glaubt Flemming. „Denn die sind einmalig bei den Eisbären, die halten zu ihrer Mannschaft und das spüren die Spieler.“

Bei Hertha BSC schlägt die Stimmung schon mal um auf den Rängen

Das sei nicht selbstverständlich im Mannschaftssport. In Berlin braucht man da vom Arena-Standort Friedrichshain auch nur bis nach Charlottenburg ins Olympiastadion zu schauen: Bei Hertha BSC zum Beispiel schlägt die Stimmung derzeit schon mal um auf den Rängen. Zuletzt musste der Berliner Fußball-Bundesligist das am Sonnabend beim 1:2 gegen Freiburg erfahren. Es gab reichlich Pfiffe und ausgestreckte Mittelfinger gegen die eigene Mannschaft.

So etwas wird bei den Eisbären auch nach dem Spiel gegen Lugano wohl nicht passieren, selbst wenn es das größte Heimdebakel in der jüngeren Geschichte des Eishockeys geben sollte. Wobei die Berliner – als einziger von vier DEL-Klubs – in der Champions League mit ihrer dritten Heimniederlage in diesem Wettbewerb schon sicher ausgeschieden wären. Angreifer Sebastian Streu sagt: „Die Mannschaft kenne ich nicht so gut, aber wir fokussieren uns einfach auf selbst. Wir wollen zu Hause auch mal gewinnen. Natürlich wollen wir uns das Selbstvertrauen holen. Wenn wir die da verlieren, dann wird sich das so anfühlen, als hätten wir am Sonntag nicht gewonnen.“

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Teampsychologe Flemming findet, dass das „D-Wort“, bitte schön außen vor bleiben solle. Wie gesagt, die Spieler sollen wohl eher an den Artisten denken, der zehn Meter über den Boden schwebt. Was den HC Lugano betrifft, ist Sebastian Streu übrigens entschuldigt.

Das Team aus dem Tessin hat tatsächlich keine Schnittmengen mit der DEL, in ihm spielen vorrangig Schweizer und die haben mit ihrem Team schon sieben Punkte geholt in vier CHL-Spielen – sechs mehr als die Eisbären. Somit können die Berliner zumindest sagen, dass sie als Außenseiter antreten am Dienstag. Vielleicht hilft diese Rolle den Berlinern ja, um ihren Heimfluch endlich zu bezwingen.

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