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Patrick Hausding will jetzt andere Prioritäten setzen. Foto: dpa
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Update Ausnahme-Wasserspringer Patrick Hausding beendet Karriere

Der wohl bekannteste deutsche Wasserspringer hört auf. Für den 33 Jahre alten Patrick Hausding „geht das Leben irgendwann auch mal weiter“, wie er selbst sagt.

„Die Schwimmhalle ist meine zweite Heimat“, hat Patrick Hausding einmal erzählt und damit die Schwimm- und Sprunghalle im Europasportpark an der Landsberger Allee gemeint. Nun wird der 33 Jahre alte Berliner heimatlos – weil er es selbst so will.
Hausding verkündete am Mittwoch seinen Rücktritt vom Leistungssport, als Wasserspringer hat er in seiner 17 Jahre währenden Sportlerlaufbahn beinahe alles erreicht: Drei Medaillen bei Olympia, vier bei Weltmeisterschaften (darunter eine goldene) und sagenhafte 32 bei Europameisterschaften. Mit seinen 15 EM-Titeln ist er kontinentaler Rekord-Champion. Aber Patrick Hausding war noch viel mehr als ein erfolgreicher Medaillensammler: Er war in Deutschland das Gesicht einer ganzen Sportart.

Mit sieben Jahren kam der Lichtenberger zum Wasserspringen, angeblich war er damals sofort fasziniert. Er liebe es, „Dinge zu können und zu machen, die Normalsterbliche nicht beherrschen“, hat er einmal gesagt. Schrauben, Salti, vorwärts, rückwärts, allein, synchron, vom Zehn-Meter-Turm, Ein- oder Drei-Meter-Brett – Hausding hat alles gemacht. 15.000 Sprünge pro Jahr waren für ihn normal, nicht immer ins Wasser. Manchmal auch auf der Trockenanlage mit Schaumstoff statt Wasser als Ziel. In Hochzeiten forderte der Sport ihn 30 Stunden in der Woche – da blieb nicht viel Zeit für andere Dinge.

Das soll sich nun ändern und das tat es auch bereits. Nach Olympia im vergangenen Sommer hatte Hausding durchklingen lassen, dass dies seine letzten Spiele sein würden – insgesamt war er viermal beim wichtigsten Sportereignis der Welt dabei. Und nur zu diesem Zeitpunkt war Wasserspringen mehr als nur eine Randsportart. Hausding lief in Tokio zusammen mit Beachvolleyballerin Laura Ludwig als Fahnenträger des deutschen Teams ins Olympiastadion ein, dass dabei wegen der Coronapandemie keine Zuschauer anwesend sein durften, ließ sich angesichts der ihm zuteil gewordenen Ehre verschmerzen.

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Er sei jetzt „im sportlichen Adel“, hatte Hausding damals gesagt. Und das man nur einmal Fahnenträger werden könne und dies etwas sei, dass „über den Sport hinausgehen“ würde. Auf die Ehre ließ Hausding bei den Wettkämpfen noch einmal Ruhm folgen und holte mit Partner Lars Rüdiger im Synchronspringen vom Drei-Meter-Brett Bronze. Am Jahresende wurde er zum vierten Mal zu Berlins Sportler des Jahres gewählt. Was sollte da noch kommen?

„Ich hatte immer gesagt, dass Tokio meine letzten Olympischen Spiele werden. Und ich hatte damals schon im Kopf, dass es wahrscheinlich auch mein letzter Wettkampf überhaupt sein wird“, sagte Hausding bei seiner Abschieds-Pressekonferenz am Mittwoch in Berlin. Sein Körper hätte viel mitgemacht und der Aufwand, sich in Topform zu bringen, wäre immer größer geworden. „Wenn man einmal ganz oben war, setzt man sich das immer wieder als Ziel“, sagte Hausding und erklärte, dass er diesen Ansprüchen nicht mehr gerecht werden könne. Beweisen brauche er aber niemandem mehr etwas.

Studium, Familie und nebenbei ein bisschen Wasserspringen schauen

Das Leben gehe auch irgendwann mal weiter, hatte er dem RBB schon zuvor gesagt und dabei das Leben abseits des Wasserspringens gemeint. Nun will er sich auf sein Studium konzentrieren und später vielleicht einmal Lehrer für Englisch und Sport werden. Und endlich auch mehr Zeit mit der Familie verbringen.

„Er war ein Ausnahmeathlet, der das Wasserspringen in den vergangenen 15 Jahren nicht nur in Deutschland und Europa, sondern weltweit geprägt hat“, würdigte Bundestrainer Lutz Buschkow die Karriere seines Vorzeigesportlers.

Die Schwimmhalle wird künftig für Patrick Hausding von der Heimat zum Ort für Freizeitaktivitäten – womöglich auch schon in dieser Woche, wenn er als Zuschauer mit den Wasserspringern bei ihren Internationalen Deutschen Meisterschaft im Europasportpark mitfiebert. Gut möglich, dass er irgendwann auch noch mal in anderer Funktion zu seinem Sport zurückkehrt.

Wenn er vielleicht doch nicht ganz loslassen kann, von dem, was ihn über 25 Jahre lang fasziniert hat.

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