Zum Hinlegen: Herthas glückloser Stürmer Ibisevic. Foto: dpa
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Auslaufen mit Lüdecke Botanische Probleme bei Hertha BSC

Frank Lüdecke
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Ein Wolfsburger kann nicht Schuhe binden und Herthas Spieler nicht das Tor treffen. Für Letzteres gibt es eine Erklärung, wie unser Kolumnist weiß.

In der Bundesliga sind mysteriöse Phänomene zu beobachten. Wolfsburgs Mannschaft konnte nur verspätet zur zweiten Halbzeit antreten. Weil: Einem Spieler gelang es nicht, rechtzeitig die Schuhe zuzubinden. Bei Hertha BSC beobachtet man seit Wochen ein anderes merkwürdiges Problem. Die Spieler können sich bei Offensivaktionen den Ball nicht zuspielen. Es wurden viele Versuche unternommen, meistens scheiterten sie.

Dieses eigenwillige Phänomen wurde natürlich vom Berliner Bundesligisten professionell untersucht. Gibt es ein taktisches Problem? Sind die Spieler technisch nicht auf der Höhe? Trainer Dardai betonte mehrfach, zumindest in Heimspielen den Grund der Misere zu kennen. Der Grund ist der Grund selbst. Der Boden nämlich, also der Rasen. Er ist im Olympiastadion von zu schlechter Qualität, als dass die Mannschaft gehobenen Ansprüchen gerecht werden könnte. Was uns Dardai sagen wollte: Hertha hat kein sportliches Problem, sondern ein botanisches.

Hertha kombinierte nach Herzenslust - zumindest für ein paar Minuten

Deshalb entschied man sich bei den Berlinern für eine Art Graswurzelbewegung. Für das Heimspiel gegen Freiburg wurde ein frisches Grün verlegt. Nagelneu.

Man war gespannt! Und siehe da: Der Trainer schien Recht zu behalten. Die Berliner Spieler kombinierten nach Herzenslust, ganz so, als sei der Ball ihr Freund. Leider erzielten sie in dieser Phase kein Tor. Genauer gesagt, erzielten sie nicht nur in dieser Phase kein Tor, sondern auch in keiner anderen. Sie erzielen in keiner Phase von Spielen Tore. Sie erzielen überhaupt keine Tore und das schon seit über sechs Stunden! Was wirklich schade ist. Denn das Erzielen von Toren ist ein ganz wesentlicher Bestandteil des Fußballspiels. Nach 30 guten Minuten gab es einen Bruch im Spiel der Mannschaft. Es ging quasi zurück zu den Graswurzeln. Die Bälle landeten wieder beim Gegner oder im Seitenaus. Was war passiert? War die Theorie des Trainers falsch? Oder hatte sich der neue Rasen sehr schnell abgenutzt? Vielleicht besteht die spielerische Krise aus einer Mixtur von taktischen, technischen, botanischen und vielleicht auch psychologischen Problemen. Ich weiß es doch auch nicht!

Jedenfalls spielte Hertha nach einer halben Stunde so, als sei der neue Rasen noch schlechter als der alte. Aber sehen wir das Positive: Alle Spieler hatten ihre Schuhe rechtzeitig gebunden.

Der Berliner Kabarettist Frank Lüdecke schreibt hier jeden Montag über die Fußball-Bundesliga. Am 18. März ist er mit seinem aktuellen Programm „Über die Verhältnisse“ in der Distel zu sehen.

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