Ein letztes Mal. Fabian Lustenberger verabschiedet sich auf der Mitgliederversammlung von Hertha BSC. Foto: Andreas Gora/dpa
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Auf der Mitgliederversammlung Hertha BSC diskutiert und verabschiedet blaues Blut

Die Berliner haben Ambitionen und gehen finanziell zumindest kleine Risiken ein. Auf der Mitgliederversammlung steht das aber nicht im Vordergrund.

Die Sonne stand hoch, als Hertha BSC am Sonntag seine Mitglieder zur Versammlung lud. Trotz der deftigen Heimniederlage am Tag zuvor zum Bundesliga-Saisonabschluss gegen Leverkusen (1:5) waren knapp 1200 der 36 100 Vereinsmitglieder gekommen. Wohl auch deshalb, weil sich die Vereinsikone Pal Dardai als langjähriger Cheftrainer noch einmal in diesem Kreis verabschieden wollte. Wie übrigens auch Fabian Lustenberger, der zusammen mit Dardai bereits tags zuvor emotionale Abschiedsbilder vor der Ostkurve im Olympiastadion geliefert hatte.

„In euch fließt blaues Blut. Danke Pal und Fabian“, stand auf einem riesigen Banner in der Kurve geschrieben, das die Fans gestaltet und hochgehalten hatten. Aber auch sonst gab es Gesprächsbedarf unter den Mitgliedern, wie etwa um das Prestigeobjekt der Vereinsführung, den Stadionneubau, der fürs erste gescheitert ist.

Doch erst einmal machte Hertha in der Mittagsstunde auf blau-weiße Familie. Und so wurde Pal Dardai auf die Bühne gebeten. Das Auditorium erhob sich geschlossen und spendete minutenlang Applaus. „Danke für die große Unterstützung, ohne die wäre ich nicht viereinhalb Jahre Cheftrainer gewesen“, sagte Dardai. Später kam noch Lustenberger dazu, der 306 Spiele für der Verein absolvierte.

Hinter ihm baute sich schließlich die komplette Mannschaft auf. „Es ist schwierig die richtigen Worte zu finden, mein Abschied hinterlässt eine große Lücke in mir“, sagte der 31-Jährige, der in die Schweiz zurückkehrt. „Danke für eure Unterstützung, danke für eure Zuneigung“, rief Lustenberger in den Saal.

Größter Ausgabeposten ist wieder das Personal

Anschließend stellte Finanzgeschäftsführer Ingo Schiller das Budget für die kommende Saison vor. Demnach plant Hertha mit einem Etat von 140,8 Millionen Euro. Das ist ein Plus von neun Millionen Euro im Vergleich zur Planung der eben abgelaufenen Spielzeit. Größter Einnahmefaktor ist das Fernsehgeld. Aus der nationalen und internationalen Vermarktung rechnet Hertha mit Einnahmen in Höhe von 68 Millionen Euro. Gut 35 Millionen Euro kommen aus Werbung, Sponsoring und Handel. „Wir planen für das kommende Geschäftsjahr mit einem Gewinn von 200 000 Euro“, sagte Schiller.

Auf der Aufwandsseite geht Hertha von Ausgaben in Höhe von 140,6 Millionen Euro aus. Größter Ausgabeposten ist wie jedes Jahr das Personal. Für diesen Bereich plant Hertha mit Ausgaben in Höhe von 64 Millionen Euro. Allein auf die Profimannschaft entfallen davon 54 Millionen Euro. Das sind fünf Millionen Euro mehr, als Hertha für die Lizenzmannschaft in der abgelaufenen Spielzeit eingeplant hatte. Die tatsächlichen Zahlen des noch laufenden Geschäftsjahres will der Verein erst nach Endes desselben (Stichtag 30. Juni 2019) bekanntgeben.

Herthas Geschäftsführer Finanzen Ingo Schiller. Foto: imago/Matthias Koch/Michael Hundt Vergrößern
Herthas Geschäftsführer Finanzen Ingo Schiller. © imago/Matthias Koch/Michael Hundt

Zum Ende des vergangenen Geschäftsjahres (30. Juni 2018) wies Hertha Verbindlichkeiten in Höhe von 47,63 Millionen Euro aus. Zu Ende des kommenden Monats werden die Schulden noch einmal deutlich steigen. Der Klub hatte im vorigen November für gut 71 Millionen Euro die Klubanteile vom Finanzinvestor KKR zurückgekauft. Dafür hatte Hertha im November eine 40-Millionen-Euro-Anleihe aufgelegt. 20 Millionen kamen als Vorauszahlungen von Sponsoren-Einnahmen, rund zehn Millionen Euro wurden als Bankkredit aufgenommen.

„Unsere Liquidität ist gut und das Anlagevermögen übersteigt die Verbindlichkeiten: Die wirtschaftliche Lage ist stabil“, hatte jüngst Herthas Präsident Gegenbauer in einem Tagesspiegel-Interview gesagt. Dennoch hat Hertha von der Deutschen Fußball-Liga (DFL) die Lizenz für die kommende Bundesligaspielzeit nur unter Auflagen erhalten. Hertha BSC muss regelmäßig seine Finanzdaten der DFL vorlegen.

Unterdessen verkündete Michael Preetz den ersten Neuzugang, es ist der 28 Jahre alte Abwehr- und belgische Nationalspieler Dedryck Boyata von Celtic Glasgow. Mit Mannschaftkapitän Vedad Ibisevic hat Hertha den auslaufenden Vertrag um ein weiteres Jahr verlängert.

Stadionneubau wieder einmal großes Thema

Vor allem das Thema Stadionneubau treibt die Mitglieder um. Bekanntlich hatte Herthas Vereinsführung Anfang April eine Absage für den Neubau eines Fußballstadions neben dem Olympiastadion erhalten. Seitdem haben sowohl Präsident Werner Gegenbauer im Tagesspiegel („Wir werden unprofessionell behandelt“) als auch Manager Michael Preetz im „Kicker“ („Die Politik wird sich bekennen müssen“) die politisch Handelnden kritisiert. Gestern teilte Gegenbauer noch einmal gegen den Landessportbund und den Berliner Fußball-Verband aus, weil beide sich bisher noch nicht einmal dazu geäußert hätten, dass ein Verein einen Stadionneubau privat finanzieren will. „Das finde ich ausgesprochen verblüffend“, sagte Herthas Präsident.

Versöhnliche Töne gab es zuletzt, als Berlins Sportsenator Andreas Geisel (SPD) das Gelände des Flughafens Tegel als Alternativstandort für ein Stadionneubau ins Gespräch gebracht hatte. Man werde die Idee „gerne ernsthaft prüfen“, sagte Schiller am Sonntag. Gleichwohl sagte er, dass Hertha das Gelände des Olympiaparks weiterhin für den geeigneteren Standort hält. Bei aller Offenheit dem Standort Tegel gegenüber: Probleme bereite das fehlende Verkehrskonzept und ein unkalkulierbarer Zeitpunkt der Tegel-Schließung. „Wir appellieren an den Senat, das Thema Stadionneubau endlich an sich zu reißen“, sagte Schiller. Erwartbar, dass diese Forderung vom Applaus der Mitglieder verschluckt wurde.

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