Einkaufskörbe und Basketballkörbe: Juan Roig ist Besitzer sowohl einer großen spanischen Supermarktkette als auch des spanischen Spitzenklubs Valencia BC. Foto: Manuel Bruque/dpa
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Alba Berlins Gegner im Eurocup-Finale Valencia BC - Superklub dank Supermarkt

Leonard Brandbeck

Das Wohl von Albas Eurocup-Finalgegner Valencia hängt an einem der reichsten Menschen Spaniens. Er sponsert auch die Anreise der Fans nach Berlin.

So ein Supermarkt ist schon etwas Praktisches. Brokkoli, Blockbatterien und Badeöl an einem Ort kaufen zu können, das ist natürlich angenehm. Besonders glamourös ist es aber nicht. Kein Wunder, dass sich Juan Roig, Besitzer der größten Supermarktkette Spaniens und einer der reichsten Menschen des Landes, noch ein weiteres Betätigungsfeld gesucht hat: den Sport. Seit über 30 Jahren ist er der Geldgeber bei Valencia BC, dem Gegner von Alba Berlin in der am Dienstag beginnenden Finalserie im Eurocup.

Mit seinem Geld hat Roig Valencia zu einem der größten Klubs im spanischen Basketball geformt, seit der sich 1986 von der Fußballabteilung des FC Valencia abgespalten hat. Die Spanier sind mit drei Titeln Rekordsieger des Eurocups und konnten vor zwei Jahren mit dem Gewinn der Meisterschaft gar die nationale Dominanz der Teams von Real Madrid und FC Barcelona durchbrechen. Roig legt dafür als Teambesitzer nicht nur das Scheckbuch auf den Tisch, sondern mischt auch aktiv im Management des Vereins mit.

„Es ist ziemlich ähnlich wie die Situation in Bamberg“, sagt Himar Ojeda, Alba Berlins Sportdirektor und als Spanier ein Kenner der dortigen Basketballszene. Auch in Bamberg ist Wohl und Gedeihen des Vereins an einen starken Mäzen gebunden, Unternehmer Michael Stoschek hat dort im Sommer nach einer enttäuschenden Saison des vorherigen Serienmeisters erst einmal das Budget gekürzt.

Davon ist Roig in Valencia weit entfernt. Er hat seinem Team gerade erst einen hochmodernen Trainingskomplex spendiert, bald soll für 192 Millionen Euro eine neue Arena mit 15 000 Plätzen folgen. Roig war deshalb auch schon in Berlin, um sich die Arena am Ostbahnhof anzuschauen, wie Ojeda berichtet.

Der locker sitzende Geldbeutel des 69-jährigen Milliardärs hilft jedoch nicht nur der Infrastruktur des Klubs auf die Sprünge, sondern auch dessen sportlicher Planung. Seit Jahren ist Valencia in der Lage, den Kern des Teams zusammenzuhalten. Die Hälfte der Akteure im Kader spielt bereits seit drei Jahren oder länger zusammen. Mit der inzwischen 37-jährigen Klublegende Rafa Martinez steht sogar noch ein Spieler im Kader, der bereits 2010 beim letzten Finalduell zwischen Alba und Valencia auf dem Parkett stand. „Es ist einfacher für sie wegen ihres Budgets“, sagt Ojeda. „Das braucht man einfach, wenn Spieler besser werden und man sie halten will.“

Bis zu 1000 spanische Fans werden in Berlin erwartet

Und vor der Eurocup-Finalserie sollen auch die valencianischen Fans von Roigs Engagement profitieren: Der Teambesitzer sponsert die Anreise nach Berlin; drei Charterflüge sowie den Flughafentransport hat er für das zweite Finalspiel am Freitagabend in der Arena am Ostbahnhof organisiert. „Er lädt alle ein“, flachst Ojeda und fügt an: „Das zeigt, wie sehr er den Titel gewinnen will – und wie reich er ist.“ Über 700 Tickets sind inzwischen verkauft, Ojeda rechnet mit bis zu 1000 spanischen Fans in Berlin. „Ich hoffe, wir kriegen 15 000 Leute in die Arena“, sagt er. „Dann sind es 14 000 gegen 1000, und dann ist es in Ordnung.“

Beim ersten Auswärtsspiel von Alba in Valencia am Dienstagabend wird das ein bisschen anders aussehen. „La Fonteta“, die aktuelle Spielstätte des spanischen Klubs, verfügt über 9000 Plätze, etwa 8000 davon sind allerdings bereits durch Valencias Dauerkarteninhaber besetzt. Das ist in Spanien nichts Ungewöhnliches: „Es gibt da nicht so viel Bewegung“, sagt Ojeda. „Die Vereine konzentrieren sich darauf, so viele Dauerkarten wie möglich zu verkaufen.“

Immerhin 100 Plätze stehen den Alba-Fans gemäß den Eurocup-Regularien zu. Und im Gegensatz zum Finale vor neun Jahren, als die Aschewolke des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull europaweit Flugverbote auslöste und die Berliner Fans zur Anfahrt im Bus zwang, sollte die Anreise diesmal ein bisschen entspannter vonstattengehen. „Wir machen alle die ganze Zeit schon Witze mit Martin Hermannsson“, erzählt Ojeda. Der isländische Alba-Guard trägt vor dem Spiel offenbar ähnlich viel Verantwortung wie Mäzen Roig in Valencia: „Er muss dafür sorgen, dass bei ihm zuhause nicht wieder ein Vulkan ausbricht.“

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