Duell der Generationen: Bambergs Nikos Zisis (links) ist mehr als doppelt so alt wie Albas Franz Wagner. Foto: imago/Camera 4
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Alba Berlin gegen Bamberg Das Pokalfinale ist ein Duell der Gegensätze

Allein Bambergs Nikos Zisis hat mehr als doppelt so viele Titel gewonnen wie Albas junges Team. Die Berliner warten seit 2016 auf einen Pokal.

Warum sie bei Alba Berlin vor dem Pokalfinale von einem Duell der Gegensätze sprechen, wird bei einem Blick auf die beiden Mannschaften ziemlich schnell deutlich. Sechs nationale Titel haben die Basketballer im Berliner Kader in ihren Profikarrieren bisher gewonnen, alle zusammen. Diese Marke hatte Nikos Zisis alleine schon 2009 erreicht. Insgesamt hat der mit 35 Jahren älteste Spieler in Diensten von Bamberg neun Meisterschaften, sechs nationale Pokalsiege, einen Euroleague-Titel, einen Europapokal der Pokalsieger und eine EM in seiner beeindruckenden Vita stehen. Der Grieche ist nur der Erfolgreichste unter vielen Erfolgreichen. Auch Ricky Hickman und Tyrese Rice haben Europas wichtigsten Vereinswettbewerb bereits gewonnen. „Bamberg hat zwei große Vorteile“, sagt Albas Sportdirektor Himar Ojeda. „Sie spielen zu Hause und sie haben Spieler, die sehr erfahren sind, schon große Titel geholt haben und wissen, worauf es in so einem Endspiel ankommt.“

Es ist eine ungewöhnliche Ausgangslage vor dem Finale am Sonntag (15 Uhr, live auf Sport1). Obwohl die Bamberger in der Liga nur eine Niederlage mehr kassiert haben als Alba und noch in allen drei Wettbewerben vertreten sind, gilt ihre Saison bisher als ziemlich durchwachsen. Das hängt zu großen Teilen mit der Unruhe im Klub zusammen. Nach einer schwachen Vorsaison, in der auch Erfolgstrainer Andrea Trinchieri gehen musste, kündigte Bambergs starker Mann und Geldgeber Michael Stoschek finanzielle Einschnitte an. Mit Bayern München konnte der ehemalige Serienmeister nicht mehr mithalten, der Kader blieb aber trotz des reduzierten Budgets hochkarätig besetzt. Doch erst seit der vorherige Assistent Federico Perego im Januar das Amt des Cheftrainers vom glücklosen Ainars Bagatskis übernommen hat, läuft es in Bamberg wieder einigermaßen rund. Am großen Respekt, den sie bei Alba vor den Franken haben, hat diese ganze Unruhe jedoch nichts geändert. „Sie können ihre Qualitäten vielleicht nicht immer zeigen, aber in einem Spiel sind sie sehr gefährlich“, warnt Ojeda.

"In Endspielen kann man wachsen"

Für Alba wird es vor allem darauf ankommen, sich nicht dem Gegner anzupassen, sondern dem eigenen Stil treu zu bleiben. Denn nicht nur bezüglich der Erfahrung ist es ein Duell der Gegensätze: hier der tempo- und risikoreiche Berliner Basketball, da das geduldigere, viel auf individuelle Qualitäten ausgelegte Spiel der Bamberger. „Der Schlüssel wird sein, den Ball schnell zu machen, mit hoher Intensität zu Werke zu gehen – also so zu spielen, wie wir immer spielen“, sagt Joshiko Saibou. Albas Nationalspieler glaubt, dass sein Team im Vergleich zum letzten Jahr noch besser geworden ist. Da verloren die Berliner nach deutlicher Führung noch in den letzten Minuten gegen München. „Das ist jetzt aber eine neue Geschichte: wir haben ein anderes Team, es ist ein anderer Gegner“, sagt Saibou. Was sich nicht verändert hat, ist der große Hunger nach Siegen. Nach zwei knapp verlorenen Finals in der vergangenen Saison sei die Motivation riesig. „Das Ziel ist, den Titel zu holen.“

Das gilt auch für Marco Baldi, der Manager betrachtet das Endspiel allerdings auch vor dem Hintergrund der Teamentwicklung. „Titel helfen gerade einer jungen Mannschaft, sie sind aber kein Muss“, sagt der Manager. „Wichtig ist vor allem die Drucksituation in so einem Finale, daran kann man wachsen.“ Das größere Wachstumspotenzial haben dabei ganz sicher die jungen Berliner.

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