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Die Klage der AfD gegen Frankfurts Präsident Peter Fischer wurde in erster Instanz abgewiesen. Foto: imago/Sven Simon
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AfD und der Fußball Wie die Bundesliga-Klubs mit rechts außen umgehen

Die Bundesligisten sind gestählt im Kampf gegen Ausgrenzung, reagieren sensibel auf die AfD. Doch ist Aussperrung die richtige Maßnahme? Eine Analyse.

Will ein Fußball-Bundesligist einen AfD-Anhänger verprellen, könnte er den unerwünschten Fan am Stadiontor mit folgendem Hinweis wegschicken: „Hier spielt die Bundesligamannschaft, Hautfarbe oder Herkunft der Spieler spielen keine Rolle. Unser Arier-Team spielt als vierte Mannschaft, hat heute ein Punktspiel in der Kreisliga C, Platz 17.“ Rechts raus, mit Humor: Wie kann der Fußball mit Extremen umgehen, die gegen die Werte stehen, die ein Klub leben will? Oder ist es der Pass aus zwei Metern – ist es nicht zu einfach, gegen die AfD zu stänkern?

Ende vergangenen Jahres hat Peter Fischer recht eindeutig formuliert, wo er die AfD nicht sehen möchte. Der Präsident von Eintracht Frankfurt sagte der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“: „Es verträgt sich nicht mit unserer Satzung, AfD zu wählen.“ Solange er da sei, werde es „keine Nazis bei Eintracht Frankfurt geben. Es gibt für die braune Brut keinen Platz.“ Die AfD stellte Strafanzeige wegen Beleidigung, übler Nachrede und Verleumdung und bekam – nicht recht. Die Staatsanwaltschaft ließ am Mittwoch verlauten, die Klage sei abgewiesen.

Die Eintracht ist nicht der einzige Klub, der diese Partei nicht im Stadion haben möchte. Kürzlich hat Werder Bremens Präsident Hubertus Hess-Grunewald in den Raum gestellt, dass es ein Widerspruch sei, „Werder gut zu finden und die AfD zu wählen“. Sein Verein stehe für Integration und Offenheit – für die Werte, für die die AfD nicht stehe. Ein langjähriger Anhänger des Klubs soll daraufhin seine Mitgliedschaft gekündigt haben. Dann hieß es, Hess-Grunewald wollte dem Menschen in Zukunft keine Dauerkarte mehr gestatten, obwohl diese nicht an eine Mitgliedschaft gekoppelt ist.

Lob, Schweigen und Kritik

Die Reaktionen auf diese Geschichten sind vorhersehbar. Lob von links, Schweigen in der Mitte, Kritik von rechts. Der AfD-Bürgerschaftsabgeordnete Alexander Tassis sagte laut „Weser Kurier“: „Es ist eine Schande, dass Wohlfahrtsverbände und Sportvereine wie Werder Teil der Merkel’schen Flüchtlingsindustrie geworden sind. Werder sollte sich schämen.“

Werder will sich aber nicht schämen für eine Entwicklung, die der Klub und die Liga hinter sich haben im Kampf gegen rechts. Wer in den Neunzigern zum ersten Mal die Stehkurve bei einem Spiel in der Fußball-Bundesliga besucht hat, musste damit rechnen, dass es dort auch mal rechtsrustikal zuging. Da gab es ganz offen rassistische Witze zum Bier und Ähnliches. Nicht überall, aber vielerorts. Die Stadien der Liga waren kein Hort der Diversität. Aber es wurde viel getan von oben und dann auch von vielen Fangruppierungen, die Bundesliga-Klubs sind gestählt im Kampf gegen Ausgrenzung und Rassismus. Rassismus und Ausgrenzung hat auf den Rängen der Bundesliga also seit Jahren keinen großen Platz mehr. Affengegrunze und Bananenwürfe sind traurige Vergangenheit.

Vielleicht ist die Liga sogar ein Stück weiter mit dem Kampf gegen Rassismus als die Gesellschaft, weil das Problem in den Stadien offen sichtbar und damit greifbar war. Und nun sind die Klubs eben sensibel, dass mögliche Auftritte im Stadion von Politikern aus dem rechtspopulistischen Lager etwas ändern könnten, rassistisches Gedankengut womöglich auf fruchtbaren Boden fällt.

Unpolitisch oder politisch?

Leipzigs Trainer und Sportdirektor Ralf Rangnick findet, dass der Fußball unpolitisch sein müsse. Michael Preetz, Manager von Hertha BSC dagegen fordert, dass der Fußball gegen Rassismus und Ausgrenzung klar Position beziehen müsse. Christian Seifert, Chef der Deutschen Fußball-Liga (DFL) hat gesagt, er sei sich sicher, dass viele Klubs – „wenn auch nicht so offensiv wie Eintracht Frankfurt“ – genauso denken.

Auf Veranstaltungen von Rechtsaußen geht es weniger zimperlich zu als in einem Bundesligastadion. Der bayrische AfD-Kandidat Andreas Winhart hat im Wahlkampf öffentlich gesagt: „Wenn mich in der Nachbarschaft ein Neger anküsst oder anhustet, dann muss ich wissen, ist er krank oder ist er nicht krank.“ Es sind solche und auch sicher Äußerungen wie die vom AfD-Vorsitzenden Alexander Gauland, der sagte, dass Leute "einen Boateng nicht als Nachbarn haben“ wollen würden, die Klubs wie Frankfurt oder Bremen so sensibel reagieren lässt in Punkto AfD. Jede Agitation oder Reaktion auf diese Partei und ihre Aussagen allerdings wird ihre entsprechende Gegenreaktion finden. Die Sprache der Aggression und Ausgrenzung beherrschen die Politiker vom rechten Rand, es ist ihre Sprache. Humor ist es weniger. Aber das eingangs erwähnte AfD-raus-aber-mit-Humor-Modell erscheint nicht praktikabel, auch wenn es vielleicht sogar ankommen würde.

Im Clinch mit dem Rechtspopulismus: Peter Fischer. Foto: imago/Eibner Vergrößern
Im Clinch mit dem Rechtspopulismus: Peter Fischer. © imago/Eibner

Politik und Sport müssen sich trennen lassen. Es muss gehen, denn sonst schafft sich der Sport, oder mindestens das große Sportereignis, bald selbst ab. Der Sport muss sich mitunter gegen die Politik wehren. Denn: Politiker missbrauchen den Sport, so wie Recep Erdogan nun kürzlich die beiden deutschen Fußball-Nationalspieler Mesut Özil und Ilkay Gündogan beim gemeinsamen Foto auch ein Stück weit ausgenutzt hat. Es ist überzogen, von Fußballspielern zu verlangen, dass sie sich dezidiert mit allen Facetten in der Politik auskennen. In jeder Bundesligamannschaft sind Menschen verschiedener Herkunft, Interessen und Bildung – auch zum Teil ein Querschnitt unserer Gesellschaft und die ist nicht durchgehend politisiert. Es ist wünschenswert, dass Fußballspieler um den Kern des Grundgesetzes wissen, so wie jeder der vielen Bürgerinnen und Bürger, die AfD wählen. Auch Sportler sollten ihren Sport nicht missbrauchen, sondern fairen Wettbewerb wollen. Sie sind eben keine Politiker. Von denen wird ja auch nicht gefordert, dass sie die gescheiterte Spieltaktik der deutschen Fußball-Mannschaft bis ins Detail erklären können.

Es gibt keine Politik des Rassismus, sondern nur Rassismus. Miteinander und Sport lassen sich nicht trennen. So gesehen ist das mit Aussagen mancher AfD-Politiker kompliziert. Aber das heißt nicht, dass der Anhänger der AfD nicht ins Stadion kommen sollte, wenn er sich entsprechend der Ordnung des Klubs verhält und erträgt, dass er dort mit einer anderen Haltung als die der Ausgrenzung konfrontiert wird. Werder, Frankfurt, Hertha und die anderen Klubs wollen ja auch Werbung für eine offene Gesellschaft machen.

Es wäre für einen Klub per Satzung legitim zu bestimmen, dass er zum Beispiel nur SPD-Anhänger im Publikum haben möchte. Der Türsteher vor einem Nachtclub entscheidet ja auch, wen er hineinlässt und wen nicht. Praktikabel erscheint so etwas im großen Fußballstadion allerdings kaum. Und da ist ja neben der Frage der Legitimität auch die Frage, ob so ein Prozedere überhaupt in Einklang zu bringen wäre mit der Ausrichtung der Liga, die ja seit Jahren mit ihren Mannschaften für eine offene Gesellschaft steht. Und zu der gehört eben, auch die zu tolerieren, die wenige Menschen tolerieren.

Nicht gleichzusetzen mit einem Stadionverbot

Aber die offene Gesellschaft muss sich auch wehren dürfen. Es steht einem Verein grundsätzlich frei, an wen er Dauerkarten und Spieltagtickets verkauft. Genauso frei steht es den Vereinen ja auch, über die Anzahl der zu verkaufenden Dauerkarten zu entscheiden. Werder Bremen hat sich in der Vereinssatzung politische Neutralität auferlegt und muss sich insofern gegenüber seinen Mitgliedern rechtfertigen. Alle Bundesliga-Klubs sind aber auch Mitglied der DFL und sind auch ihr gegenüber zur politischen Neutralität verpflichtet. Das Verbot von Dauerkartenverkäufen an AfD-Mitglieder ist ja nicht gleichzusetzen mit einem Stadionverbot. Ein solches muss laut Bundesverfassungsgericht sehr streng am Gleichheitsgrundsatz und am Diskriminierungsverbot gemessen werden und wäre gegen AfD-Mitglieder sicherlich nicht durchsetzbar.

Werder Bremen hat die Aussagen von Präsident Hess-Grunewald mittlerweile offiziell relativiert. Auch in Zukunft dürfen AfD-Mitglieder Dauerkarten und Einzeltickets kaufen, auch so ein Mensch wie AfD-Kandidat Andreas Winhart, der im Jahr 2018 immer noch oder wieder das Wort „Neger“ in seinem Wortschatz führt. Das kann unsere liberale Gesellschaft aushalten, sonst gibt sie denen recht, die sie zerstören wollen. Die Hessen-AfD kündigte ja an, Beschwerde gegen die Einstellung des Verfahrens gegen Frankfurts Präsident Peter Fischer einzulegen. Die AfD nutzt halt jedes Spielfeld, das sich ihr bietet.

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