Da ist das Ding: Der FC Bayern feiert den Pokaltriumph. Foto: Michael Sohn/dpa
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Update 4:2-Sieg im Pokalfinale gegen Leverkusen Doublesieger – Der FC Bayern München lässt einfach nicht locker

Auch im ersten Geister-Pokalfinale sind die Bayern nicht zu stoppen. Durch einen 4:2-Sieg gegen Leverkusen holen die Münchner ihren insgesamt 20. Pokalsieg.

Dass das DFB-Pokalfinale 2020 ein besonderes werden würde, war angesichts der Umstände schon vor dem Anpfiff klar. Aber an das Endspiel zwischen dem FC Bayern München und Bayer Leverkusen wird man sich später nicht nur wegen der Geisterspielatmosphäre erinnern.

Nach gut einer Stunde erlebten die 700 Augenzeugen im Berliner Olympiastadion einen denkwürdigen Moment: Manuel Neuer, der Torhüter der Bayern, hatte den Ball weit nach vorne gebolzt, knapp dreißig Meter vor dem Leverkusener Tor nahm Robert Lewandowski das Anspiel aus der Luft entgegen, und noch bevor der Ball den Boden berührte, zog Lewandowski ab. Leverkusens Torhüter Lukas Hradecky versuchte es mit einer Faustabwehr und boxte sich den Ball durch die Beine ins Tor.

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Es war das 3:0 für die Bayern und die Entscheidung in einem lange erstaunlich einseitigen Finale. Sven Bender verkürzte nach der ersten Ecke für Leverkusen zwischenzeitlich auf 1:3, Kai Havertz traf in der Nachspielzeit per Handelfmeter zum 2:4. Aber trotz einiger weiterer Chancen brachten die Münchner die Angelegenheit ohne größere Probleme über die Bühne.

Die Bayern lassen einfach nicht locker, auch nicht am Ende einer langen und zehrenden Saison. Das 4:2 (2:0) bescherte ihnen den 20. Pokalsieg der Vereinsgeschichte – und das 13. Double aus Meisterschaft und Pokal. „Ich würde den Pokal gerne mit den Fans feiern“, sagte Serge Gnabry nach dem ersten Geister-Pokalfinale der deutschen Fußballgeschichte. „Es ist schon komisch in so einem leeren Stadion, wo normalerweise so ein geiles Gefühl aufkommt.“

Die Münchner hatten ihre Kurve im leeren Olympiastadion mit den Bannern von insgesamt 900 Fanklubs verziert. Auf der anderen Seite, links und rechts des Marathontores, waren die Sitze in den Leverkusener Vereinsfarben Rot und Schwarz dekoriert. „Schreibt Geschichte“, stand auf einem Banner unterhalb des Oberrangs.

Von jedem Klub durften – inklusive der Mannschaft – 120 Zuschauer ins Stadion. Die Leverkusener Delegation war zunächst die deutlich lautere. Sie klatschte und jubelte schon, als die Spieler zum Warmmachen kamen. Aber ihr Enthusiasmus ließ bereits früh nach. In den ersten fünf Minuten war Bayer die aktivere Mannschaft, danach aber übernahmen die Münchner immer mehr die Kontrolle.

Komm in meine Arme: Serge Gnabry (links) und Robert Lewandowski trafen beide im Pokalfinale. Foto: Matthias Koch/Imago Vergrößern
Komm in meine Arme: Serge Gnabry (links) und Robert Lewandowski trafen beide im Pokalfinale. © Matthias Koch/Imago

Mit der letzten Aktion der ersten Halbzeit, im Anschluss an einen Freistoß, brachte Leverkusens Kapitän Lars Bender den Ball erstmals so aufs Tor, dass Manuel Neuer eingreifen musste. Zu diesem Zeitpunkt war das Finale allerdings schon so gut wie entschieden: 2:0 führten die Bayern – und Leverkusen hatte ordentlich mitgeholfen.

Das 1:0 resultierte aus einem Freistoß von der Strafraumgrenze, den Bayers Verteidiger Ezequiel Tapsoba nach einer Viertelstunde durch sein täppisches Einsteigen gegen Robert Lewandowski verschuldet hatte. David Alaba hob den Ball über die Mauer, Lukas Hradecky im Leverkusener Tor streckte sich vergebens.

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Kurz darauf reagierte der Finne glänzend, als Thomas Müller den Ball nach einem verunglückten Schuss von Serge Gnabry aus kurzer Distanz aufs Tor brachte. Aber Hradecky gewährte seiner Mannschaft damit nur einen Aufschub von wenigen Minuten, bis die Bayern das 2:0 erzielten. Nach einem Ballverlust von Julian Baumgartlinger im Mittelfeld schalteten die Münchner flink um und erwischten die Leverkusener Defensive in einem Moment der Unordnung. Gnabry überwand Hradecky mit einem Schuss ins lange Eck.

Finale auf Abstand: Im Berliner Olympiastadion war nicht ganz so viel los wie in den vergangenen Jahren. Foto: Ronald Wittek/AFP Vergrößern
Finale auf Abstand: Im Berliner Olympiastadion war nicht ganz so viel los wie in den vergangenen Jahren. © Ronald Wittek/AFP

Die Bayern ließen nie locker, attackierten die Leverkusener mit großem Eifer und hoher Intensität. Drei halbwegs verheißungsvolle Angriffe brachte Bayer in der ersten Hälfte zustande, von denen zwei nachträglich wegen Abseits annulliert wurden. Beim dritten verpasste Kai Havertz eine scharfe Hereingabe von Leon Bailey nur knapp. Wir hatten noch mal die Chance, für ein spannendes Spiel zu sorgen, aber die Momente, die wir hatten, haben wir leider verpasst“, sagte Lars Bender nach dem Spiel.

Als Neuner in der Spitze blieb Havertz in der ersten Hälfte weitgehend blass. Aber das galt nicht nur für ihn, sondern für die gesamte Mannschaft. Trainer Peter Bosz brachte zur zweiten Halbzeit Kerem Demirbay und Kevin Volland. Aber die Bayern ließen auch weiterhin wenig Luft an dieses Spiel. Gnabry und Lewandowski hatten schon zu Beginn der zweiten Halbzeit die Chance, die Führung auszubauen. Und als Moussa Diaby seinem Gegenspieler Alphonso Davies einmal davonsprintete und perfekt in die Mitte passte, trat Volland über den Ball.

Aber die Leverkusener wurden nun etwas fordernder, was letztlich auch zu Neuers vermutlich ungewollter Vorarbeit zu Lewandowskis wahnwitzigem Treffer zum 3:0 führte. Er wollte den Ball gegen die nun forscher pressenden Leverkusener einfach nur mit Wucht aus der Gefahrenzone dreschen. Aber selbst solche Notvorlagen vermag Lewandowski noch zu veredeln. Es war sein 50. Pflichtspieltor in dieser Saison. Anderthalb Minuten vor dem Ende ließ er dann mit dem Lupfer zum 4:1 auch noch das 51. folgen.

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