Doppelt getroffen. Herthas Selke (links). Foto: dpa
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2:1 gegen den 1. FC Köln Davie Selke erzielt das 1000. Heimtor von Hertha BSC

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Hertha BSC kann es doch noch: Mit dem 2:1 gegen Köln befreien sich die Berliner von einem Heimkomplex.

Am Ende ging alles ganz schnell, was bei der Vorlaufzeit schon ziemlich sensationell war. Wochenlang hatten sie bei Hertha BSC auf einen Jubiläumstreffer gewartet, der dem Torschützen einen Eintrag in der Vereinschronik garantiert: das 1000. Bundesliga-Tor im Olympiastadion. Allerdings gestaltete sich das Unterfangen schwieriger als erwartet; zuletzt war Hertha daheim fünf Mal in Serie ohne Sieg und drei Mal in Folge ohne eigenen Treffer geblieben, diese Werte schlugen sich auch merklich auf die Stimmung nieder. Seit Samstag ist die Welt im Kosmos des Berliner Fußball-Bundesligisten nun wieder einigermaßen in Ordnung: Dank zweier Tore von Stürmer Davie Selke, der zuvor selbst über 700 Minuten nicht getroffen hatte, besiegten die Berliner den 1. FC Köln mit 2:1 (0:1) und besiegelten damit fast schon das Schicksal des neuen und alten Tabellenletzten. Absurderweise lagen zwischen Ausgleichs- und Führungstor ganze drei Minuten.

„Für uns ist das vor allem psychologisch wichtig. Ich hoffe, dass sich unsere Blockade damit löst“, sagte Trainer Pal Dardai. „Wir haben Charakter und Moral gezeigt und einen Rückstand gedreht“, ergänzte der Ungar. „Ganz zufrieden kann ich trotzdem nicht sein, weil wir nach dem 2:1 das 3:1 machen müssen. Dann wäre es durch gewesen, aber so mussten wir noch einmal zittern.“

Dardai selbst hatte nichts unversucht gelassen, das Jubiläumstor zu erzwingen; Erst zum fünften Mal in der Saison 2017/18 entschied sich Dardai für eine Startformation mit zwei echten Stürmern, namentlich Davie Selke und Vedad Ibisevic. Im dritten Aufeinandertreffen beider Klubs in dieser Saison – Hertha gewann das Hinspiel in Köln 2:0, die Kölner 3:1 im DFB-Pokal in Berlin – dauerte es nur 20 Sekunden, ehe Kölns Keeper Timo Horn erstmals eingreifen musste: Salomon Kalou hatte den Abschluss gesucht, Horn lenkte den Ball ins Toraus. In der Folge machten die Gäste dann den besseren und strukturierteren Eindruck gegen defensive Berliner, die zunächst jedoch recht kompakt standen. Auf der Gegenseite scheiterte Yuya Osako mit einem Kopfball an Rune Jarstein im Berliner Kasten. Nach einer knappen halben Stunde war der Norweger aber machtlos: Jhon Cordoba, gerade für den verletzten und zuvor sehr auffälligen Simon Zoller gekommen, schickte Leonardo Bittencourt auf die Reise, der sich im Laufduell mit Mitchell Weiser durch setzte und zum 0:1 traf.

Dardai sagte: „Davie hat das heute richtig gut gemacht, so will ich es sehen.“

Die 4000 Kölner unter den 45.000 Zuschauern im Olympiastadion, die gleich zu Beginn negativ durch das Abbrennen bengalischer Feuer aufgefallen waren, bejubelten die Führung in etwa so lautstark wie der Berliner Anhang zur Halbzeit pfiff. Sehr, sehr laut.
Nach dem Seitenwechsel agierte Hertha energischer, entschlossener und vor allen Dingen: endlich zielführend. Nach 48 Minuten durfte Marvin Plattenhardt in aller Seelenruhe vom linken Flügel flanken, nach einer Kopfballverlängerung durch Vedad Ibisevic landete der Ball direkt vor den Füßen Davie Selkes, der den Ball mit voller Wucht zum 1:1 im langen Ecke unterbrachte; Timo Horn im Kölner Tor war chancenlos und konnte nur noch hinterherschauen.

Damit, so schien es, war der Bann für Hertha endlich gebrochen – zumal die Berliner nachsetzten. Erneut brachte sich Plattenhardt auf dem linken Flügel in eine gute Position und bediente abermals Davie Selke im Sturmzentrum, der diesmal nur den Fuß hinhalten musste, um aus Nahdistanz zum 2:1 zu vollenden. Damit hatten die Gastgeber ein relativ ausgeglichenes Spiel innerhalb weniger Augenblick gedreht. Aus dem Gröbsten heraus waren sie trotzdem nicht, die Kölner begaben sich zumindest auf die Suche nach einer Antwort – und hätten sie beinahe gefunden. Nachdem Mathew Leckie eine Großchance zum 3:1 vergeben hatte, drängten die Kölner auf den Ausgleich. Allerdings brachten die Berliner im letzten Moment immer wieder Beine dazwischen und verteidigen ihr Tor vehement. Innenverteidiger Niklas Stark, für gewöhnlich ein Muster an Souveränität und Sicherheit, leistete sich kurz vor Schluss einen kapitalen Ballverlust, der fast zum Ausgleich geführt hätte. Im Eins-gegen-Eins mit Rune Jarstein zeigte Cordoba allerdings Nerven und lupfte den Ball über das Tor.

Bei Pal Dardai sorgte dieser Umstand offensichtlich für Erleichterung. Herthas Trainer hatte sogar ein Sonderlob für seinen Doppeltorschützen parat: „Ich habe Davie vor ein paar Wochen im Training gesagt, dass er sich endlich wieder aufs Toreschießen fixieren soll“, sagte der Coach. Das klang zwar so banal wie naheliegend, hatte aber offensichtlich Erfolg. „Davie hat das heute richtig gut gemacht, so will ich es sehen.“

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