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Die Makkabiade in Berlin im Jahr 2015 war ein großer Erfolg. Gemeinsame Olympische Spiele sind bislang nur eine Idee. Foto: picture alliance / dpa
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100 Jahre nach den Nazispielen in Berlin Der Vorschlag von deutsch-israelischen Spielen ist unausgegoren

Der Duft von Sportmarketing umweht die Idee gemeinsamer Olympischer Spiele. Auch wenn das Motiv von Frieden und Versöhnung nobel klingt. Ein Kommentar.

Gemeinsame Olympische Spiele 2036 in Berlin und Tel Aviv? Wer es böse meint mit der Idee zweier deutscher Sportfunktionäre, der wird sagen: Wenn die Deutschen es alleine schon nicht hinbekommen mit einer erfolgreichen Olympiabewerbung, dann doch wenigstens zusammen mit Israel und dieser herausragenden Symbolik 100 Jahre nach den Nazispielen in Berlin. Ein Jubiläum als Türöffner für Olympia.

Und auch, wer es nicht böse meint, den beschleicht das Gefühl, dass die Bedeutung, die diesen Spielen beigemessen werden soll, etwas zu doll ist. Zumal der Sport und explizit die Olympische Bewegung sich immer gegen eine politische Vereinnahmung gewehrt haben. Oftmals vergeblich.

Sicher, das Motiv von Frieden und Versöhnung klingt erst einmal kompatibel mit der Idee des Olympia-Vordenkers Pierre de Coubertin. Doch an dem Gedanken von deutsch-israelischen Spielen haftet auch der Verdacht, die Deutschen wollten ihre Schuld dadurch ein bisschen tilgen und das Verhältnis schöner darstellen, als es in Wirklichkeit ist (der Antisemitismus hat in den vergangenen Jahren hierzulande zugenommen). Zu erwähnen ist hierbei, dass die sportliche Umarmung der beiden Länder von deutscher Seite initiiert ist, nicht von israelischer.

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Abgesehen davon stellte sich die Frage, wie solche gemeinsamen Spiele dann konkret ablaufen könnten. Charme und Erfolg von Olympischen Spielen bestehen gerade darin, dass die Sportarten bis auf wenige Ausnahmen in einer Stadt ausgetragen werden. Beide Städte würden sich um die attraktiven Kernsportarten wie Leichtathletik oder Turnen streiten. Und wie wäre es mit den Athleten aus so manchen arabischen Ländern, die ein zutiefst feindschaftliches Verhältnis zu Israel pflegen? Würden diese dann ihre Wettbewerbe ausschließlich in Berlin bestreiten?

Der Vorschlag von deutsch-israelischen Spielen ist unausgegoren. Und leider nicht nur das: Ihn umweht der Duft von Sportmarketing. Sollte die israelische Seite nicht bald große Begeisterung dafür zeigen, wäre diese Berliner Idee bereits gestorben, bevor sie konkret angegangen werden könnte.

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