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Nicht interessiert daran, was Hertha will: Andreas Voglsammer will mit seinen Toren dazu beitragen, dass Union weiterkommt. Foto: dpa
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1. FC Union vor dem Pokalderby Der Plan gegen Hertha BSC heißt schweigen und siegen

Trotz des aktuellen Höhenfluges in der Bundesliga verzichtet der 1. FC Union auf laute Töne.

Wenn Andreas Voglsammer nach der Fußballkarriere einen neuen Berufsweg einschlagen will, dann sollte er lieber Regierungssprecher werden als Boxer. Denn Trashtalk ist nicht sein Ding. Wie viele seiner Berufskollegen ist er nach einigen Jahren im Geschäft ein Künstler darin, in höflicher Art und Weise nur das absolut Nötige zu sagen.

Als er im Vorfeld des Derbys im Pokal-Achtelfinale an diesem Mittwoch (20.45 Uhr, live in der ARD und bei Sky) gefragt wurde, was denn für den Gegner sprechen könnte, antwortete er in typischer Fußballer-Manier: „Darüber habe ich mir keine Gedanken gemacht. Wir schauen auf uns, werden unser Bestes geben, um weiterzukommen.“

Säbelrasseln hört sich anders an. Aber mit seiner Wortkargheit ist Voglsammer nicht alleine. In Köpenick hat man diese Woche generell auf große Sprüche verzichtet. Auch Trainer Urs Fischer sagte am Dienstag, dass die Frage der Stadtmeisterschaft für ihn „uninteressant“ sei.

Dass man vor diesem Derby noch nicht richtig heiß gelaufen ist bei Union, ist zum Teil verständlich. Es liegt wohl daran, dass das Spiel an einem Mittwoch stattfindet, und damit zwischen zwei Ligaspielen. Die Vorbereitungszeit, und damit auch die Zeit fürs Kribbeln im Bauch, ist deutlich kürzer als üblich. Als Voglsammers Teamkollege Andreas Luthe vorige Woche zum Spiel vernommen wurde, musste er erst nachfragen, wann es überhaupt stattfinde.

Die Revolution ist im Gang

Andererseits liegt Unions Zurückhaltung vielleicht daran, dass die Revolution ja schon im Gang ist und die Klassenverhältnisse mittlerweile anders sind. Angesichts ihres Höhenflugs in der Liga und des klaren Siegs im vorangegangenen Derby im November sind die Köpenicker dieses Mal klar in der Favoritenrolle.

Darüber wollen sie verständlicherweise nicht stolpern, und so gehen sie ohne großen Hochmut in die Partie. „Das ist ein Pokalspiel, da sind die Karten ganz anders gemischt. Es wird enorm schwierig“, sagte Voglsammer. Auch Urs Fischer wollte den Vergleich in der Bundesliga-Tabelle – Union steht auf Rang fünf, neun Punkte und acht Plätze vor Hertha – nicht ziehen. „Die Tabelle hat doch keinen Einfluss auf ein Pokalspiel“, sagte er.

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Unter neuem Trainer Tayfun Korkut sei Hertha nun „aktiver mit dem Ball“, sagte Fischer, und deshalb seien Kompaktheit und Organisation für seine Mannschaft von größter Bedeutung. Nach dem 2:1-Sieg gegen Hoffenheim am vergangenen Samstag gaben sich der Trainer und seine Spieler in dieser Hinsicht durchaus selbstkritisch.

In den vorderen Reihen muss Fischer im Vergleich zu den jüngsten Derbys ein wenig umstellen. In zwei der vergangenen drei Spiele gegen Hertha hat Taiwo Awoniyi für Union getroffen, im November lag es auch an ihm, dass die Köpenicker so schnell die Kontrolle über das Spiel eroberten. Aber der Nigerianer ist immer noch mit seiner Nationalmannschaft beim Afrika-Cup, und so müssen ihn andere ersetzen.

Stürmen Voglsammer und Becker?

Womöglich bekommen Voglsammer, der am Samstag ein Tor geschossen hat, und Sheraldo Becker, der mit seiner explosiven Leistung von der Bank das Spiel verändert hat, den Zuschlag. „Es kann auch eine Möglichkeit sein, dass beide im Sturm spielen“, sagte Fischer.

Am liebsten würden sie bei Hertha wohl das Ergebnis vom November vergessen machen, doch auch davor ist man in Köpenick gewarnt. Wobei der wortkarge Andreas Voglsammer selbst diese These geschickt abgeblockt hat: „Wie scharf sie darauf sind, Revanche zu nehmen, weiß ich nicht“, sagte er. Das sei auch egal, denn: „Wir wollen weiterkommen.“

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