Alle gegen einen. Die Berliner waren nach dem Schlusspfiff ziemlich sauer auf Schiri Tobias Reichel. Foto: dpa
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1. FC Union nach dem 1:1 in Bielefeld Wut statt Befreiung

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Der 1. FC Union trauert dem vermeintlichen 2:1 bei Arminia Bielefeld nach. Statt endlich wieder einen Sieg feiern zu können, laufen die Negativserien nun weiter.

Am Dienstagmorgen standen die Fußballer des 1. FC Union in der Vorhalle des Bielefelder Hauptbahnhofs. Sie warteten auf die Abfahrt des ICE in Richtung Berlin. Obwohl das 1:1-Unentschieden bei Gastgeber Arminia Bielefeld schon eine Nacht zurücklag, war der nicht anerkannte Treffer von Steven Skrzybski in der Nachspielzeit noch immer Gesprächsthema Nummer eins.

Schiedsrichter Tobias Reichel aus Stuttgart hatte Union nach Ablauf der 90 Minuten noch einen letzten Freistoß zugebilligt, obwohl die angezeigte dreiminütige Nachspielzeit bereits abgelaufen war. Die Kicker beider Mannschaften wussten, dass es noch eine einzige Aktion geben würde. Unions Kapitän Felix Kroos zeigte dies auch unmissverständlich seinen Mitspielern an. Allerdings ließ Reichel nach dem abgewehrten Freistoß noch eine weitere Flanke zu. Als diese von Arminia-Torwart Stefan Ortega aus dem Strafraum geboxt wurde, pfiff Reichel ab.

Fast zeitgleich hatte Skrzybski zu einem Fernschuss ausgeholt, der den Weg ins Tor fand. Es folgte ein kollektiver Wutausbruch der Union-Spieler, die angesichts des „gestohlenen“ Sieges auf Reichel zurannten, ihn stellten und verbal attackierten. „So etwas habe ich noch nicht erlebt. Ich bin ein bisschen sprachlos. Wenn der Ball in so einer heißen Situation ist, kann man das Ding nicht abpfeifen“, ereiferte sich Skrzybski. „Der Ball war nicht seitlich vom Strafraum. Er sieht klar, dass ich an den Ball komme und das ich aushole. Für mich ist es unverständlich, dass er abpfeift.“ Für Skrzybski, der das schon 1:0 erzielt hatte, wäre es der zweite Treffer an diesem Tag gewesen.

Union hat unter Hofschneider immer noch nicht gewonnen

Referee Reichel merkte man an, dass er sich mit seiner Entscheidung unwohl fühlte. Vermutlich hätte er sie im Nachhinein anders gefällt. Rechtlich hat Reichel, der in Bielefeld erst sein sechstes Zweitligaspiel pfiff, nichts falsch gemacht. Die Dauer des Spiels (Regel 7) besagt, dass die in jeder Halbzeit nachzuspielende Zeit im Ermessen des Schiedsrichters liegt. Aber in puncto Fingerspitzengefühl hat er keine Pluspunkte sammeln können. „Der Schiedsrichter hatte die Möglichkeit, im Vorfeld abzupfeifen, wenn seine angezeigte Nachspielzeit um ist. Dann kommt der Pfiff mitten in eine Aktion“, sagte Union-Trainer André Hofschneider.

Bei Union lagen die Nerven blank, weil ein Erfolgserlebnis vor dem Heimspiel am Samstag (13 Uhr) gegen Spitzenreiter Fortuna Düsseldorf für die Moral nicht unwichtig gewesen wäre. So bleiben alle Negativserien bestehen. Das Team ist nun bereits seit acht Begegnungen ohne dreifachen Punktgewinn. Und Hofschneider konnte zudem auch im fünften Anlauf nicht gewinnen.

Hofschneider hat in Bielefeld viel riskiert. Er stellte auf eine Dreier-Abwehrkette um. Mit Michael Parensen und Damir Kreilach beorderte er zwei Routiniers in die Startelf, die lange nicht von Beginn an dabei waren. Fortschritte waren phasenweise erkennbar. Aber die Köpenicker nahmen sich auch wieder Auszeiten, in denen weitere Gegentore drohten. Insofern schmerzt das Phantomtor von Skrzybski umso mehr.

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