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Berlin, Berlin, wir bleiben in Berlin! Im Februar 2001 feiern die Fans des damals drittklassigen 1. FCUnion die Elfmetersensation gegen Borussia Mönchengladbach. Am Mittwoch wollen die Köpenicker zum zweiten Mal in ihrer Vereinsgeschichte ins DFB-Pokalfinale. Foto: dpa
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1. FC Union hat das DFB-Pokalfinale im Blick Mit dem Geist von 2001

Die Berliner fahren selbstbewusst und mit viel Unterstützung nach Leipzig. Gegen den Favoriten hoffen sie auf das zweite DFB-Pokalfinale ihrer Klubgeschichte.

Die Erinnerungen an das Jahr 2001 wurden in dieser Saison beim 1. FC Union schon mehrfach bemüht und irgendwie scheint eine fast schon magische Verbindung zu bestehen in diese längst vergangene Fußballwelt. Nach 20 Jahren durften die Berliner in dieser Spielzeit endlich wieder im Europapokal antreten und die älteren Fans erzählten sich Geschichten von ihren Reisen an unbekannte Orte wie Valkeakoski oder Lowetsch.

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Nun werden erneut Anekdoten aus jener Zeit hervorgeholt. Weeßte noch damals? Als 150 Fans den Rasen im Stadion An der Alten Försterei von Schnee sowie Eis befreiten und das DFB-Pokalhalbfinale gegen Borussia Mönchengladbach erst möglich machten. Als die damals drittklassigen Köpenicker den Bundesligisten in die Verlängerung zwangen. Als Sven Beuckert die ersten zwei Elfmeter parierte und Ronny Nikol den entscheidenden Ball mit links eiskalt versenkte. „Vielleicht ist der Fußballgott ein Unioner geworden?“, sagte ein Köpenicker Fan dieser Zeitung kurz nach dem Einzug ins Pokalfinale im Februar 2001.

Dieses Gefühl dürfte viele Anhänger des Berliner Bundesligisten in den vergangenen vier Jahren beschleichen. Aufstieg, Klassenerhalt, Europa, Stadtmeisterschaft – und nun vielleicht das Pokalfinale? Es fühlt sich an wie ein Traum, aus dem man niemals aufwachen möchte.

Vor dem Halbfinale bei Rasenballsport Leipzig am Mittwochabend (20.45 Uhr, ARD) reagiert Unions Trainer Urs Fischer trotz seiner stets höflichen Art fast ein bisschen unwirsch auf die Frage, ob ihn Dirk Zingler denn schon auf die außerordentliche Bedeutung des Spiels eingeschworen habe. „Da muss der Präsident nicht mit mir sprechen. Jeder ist sich darüber bewusst, wie wichtig dieses Spiel ist“, sagt der Schweizer.

Klare Botschaft von den Fans. Union will noch mal ins Olympiastadion, für das DFB-Pokalfinale. Foto: Matthias Koch/Imago Vergrößern
Klare Botschaft von den Fans. Union will noch mal ins Olympiastadion, für das DFB-Pokalfinale. © Matthias Koch/Imago

In seiner Heimat hat er den Pokal mit dem FC Basel gewonnen, kurz darauf trennte sich der damalige Seriensieger von ihm. Bei Union könnte Fischer, der bei Heimspielen von den Fans ohnehin am lautesten als „Fußballgott“ begrüßt wird, weiter an seinem Legendenstatus arbeiten. Als einzigen Titel haben die Berliner den FDGB-Pokal 1968 auf dem Briefkopf stehen und schon der Einzug ins Finale wäre ein weiteres Highlight in der an Höhepunkten reichen jüngeren Vereinsgeschichte.

Die Mannschaft bereitet sich seit Montag mit einem Minitrainingslager in Bad Saarow auf das Auswärtsspiel in Leipzig vor, die Voraussetzungen sind exzellent. Nach drei Siegen in Folge ist das Selbstvertrauen riesig und personell kann Fischer aus dem Vollen schöpfen. Das einzige Fragezeichen ist, ob es Andreas Luthe zurück in den Kader schafft. Im Tor wird aber in jedem Fall Frederik Rönnow stehen, der den bisherigen Stammkeeper zuletzt gut ersetzt hat.

Unions Ultras wollen 15 Minuten lang schweigen

Die letzten zwei Duelle mit Leipzig hat Union jeweils gewonnen. Am 34. Spieltag der vergangenen Saison köpfte Max Kruse die Berliner in die Conference League, in dieser Hinrunde besiegelte Unions 2:1-Heimsieg das Aus für Leipzigs Trainer Jesse Marsch. Für die Sachsen war es ein Wendepunkt. Unter Nachfolger Domenico Tedesco hat das Team 15 von 22 Spielen gewonnen, hat sich auf Rang drei vorgearbeitet und steht im DFB-Pokal sowie der Europa League im Halbfinale. Die Hoffnung auf den ersten Titel der noch jungen Unternehmensgeschichte ist groß.

Doch nicht nur aufgrund der außerordentlichen sportlichen Qualität ist Leipzig der Gegner, den Union am liebsten vermieden hätte. Denn von unbeschwerter Vorfreude kann zumindest bei den Fans keine Rede sein. Rasenballsport steht für die meisten Berliner Anhänger stellvertretend für viele schlechte Entwicklungen im Profifußballgeschäft und wie in den bisherigen Duellen wollen die Ultras aus Protest offenbar 15 Minuten lang schweigen. In Fankreisen ist das durchaus umstritten.

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Der Berliner Reisefreude hat diese Debatte allerdings keinen Abbruch getan. Der Gästeblock mit 6700 Plätzen war innerhalb kürzester Zeit ausverkauft. „Es werden sicherlich noch deutlich mehr Unioner vor Ort sein“, sagt Pressesprecher Christian Arbeit.

Damit sie wie 2001 über den Einzug ins Finale im Olympiastadion jubeln können, braucht Union einen exzellenten Tag und das nötige Glück, wie damals auf dem Köpenicker Acker. Fischer will jedenfalls nichts dem Zufall überlassen und seine Spieler auch auf ein Elfmeterschießen vorbereiten – wie Georgi Wassilew. „Vor jedem Pokalspiel üben wir immer mindestens eine halbe Stunde lang Elfmeter“, sagte Fischers Vor-Vor-Vorgänger damals. Mit Erfolg, wie der legendäre Krimi gegen Gladbach zeigte.

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