Zum Corona-Überblick: Alle Zahlen zu SARS-CoV-2 in Deutschland
Der Anfang vom Ende. Anthony Modeste erzielt das 1:1, Hertha liegt in Person von Marton Dardai am Boden. Foto: imago images/Matthias Koch
© imago images/Matthias Koch

Update 1:3-Auftaktniederlage beim 1. FC Köln Bei Hertha BSC schlägt der Blitz ein

Nach früher Führung durch Neuzugang Stevan Jovetic verliert Hertha BSC den Faden - und das Spiel beim 1. FC Köln.

Viel größer hätte der Kontrast kaum sein können. Steffen Baumgart, der Trainer des 1. FC Köln, hüpfte an der Mittellinie herum, breitbeinig und mit vorgebeugtem Oberkörper bemühte er sich, stets auf Ballhöhe zu sein. Von seinem Kollegen Pal Dardai war da schon länger nichts mehr zu sehen. Der Trainer von Hertha BSC hockte in den letzten 25 Minuten des Spiels fast regungslos auf seinem Sitz. Wenn es mit den Spielern noch etwas zu besprechen gab, übernahm das sein Assistent Andreas „Zecke“ Neuendorf.

Warum noch unnötig Energie vergeuden? Zu diesem Zeitpunkt hatte der Berliner Fußball-Bundesligist seinen Saisonauftakt in Köln schon so gut wie verloren – und das auf denkbar unbefriedigende Weise. Trotz einer frühen Führung, die den Gästen eigentlich hätte entgegenkommen sollen, hieß es am Ende 3:1 (1:1) für den FC.

Im Vergleich zum Pokalspiel gegen Meppen hatte Dardai zwei personelle Änderungen vorgenommen. Davie Selke fehlte wegen einer leichten Gehirnerschütterung, die er sich im Training zugezogen hatte, Dodi Lukebakio saß auf der Bank. An ihrer Stelle spielten die beiden Olympiateilnehmer Matheus Cunha und Lucas Tousart. Marco Richter, erst zu Wochenbeginn verpflichtet, war zunächst Ersatz.

[Wenn Sie aktuelle Nachrichten aus Berlin, Deutschland und der Welt live auf Ihr Handy haben wollen, empfehlen wir Ihnen unsere App, die Sie hier für Apple- und Android-Geräteherunterladen können]

Ein anderer Neuer hingegen stand schon früh im Mittelpunkt. Exakt fünf Minuten waren gespielt, als Stevan Jovetic seinen ersten Treffer für Hertha BSC bejubeln konnte. Nach einem Freistoß von Marvin Plattenhardt aus dem Halbfeld und einem Kopfball von Cunha konnte Kölns Torhüter Timo Horn zunächst noch parieren. Doch Cunha erwischte auch den Rebound, legte gedankenschnell zu Jovetic ab, der den Ball aus anderthalb Metern zum 1:0 über die Linie stupste.

Nach dem Siegtreffer in Meppen resultierte damit auch das zweite Saisontor der Berliner aus einem Standard – in der Vergangenheit nicht gerade ihre Spezialität. Mit einem Mal war es totenstill in Köln-Müngersdorf, wo immerhin 16.500 Zuschauer zugelassen waren. Fans von Hertha BSC waren nicht darunter.

Der Kölner Anhang hatte auch in der Folge erst einmal wenig Spaß an der Darbietung auf dem Rasen. „Wir waren unruhig, haben noch nicht die Klarheit gehabt“, sagte Baumgart. Der FC tat sich schwer, ins Spiel zu finden. Nach zehn Minuten gab es erstmals Pfiffe von den Rängen. Die erste Chance resultierte aus einem schlimmen Fehlpass von Herthas Innenverteidiger Niklas Stark kurz vor dem eigenen Strafraum. Mark Uth aber scheiterte an Berlins Torhüter Alexander Schwolow. „Es war alles in Ordnung. Wir waren Herr auf dem Platz“, sagte Dardai.

Das 1:1 bringt Hertha aus dem Tritt

Doch nach zwei weiteren Gelegenheiten durch Schüsse von Suat Serdar und erneut Jovetic begnügte sich Hertha mit der Führung im Rücken mehr und mehr damit, die Kölner erst einmal machen zu lassen. „Wir haben angefangen, ein bisschen lässig zu sein“, klagte Dardai. Bis kurz vor der Pause ging es gut. Bis Peter Pekarik Jan Thielmann zu viel Platz auf der linken Seite ließ und Anthony Modeste dessen Flanke zum Ausgleich für den FC einköpfte. Weil sich der Franzose seines Gegenspielers Marton Dardai zuvor mit einem Schubser entledigt hatte, wurde die Situation noch einmal überprüft. Der Treffer aber zählte.

Das 1:1 machte Hertha erst einmal merklich zu schaffen. „Wir haben uns ein bisschen verloren“, sagte Kevin-Prince Boateng. Bis zum Halbzeitpfiff folgte die beste Phase der Kölner, inklusive einer weiteren guten Schusschance von Florian Kainz, die Schwolow mit einem starken Reflex um den Pfosten lenkte. „Wir sind nur noch geschwommen“, sagte Dardai, der von außen vergeblich mehr Aggressivität einforderte. Kaum war der Pausenpfiff des Schiedsrichters ertönt, stürmte er auf den Platz, um bei seinen beiden Mittelfeldspielern Tousart und Boateng erste Korrekturwünsche anzubringen.  

Die Berliner verfallen in Passivität

Die zweite Hälfte begann allerdings, wie die erste geendet hatte: mit druckvollen Kölnern. Nach einem Freistoß scheiterte Ellyes Skhiri per Kopf an Schwolow, der inzwischen Herthas Bester war. Kurz darauf hatte der Torhüter zwar noch seine Finger im Spiel, doch das reichte nicht. Nach einer von Marton Dardai abgefälschten Flanke Modestes erwischte Schwolow den Ball gerade noch mit den Fingerspitzen, in der Mitte aber staubte Kainz per Kopf zum 2:1 ab.

[Mehr guten Sport aus lokaler Sicht finden Sie – wie auch Politik und Kultur – in unseren Leute-Newslettern aus den zwölf Berliner Bezirken. Hier kostenlos zu bestellen: leute.tagesspiegel.de]

Der Blitz, den Trainer Dardai nach einer durch und durch positiven Vorbereitung insgeheim schon erwartet beziehungsweise befürchtet hatte, schlug nun tatsächlich bei Hertha ein. Geradezu fahrlässig war es, wie die Berliner, eigentlich die reifere und individuell besser besetzte Mannschaft, durch kollektive Passivität die Kontrolle über das Spiel verloren und das schon grummelnde Stadion wieder auf Linie brachten. Nur drei Minuten nach dem 1:2 folgte der nächste Gegentreffer, wieder über die rechte Kölner Angriffsseite – und wieder war es Kainz, der, diesmal mit einer Grätsche, traf.

Pal Dardai reagierte, brachte Deyovaisio Zeefuik und Lukas Klünter, später auch Richter und Lukebakio, und stellte auf Dreierkette um. Vor dem Spiel hatte der Ungar noch über den Plan des neuen FC-Trainers Baumgart gesagt: „Bestimmt werden sie uns pressen ohne Ende. Die letzte halbe Stunde wird die wichtigste sein.“ Dardai hatte gehofft, dass die Kölner sich dann schon müde gepresst haben.“ Als die letzte halbe Stunde anbrach, hatte Hertha das Spiel bereits verloren.

Zehn Minuten vor dem Ende erhob sich Dardai doch noch einmal von seinem Sitz – nachdem Santiago Ascacibar zum vermeintlichen 2:3 getroffen hatte. Als der Linienrichter seine Fahne hob, weil er eine Abseitsposition erkannt hatte, setzte er sich schnell wieder hin.

Zur Startseite