Was sie nicht kann, übernimmt die Kollegin

Sieger in der Kategorie "Großunternehmen" Unbehindert arbeiten

Den Vortrag vom Professor mitschreiben oder bei Gruppengesprächen die Diskussion in Gebärdensprache übersetzen: Das waren Aufgaben, die die Assistentin Daniela Isanto während des Studiums zur Verwaltungswirtin von Anncatrin Westarp übernahm. Isanto ist selbst Mutter einer gehörlosen Tochter. „Sie wusste, worauf es bei mir ankommt – vor allem in emotionaler Hinsicht“, sagt Westarp.

Gemeinsam mit ihren Kommilitonen ohne Behinderung hat die heute 26-Jährige für die DRV Bund einen Film erstellt, der konkrete Empfehlungen gibt. Beispielsweise einen runden Tisch abzuhalten, bevor ein neuer Kollege mit Behinderung seinen Dienst beginnt, um Fragen zu klären und mögliche Berührungsängste oder Vorurteile abzubauen. „Bei mir haben zum Beispiel viele gedacht, dass ich als Gehörlose nicht sprechen kann, was nicht stimmt“, sagt Westarp. Zwei Cochlea Implantate ermöglichen es ihr, Geräusche zu hören und einzelne Worte zu verstehen. Den Rest liest Westarp ihrem Gegenüber von den Lippen ab.

Seit drei Jahren arbeitet sie im Betriebsprüfdienst. Für größere Besprechungen bucht sie sich einen Schriftdolmetscher dazu, der ein Spracherkennungsprogramm nutzt, welches das gesprochene Wort direkt ins Schriftliche übersetzt. Westarp kommt heute ohne Assistentin zurecht, auch weil ihr Team so kooperativ sei, sagt sie. „Das einzige, was ich nicht kann, ist telefonieren. Das macht meine Kollegin für mich, dafür übernehme ich Aufgaben von ihr.“

Nicht ganz so reibungslos verlief die Geschichte von Paul Grosch. In Weiterbildungsmaßnahmen wurde der gelernte Bankkaufmann nach seiner Erblindung zunächst „hin und her geschaukelt“, wie er sagt. Nach einem Informatikstudium schrieb er fast 300 Bewerbungen, bevor er das Studium zum Verwaltungswirt bei der DRV Bund begann. Grosch ist ein Mann mit einem langen Atem und Durchsetzungskraft, wenn es um den Einsatz für mehr Barrierefreiheit in seinem Unternehmen geht. Er leitet Seminare für einen sensiblen Umgang mit behinderten Mitarbeitern und berät seinen Arbeitgeber in Sachen Inklusion.

Hätte er drei Wünsche frei, dann würden Schwerbehindertenvertretungen in Betrieben mehr als nur ein Anhörungsrecht bekommen, die Hilfsmittel billiger werden und ein größeres gesellschaftliches Verständnis für Menschen mit einer Behinderung existieren. Er sei glücklich, dass die DRV Bund heute so offen sei, konkrete Vorschläge in Sachen Barrierefreiheit umzusetzen, sagt Grosch. „Barrieren wird es zwar immer geben. Aber hier sind wir auf einem guten Weg.“

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