Gabriele Bender arbeitet im Geschäftszimmer des Hauptpersonalrates. Persönliche Unterstützung bekommt die blinde Frau durch ihren Assistenten Christian Bailey. Foto: Thilo Rückeis
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Sieger in der Kategorie "Großunternehmen" Unbehindert arbeiten

Barrierefreiheit, viele Hilfsmittel und Verständnis zwischen Menschen mit und ohne Handicap: Mit dieser Mischung lebt die Deutsche Rentenversicherung Bund Tag für Tag Inklusion.

Tanja Bremer und Paul Grosch führen eine Dienstehe. Ob Stralsund, Würzburg oder Gera: Auf ihren Reisen durch die Bundesrepublik sind sie unzertrennlich. Nur die Wochenenden verbringen sie getrennt. Grosch verlässt sich auf Bremer, ohne seine Unabhängigkeit zu verlieren. Sie ist seine sehende Assistentin, weil das der 54-Jährige seit seinem 27. Lebensjahr nicht mehr kann. „Ohne sie könnte ich meinen Job nicht so machen wie jetzt“, sagt Grosch. Er ist Vertrauensmann der Gesamtschwerbehindertenvertretung und stellvertretender Vorsitzender im Gesamtpersonalrat der Deutschen Rentenversicherung Bund (DRV Bund). Finanziert wird seine Assistentin von seinem Arbeitgeber. Für ihr ausgewogenes Inklusionskonzept wurde die DRV Bund jetzt mit dem Berliner Integrationspreis in der Kategorie „Großunternehmen“ ausgezeichnet.

Rund 15 000 Mitarbeiter arbeiten in der Berliner Hauptverwaltung in den Bereichen Versicherung und Rente, Rehabilitation, Betriebsprüfung, Beratung, Organisation und IT-Service. Das Unternehmen bietet außerdem das Bachelor-Studium Sozialversicherung – Public Management und die Ausbildung zum Sozialversicherungsfachangestellten an.

Mit einer Schwerbehindertenquote von über zehn Prozent hat das Unternehmen die vorgeschriebene Quote doppelt erfüllt. „Menschen mit einer Behinderung Arbeitsbedingungen zu bieten, die ihnen ein selbständiges Arbeiten ermöglicht, ist unsere Unternehmensphilosophie“, sagt Armin Walter, Leiter der Verbindungsstelle Schwerbehinderten- und Personalvertretungen in der Personalabteilung.

Bauliche und sprachliche Barrierefreiheit, Hilfsmittel technischer und personeller Art und gegenseitiges Verständnis zwischen Menschen mit und ohne Behinderung schaffen: Das sind die drei Grundbausteine, mit denen die DRV Bund die Inklusion in ihrem Betrieb voranbringen möchte. „Viele Menschen werden im Laufe ihres Lebens mit einer Behinderung konfrontiert und kommen in den Konflikt, dass ihr Umfeld die alten Erwartungen an sie heranträgt“, sagt Jutta Zoll, Vertrauensperson für den Raum Berlin. Auch deshalb können sich die Beschäftigten der DRV Bund in einem Beratungszimmer über Hilfsmittel wie ergonomische Mäuse, Tastaturen und Monitore mit großen Schriftzeichen oder höhenverstellbare Tische beraten und den Arbeitsalltag erleichtern lassen. Laut Angabe des Unternehmens haben 2011 224 Beschäftigte diese Beratung genutzt. Im Rahmen der Aktionstage „Älter werden – (un)behindert arbeiten“ im April 2012 sollte zudem das kollegiale Verständnis der Mitarbeiter in Vorträgen, Simulationsübungen und Gesprächen geschärft werden.

Die Assistenten Tanja Bremer, Daniela Isanto und Christian Bailey gehören zum Pool der Mitarbeiter, die ihren Kollegen mit Behinderung zur Seite stehen und regelmäßig in ihren Aufgaben geschult werden. Bailey sitzt seit dem Studienbeginn neben der blinden Gabriele Bender, um ihr zu bebildern, was sie für ihren Arbeitsalltag braucht. Zwischen den beiden sei in den letzten 17 Jahren eine Freundschaft entstanden. „Das wichtigste dabei ist, dass die Chemie stimmt“, sagt Bender. Die 39-Jährige arbeitet seit 2002 als Mitarbeiterin im Geschäftszimmer des Hauptpersonalrates. Besonders wichtig ist die spezielle Ausstattung an ihrem Arbeitsplatz: Ein PC mit Sprachausgabe und Tastatur, Braillezeile und -drucker.

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