Reiner Fuellmich bei einem Auftritt in Magdeburg. Foto: MAGO / Schreyer
© MAGO / Schreyer

Reiner Fuellmich von „Die Basis“ Der Verschwörungsideologe, der Kanzler werden will

Erst beschimpfte er Parteifreunde, nun ist er Kanzlerkandidat: Wie sich Reiner Fuellmich in der tief zerstrittenen Querdenker-Partei „Die Basis“ durchsetzte.

Nach wochenlangem Streit scheint der Machtkampf innerhalb der Querdenker-Partei „Die Basis“ entschieden - zugunsten des Verschwörungsideologen Reiner Fuellmich.

Wenige Tage vor der Bundestagswahl hat sich Fuellmich offiziell zum „Kanzlerkandidaten“ seiner Partei ernennen lassen. Zuvor konnte er sich in einer umstrittenen Mitgliederabstimmung durchsetzen.

Reiner Fuellmich ist in der Querdenker-Bewegung immer wieder durch besonders bizarre Falschinformationen und Fehlprognosen aufgefallen. Im Februar behauptete er etwa, die Regierung plane mit der Corona-Impfung eine „organisierte Massentötung“: Der Impfstoff werde 25 Prozent aller Deutschen direkt umbringen und bei weiteren 36 Prozent potentiell tödliche Nebenwirkungen hervorrufen.

Mehrfach geriet Fuellmich auch durch Holocaust-Relativierung in die Kritik. So erklärte er, die Bundesregierung wolle „eine Art KZ“ für Nichtgeimpfte errichten. Was die Herrschenden planten, sei schlimmer als der Holocaust. 

Am kommenden Sonntag möchte die Querdenker-Partei „Die Basis“ in den Bundestag einziehen. In Berlin wird sie allerdings nicht mit der Zweitstimme wählbar sein - die Landesliste wurde von der Wahlkommission wegen fehlender Unterschriften nicht zugelassen. Die Partei sagt, ihr Wahlbeauftragter sei überlastet gewesen und habe „aus den Augen verloren, sich Hilfe zu holen“. Die Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus und den BVVen sind davon nicht betroffen.

Laut Umfragen wird die Partei bei der Bundestagswahl deutlich an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern. Partei-Funktionäre gehen dennoch von einem Stimmenanteil von bis zu 20 Prozentpunkten aus.

Er verhöhnte Parteifreunde als „Schwachmaten“

Parteiintern gab es lange heftigen Widerstand gegen Fuellmich und seine Getreuen. Gemäßigtere Kräfte hofften, man werde nach der Bundestagswahl die Fuellmich-Fraktion aus der Partei werfen und einen Neustart wagen. Reiner Fuellmich selbst machte diese Pläne öffentlich.

Seine Kritiker beschimpfte er daraufhin als „Schwachmaten“, die „Hinterzimmer-Terrorismus“ betrieben. Jene Parteifreunde, die sich mit ihm angelegt hätten, könnten ihm „nicht mal im Ansatz das Wasser reichen“.

Offenbar hat Fuellmich die internen Machtverhältnisse korrekt eingeschätzt. Nachdem eine Abstimmung unter Mitgliedern ergab, dass die Basis nun doch mit einem eigenen Kanzlerkandidaten antreten solle, konnte Reiner Fuellmich die folgende Abstimmung nach dem geeignetsten Kandidaten für sich entscheiden.

Auf dem zweiten Platz landete seine enge Vertraute, die Berliner Anwältin Viviane Fischer, die der Öffentlichkeit vor der Pandemie als Hutmacherin Rike Feurstein bekannt war. Fuellmich und Feurstein haben zusammen den verschwörungsideologischen „Corona-Ausschuss“ gegründet, der seit Monaten in stundenlangen Sitzungen Falschinformationen verbreitet. Für die Übertragung ist die Berliner Firma „Ovalmedia“ des Filmemachers Robert Cibis zuständig. Im Ausschuss wurde unter anderem behauptet, die Regierung plane schlimmeres als den Holocaust. 

Ovalmedia ist wiederholt durch das Verbreiten von Verschwörungsmythen aufgefallen. Unter anderem wirft Cibis' Firma der Bundesregierung "reine Impf-Propaganda" vor. Für die Bundestagswahl hat Ovalmedia einen Werbefilm für „Die Basis“ gedreht. 

Anhänger der neuen Partei. 15.000 Mitglieder hat sie nach eigenen Angaben bereits. Foto: Imago/Eibner-Pressefoto/Uwe Koch Vergrößern
Anhänger der neuen Partei „Die Basis“ bei einer Demonstration in Berlin am 1. Mai 2021 © Imago/Eibner-Pressefoto/Uwe Koch

Insbesondere Fuellmichs und Fischers Aktivitäten im „Corona-Ausschuss“ befeuerten den wochenlangen Machtkampf in der Partei. Der Pressesprecher der Basis rief Fuellmich dazu auf, künftig Holocaust-Vergleiche zu unterlassen. Fuellmich und Fischer würden versuchen, die Partei zu spalten und der gesamten Bewegung zu schaden.

Mittlerweile äußert sich der Pressesprecher nicht mehr kritisch. Stattdessen verbreitet er auf Telegram die Botschaften des Kanzlerkandidaten Fuellmich.

In der Schusslinie befindet sich seit Wochen auch der Bundesvorsitzende Andreas Baum. Parteifreunde warfen ihm im August vor, er habe sich zu positiv über das Impfen geäußert. Baum widersprach: Er sei „persönlich ganz klar gegen Impfen. Schon immer!“ 

Laut Andreas Baum werde innerhalb der Partei mit „Einschüchterung, Bedrohung, Diskreditierung und Rufschädigung“ gearbeitet.

[Lesen Sie hier bei T+: Wie Reiner Fuellmich seinen Anhängern eine Schadensersatzklage gegen Christian Drosten verspricht]

Seine Co-Vorsitzende Diana Osterhage beklagt, in einem Zoom-Meeting mit 180 Teilnehmern sei darüber spekuliert worden, ob sie psychisch auffällig sei. Solches Verhalten entspreche nicht der angestrebten Parteikultur im Sinne der Achtsamkeit.

Ein weiteres Vorstandsmitglied, Vicky Richter, legte inzwischen ihr Amt nieder und trat aus der Basis aus. Parteifreunden warf sie eine „Verleumdungskampagne“ vor: Diese hätten behauptet, Vicky Richter arbeite für den Verfassungsschutz.

Reiner Fuellmich, der kurzfristig gekürte Kanzlerkandidat, hat diese Woche im Internet eine neue Erklärung verlesen. Darin nennt er die Corona-Maßnahmen das „größte Verbrechen gegen die Menschlichkeit, das die Welt je gesehen hat“. Wer sich mit dem Virus infiziere, könne seine Covid-19-Erkrankung bei Bedarf sehr gut mit Vitamin C, Vitamin D und Zink behandeln. Dies hätten seine Nachforschungen im Corona-Ausschuss bewiesen.

Zur Startseite