Zum Corona-Überblick: Alle Zahlen zu SARS-CoV-2 in Deutschland
Das nächste Impfzentrum schließt. Die Auftragslage wird auch für Hausärzte immer dünner. Foto: Friso Gentsch/dpa
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Zahl der Erstimpfungen bricht ein Das Ende der deutschen Corona-Impfkampagne?

In den vergangenen vier Wochen ist die Zahl der Erstimpfungen in Deutschland eingebrochen. Um das zu ergründen, lohnt ein Blick in die Bundesländer.

Im Verlauf der Impfkampagne in der Corona-Pandemie hat sich gezeigt, dass diese immer zur Mitte einer Woche besonders an Fahrt aufnimmt. So war es auch ein Mittwoch, der 9. Juni, an dem die deutsche Impfkampagne mit 1.428.015 verimpften Dosen einen Höchstwert verzeichnete. 550.000 Dosen davon wurden damals für Erstimpfungen verwendet.

Und an diesem Mittwoch, den 6. Oktober, knapp vier Monate später? Da sind es nur noch ein Zehntel davon, rund 55.000. So tief lag der Mittwochswert zuletzt Ende Februar, zu Beginn der Impfkampagne, als der weitaus überwiegende Teil der Impfdosen noch für Erstimpfungen verwendet wurden.

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Mittlerweile gibt es sogar die Möglichkeit einer dritten Impfung, die sogenannte Auffrischungsimpfung. Der Trend ist der, dass es immer mehr solcher Auffrischungsimpfungen, am Mittwoch waren es schon rund 50.000, und immer weniger Erstimpfungen gibt. Es verfestigt sich: Es gibt jetzt nur noch wenige Menschen, die noch nicht geimpft, aber bereit sind, sich immunisieren zu lassen.

Waren es am 8. September noch knapp 87.000 Erstimpfungen, sank die Zahl über rund 81.000 (15. September), 75.000 (22. September) und 69.000 (29. September) auf unter 60.000 an diesem Dienstag. Nach einem Minus von durchschnittlich 6000 Erstimpfungen pro Woche also der Einbruch in dieser Woche.

Verfestigt sich diese Entwicklung, könnte die Zahl der Auffrischungsimpfungen in der kommenden Woche bereits nach wenigen Wochen größer sein als die Zahl der Erstimpfungen.

Wie sehr die Impfkampagne stockt, hatte sich bereits am Sonntag eindrucksvoll gezeigt: Da meldeten die Gesundheitsämter in Deutschland dem Robert Koch-Institut (RKI) erstmals seit Beginn der Impfungen gegen das Coronavirus im Dezember 2020 einen nur vierstelligen Wert an Erstimpfungen.

Zwar bewegen sich die Zahlen sonntags im Wochendurchschnitt immer am unteren Ende – allerdings lag der Wert diesmal nicht nur im vierstelligen Bereich, sondern sogar bei weniger als 5000. Doch was sind die Gründe dafür?

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Zurückzuführen ist der deutliche Abschwung der vergangenen Wochen weiterhin auch auf die Problem-Bundesländer der Impfkampagne, die allesamt weiterhin eine Erstgeimpftenquote von unter 65 Prozent haben: Sachsen, Thüringen, Brandenburg und Sachsen-Anhalt. Doch nicht nur. Denn: Bei ihnen sind es prozentual nicht deutlich weniger Impfwillige geworden – weil es vorher schon auf die Bevölkerungszahl umgerechnet nur noch sehr wenige gab, die sich zumindest einmal impfen ließen.

Besonders negativ wirkt sich auf die Impfkampagne nun aus, dass es auch in zwei der bevölkerungsstärksten Bundesländer immer weniger neue Impfwillige gibt. So sank RKI-Zahlen zufolge, die dem Tagesspiegel vorliegen, in Nordrhein-Westfalen die Zahl der Erstimpfungen in den vier Wochen zwischen Mittwoch, dem 8. September, und Mittwoch, dem 6. Oktober, von mehr als 22.000 auf unter 10.000 – das macht ein Minus von rund 55 Prozent.

Nicht viel besser sieht es in Baden-Württemberg aus, wo die Zahl der Impfungen in diesem Zeitraum von mehr als 11.000 auf unter 6000 abnahm – ein Minus von rund 46 Prozent. Auch in Hessen und Rheinland-Pfalz, die insgesamt bei rund 70 Prozent erstgeimpften Einwohnern stehen, sank die Zahl der Erstimpfungen in den vier Wochen von Anfang September bis Anfang Oktober um mehr als 40 Prozent.

RKI geht von mehr Corona-Geimpften aus

Die Quote der zumindest einmal geimpften Deutschen liegt insgesamt bei 68,4 Prozent, das sind 56,8 Millionen Menschen. Im Vergleich zu vor vier Wochen sind lediglich 1,7 Millionen Menschen hinzugekommen. Zwischen Mitte August und Mitte September waren es noch 2,6 Millionen, zwischen Mitte Juli und Mitte August sogar noch knapp drei Millionen.

Zwar wies das RKI an diesem Donnerstag darauf hin, dass sie von mehr Geimpften ausgeht, als in der offiziellen Meldestatistik erfasst sind. Konkret spricht das Institut von „einer Unterschätzung von bis zu fünf Prozentpunkten für den Anteil mindestens einmal Geimpfter“, wonach es bereits rund 73 Prozent Erstgeimpfte in Deutschland geben würde.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn nannte das „richtig gute Nachrichten“. Allerdings ist die Entwicklung der Impfzahlen dadurch nicht weniger ernüchternd.

Eine Online-Umfrage des RKI unter Krankenhauspersonal gab zuletzt auch neuen Aufschluss, warum die Impfkampagne derzeit stockt. Die Hauptgründe der 774 ungeimpften Teilnehmer: Sie fürchten sich vor bleibenden Schäden und starken Nebenwirkungen, äußern die Sorge, dass die neuen Impftechnologien nicht sicher sein könnten sowie den Wunsch, noch abwarten zu wollen. Rund ein Fünftel der Ungeimpften gab zudem an, bereits mit Corona infiziert gewesen zu sein. (mit dpa)

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