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Wie kommen die DHL-Autos in die Hände ukrainischer Kämpfer? Screenshot @ronzheimer/Twitter
© Screenshot @ronzheimer/Twitter

Woher kommen die Fahrzeuge? Ukrainische Kämpfer posieren neben DHL-Transporter

Zwei Kriegsvideos zeigen ein gelbes DHL-Fahrzeug. Kämpfer behaupten, das Unternehmen habe Transporter zur Verfügung gestellt. DHL widerspricht.

Im Internet kursieren Videos mit einem Transporter des Paketzustellers DHL im Ukraine-Krieg. Suggeriert wird, die Tochterfirma der Deutschen Post habe das Fahrzeug in dem markanten Gelb und weitere Transporter für die Beförderung von Waffen zur Verfügung gestellt.

Bei Twitter wird seit dem Wochenende ein Video verbreitet, in dem ein Mann, der allerdings nicht zu sehen ist, in akzentfreiem Deutsch bewaffnete ukrainische Kämpfer befragt. Sie stehen an einer schmalen Waldstraße neben einem gelben Transporter des Paketzustellers DHL. Vor dem Fahrzeug ist ein Granatwerfer aufgebaut.

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Der Deutsche fragt die Kämpfer, "warum ist der DHL-Wagen hier, wie ist das passiert?" Einer der Kämpfer in Flecktarn-Montur, auf dem Ärmel prangt eine kleine ukrainische Fahne, übersetzt die Frage. Ein stämmiger Mann mit Stahlhelm antwortet auf Russisch, er habe einen "Direktor" von DHL gefragt und sechs Fahrzeuge bekommen.

Gepostet hatte das Video am 27. März der Vizechefredakteur der "Bild"-Zeitung, Paul Ronzheimer. Er ist als Kriegsreporter unterwegs. Ob er das Video auch gedreht hat, ist unklar. Ronzheimer textete allerdings in dem Tweet, "DHL hat spontan mehrere Autos Richtung Ukraine-Front geschickt". Das ist allerdings fragwürdig.

Russische Medien nutzen Video für Propaganda

Ein ähnliches Video ist auf der Website der "Bild"-Zeitung zu sehen. Ronzheimer interviewt nun selbst dieselben Soldaten neben dem DHL-Fahrzeug, auf dem jetzt auch die Aufschrift "Deutsche Post DHL" zu erkennen ist. Die Kämpfer behaupten auch diesmal, DHL habe die Fahrzeuge zur Verfügung gestellt.

Als Ort wird im "Bild"-Video die Umgebung von Kiew genannt. Dass die ukrainische DHL-Filiale den Kämpfern sechs Transporter überlassen habe, wird vom Konzern jedoch bestritten. Eine Sprecherin der zur Deutschen Post gehörenden DHL teilte am Dienstag mit, "die in dem Video gezeigten Fahrzeuge wurden von ukrainischen Regierungsvertretern beschlagnahmt".

DHL habe keine Kontrolle über den "aktuellen und zukünftigen Einsatz". Russische Medien versuchen allerdings, das DHL-Fahrzeug für ihre Propaganda zu nutzen. Der staatliche dominierte TV-Sender "Perwy Kanal" (Der erste Kanal) behauptet, die DHL würde mit ihren Fahrzeugen Waffen an die Ukraine liefern.

Das Video, in dem der deutsche Fragensteller nicht zu erkennen ist, wird zudem von der rechtsextremen deutschen Kleinpartei "Der III. Weg" für die Propaganda auf ihrer Website genutzt. Die Neonazis sympathisieren mit "Kameraden" in der Ukraine - im Gegensatz zu vielen deutschen Rechtsextremisten, die Putin verehren.

Die Kleinpartei fühlt sich vor allem dem nationalistischen Asow-Regiment verbunden. Das Logo der 2014 gegründeten Truppe ähnelt dem Runen-Emblem der SS. Deutsche Sicherheitskreise sprechen schon länger von Kontakten zwischen Der III. Weg und dem Asow-Regiment. Die Kleinpartei zeigt auf ihrer Website Fotos von Asow-Kämpfern, die im Krieg getötet wurden. Die Namen der Gefallenen werden in runenartiger Schrift präsentiert.

Ukrainische Nationalisten kämpfen in Mariupol gegen russische Angreifer

Das in die ukrainischen Streitkräfte integrierte Asow-Regiment kämpft derzeit in der Stadt Mariupol, die von russischen Truppen heftig attackiert wird. Für die russische Propaganda ist die jahrelange Existenz des Asow-Regiments ein Beleg für die Behauptung, die Ukraine sei "nazifiziert".

Rechtsextremisten sind in dem Land jedoch eine Minderheit ohne größeren Einfluss. Das Asow-Regiment beklagt selbst in einer Erklärung, die "Der III. Weg" auf seiner Website zeigt, von der ukrainischen Führung vernachlässigt zu werden. Man habe als "eine der am besten ausgebildeten Einheiten der ukrainischen Armee nicht eine einzige Einheit der neuen, von den USA und der EU bereitgestellten präzisionsgelenkten Waffen erhalten", heißt es.

Ob die Kämpfer in dem Video mit dem DHL-Transporter der Asow-Miliz oder einer regulären Einheit der ukrainischen Armee angehören, bleibt allerdings unklar. Auch die Identität des Deutschen, der die Fragen stellt und mutmaßlich das Video dreht, ist offen.

Auf Anfrage des Tagesspiegels hieß es bei Der III. Weg nur, man gebe keine Auskunft. Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) hatte am Wochenende im Interview des Tagesspiegels gesagt, bislang hätten sich 28 Rechtsextremisten aus Deutschland in die Ukraine begeben oder entsprechende Absichten gezeigt. Insgesamt 13 seien schon wieder zurückgekehrt. Lediglich drei Rechtsextremisten sollen sich an Kämpfen beteiligt haben.

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