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Zwei, die sich nicht mögen. US-Präsident Joe Biden (links) und Russlands Präsident Wladimir Putin. Foto: Mandel Ngan & Mikhail Metzel, AFP
© Mandel Ngan & Mikhail Metzel, AFP

Wie lässt er sich aufhalten? Ein Gipfel der Supermächte entspräche Putins Selbstwahrnehmung

Es ist Zeit, zur Diplomatie zurückzukehren. Putin denkt in alten Machtverhältnissen, ein Treffen mit Biden könnte ihn locken. Eins gegen Eins. Ein Kommentar.

Soll aus Kiew ein Aleppo werden, aus Charkiw ein Grosny? Aleppo – das war Symbol des Aufstands gegen den syrischen Diktator Assad. Dann wurde die Stadt monatelang von russischen Kampfjets bombardiert, es gab Tausende Tote. Grosny – dort lieferten sich Russen und Tschetschenen die entscheidende Schlacht. Russland feuerte Raketensalven ab und warf Fliegerbomben. Am Ende standen nur noch Ruinen.

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Wer sagt, man müsse die Worte und Taten von Wladimir Putin ernst nehmen, muss Angst haben vor der Entwicklung in der Ukraine. Ja, es wäre wunderbar, wenn Russlands Präsident, der durch seine Aggression auch das eigene Volk in Mitleidenschaft zieht, entmachtet, gestürzt, abgesetzt, vor ein internationales Strafgericht gebracht werden könnte. Wenn Oligarchen sich gegen ihn zusammenschließen, die Oppositionellen erstarken würden. Allein, bislang deutet wenig darauf hin.

Ja, es wäre wunderbar, wenn die tapferen ukrainischen Widerstandskämpfer dauerhaft standhalten, ihre Stellungen verteidigen und Russlands Armee beständig dezimieren könnten. Allein, alle Militärexperten gehen davon aus, dass die russischen Streitkräfte ein deutliches Übergewicht haben und den Kriegsverlauf bestimmen.

Vor allem ihre Luftwaffe kann erhebliche Zerstörungen anrichten. Ja, es wäre wunderbar, wenn dies durch einen Beschluss der Nato, den Luftraum über der Ukraine verteidigen zu wollen, risikoarm verhindert werden könnte. Allein, dadurch würde die westliche Allianz zur Kriegspartei gegen eine Atommacht – mit unabsehbarer Eskalationsdynamik.

Umzingelt von Nachbarn, die nichts als Frieden wollen

Es ist ein Krieg gegen ein demokratisches Land, dessen Bewohner über ihr Schicksal selbst bestimmen wollen. Putin, der Usurpator, fühlt sich von Nachbarländern, die nichts als Frieden wollen, umzingelt. Diesem Schurken muss endlich das Handwerk gelegt werden: So schallt es ihm vom Westen her laut entgegen. Keine Kompromisse, kein Entgegenkommen, kein Appeasement, kein München 1938.

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Das ist alles richtig – und führt trotzdem nicht weiter. Jeder Konflikt muss von seinem Ende her durchdacht werden, um ihn lösen zu können. Wer sich von der Vorstellung leiten lässt, Putin werde eingestehen, den Westen in seiner Geschlossenheit sowie den ukrainischen Widerstandsgeist grob unterschätzt zu haben, woraufhin er seine Truppen abzieht und der Ukraine alle Souveränitätsrechte garantiert, setzt sich dem Vorwurf der Naivität aus.

Darauf zu hoffen, ist erlaubt. Doch von eher unwahrscheinlichen Ereignissen auszugehen, wenn es darum geht, einen Krieg zu beenden, der täglich Elend verursacht und Opfer fordert, verfehlt genau dieses Ziel mit hoher Wahrscheinlichkeit.

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Bleibt die Rückkehr zur Diplomatie. Gespräche zwischen Unterhändlern beider Seiten sind gut, bleiben aber in aller Regel folgenlos. Dasselbe gilt für Telefonate von Emmanuel Macron mit Russlands Präsidenten. Putin will respektiert werden, er denkt in alten Machtverhältnissen.

Deshalb müsste versucht werden, ihn zu einem bilateralen Treffen mit US-Präsident Joe Biden zu bewegen. Wie früher, eins gegen eins, ein Gipfel der Supermächte. Ein solcher Rahmen entspräche Putins Selbstwahrnehmung.

Was haben der Westen, Joe Biden und die USA zu verlieren?

Bisher heißt es im Weißen Haus, es gebe keine Pläne mehr für ein persönliches Treffen von Biden mit Putin. Da Russlands Präsident weiterhin die Invasion der Ukraine vorantreibe, sei es nicht der richtige Zeitpunkt dafür. Allerdings bleibe Biden grundsätzlich offen für Diplomatie und Gespräche auf höchster Ebene.

Der letzte Punkt sollte künftig stärker betont werden. Denn eine Rückkehr zur Diplomatie ist das Gebot jeder Stunde, in der Menschen sinnlos sterben. Es wäre unklug, Ziele und Grenzen eines solchen Gipfeldialogs im Vorfeld festzulegen. Das schafft nur Vorwände, ihn scheitern zu lassen.

Was haben der Westen, Joe Biden, die USA zu verlieren? Nicht viel. Und wenn der Gipfel ergebnislos platzt? Dann hätten sie es wenigstens versucht.

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