Wer folgt auf Annegret Kramp-Karrenbauer an die CDU-Spitze? Jens Spahn, Friedrich Merz, oder Armin Laschet (nicht im Bild)? Foto: dpa/Michael Kappeler
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Wer folgt auf AKK? Der CDU-Kandidatencheck

Sie gelten als Favoriten für den CDU-Vorsitz: Armin Laschet, Friedrich Merz und Jens Spahn. Doch wer verspricht mehr Aufbruch?

Alexander Dobrindt dreht voll auf. Bei allem Respekt für Annegret Kramp-Karrenbauer – der Zeitplan der Noch-CDU-Vorsitzenden zur Klärung der Führungsfrage sei „abwegig“, sagt der Chef der CSU-Landesgruppe. Krisen dürfe man nicht nach SPD-Manier über Monate hinweg zelebrieren: „Das muss schneller gehen!“

Hinterher ist der CSU-Mann etwas erschrocken über die eigene Schroffheit. Aber auch sein Chef Markus Söder hält Kramp-Karrenbauers Plan für zu langatmig. Monatelang Selbstbeschäftigung, jeder Auftritt der Anwärter wird belauert, Freunde und Gegner reden durcheinander – von Stabilität als Markenzeichen könnte sich die Union verabschieden. Söder dringt aufs Tempo und will bei der K-Frage mitreden. Eigene Ambitionen hat der CSU-Chef aber weiter nicht: „Ich bin bei den bayerischen Wählerinnen und Wählern im Wort“, bekräftigte er.

Kramp-Karrenbauer hat es nicht so eilig. Sie denkt an Regionalkonferenzen wie vor zwei Jahren für den Fall, dass es mehrere Kanzlerkandidaten-Anwärter gibt. Klar ist jedenfalls. Mit Söders Verzicht ist die CDU allein am Zug. Ihr Bewerberfeld ist übersichtlich – NRW-Chef Armin Laschet, Gesundheitsminister Jens Spahn und Friedrich Merz. Offiziell erklärt hat sich keiner der drei, dafür haben sie nach Angaben aus der CDU schon miteinander gesprochen. An andere Christdemokraten denkt niemand. Ursula von der Leyen ist in Brüssel derweil gut aufgehoben.

Einigt sich das Trio gütlich, ist ein Sonderparteitag schnell einberufen. Aber noch muss die CDU damit rechnen, sich entscheiden zu müssen. Das wird einerseits leichter als vor zwei Jahren – und andererseits schwerer. Damals standen sich Kramp-Karrenbauer als Merkels Liebling und Merz als Merkel-Widersacher gegenüber. Der Parteitag in Hamburg stimmte 2018 sozusagen noch einmal über die Kanzlerin ab, mit dem bekannten Halbe-Halbe-Ergebnis.

Diesmal steht Merkels Erbe nur noch am Rande zur Debatte. Es geht um größere Fragen bis hin zum Überleben als Volkspartei. Dobrindt hat sie in einem Satz zusammengefasst: „Es geht darum, für die Zukunft eine Fantasie zu entwickeln.“ Wie viel Fantasie also steckt in den Dreien, und welche?

ARMIN LASCHET

Der 58jährige Aachener hat unter den Dreien die längste und bunteste politische Laufbahn: 1994 für eine Wahlperiode im Bundestag – dort Mitglied der schwarz-grünen „Pizza Connection“ –, die nächsten fünf Jahre im Europaparlament, ab da in der nordrhein-westfälischen Landespolitik. Auch der Weg vom bundesweit ersten Integrationsminister unter Ministerpräsident Jürgen Rüttgers bis zum Einzug in die Staatskanzlei verlief nicht glatt. Dem Pizza-Kumpel Norbert Röttgen unterlag er zwischendurch in einer Mitgliederbefragung.

Laschet wartete Röttgens Scheitern ab und nahm den zweiten Anlauf. Ohnehin ist er zäher und ausgebuffter, als sein gemütlicher rheinischer Singsang vermuten lässt. Sein Wahlkampf 2017 – konzentriert auf die katholischen CDU- Hochburgen – war so wenig aufsehenerregend wie effektiv. Sein Kabinett gilt als Musterfall der inneren Ausgewogenheit: Vom Sozialausschuss-Chef Karl-Josef Laumann als Arbeits– bis zum robusten Herbert Reul als Innenminister sind alle Flügel dabei.

Dahinter steckt auch der strategische Versuch, das eigene Etikett des Liberalen etwas verblassen zu lassen. Laschet holte sich den Konservativen Wolfgang Bosbach als Berater, Merz trat für ihn als „Brexit-Beauftragter“ der Landesregierung auf. Sein Regierungspartner ist die FDP. Trotzdem müsste er als Kandidat und Parteichef mit Vorbehalten bei Konservativen rechnen.

Dass er seine Ambitionen nur hinter vorgehaltener Hand deutlich machte, war schlau, hat aber einen Nachteil: Unter den Dreien ist der CDU-Vizevorsitzende bundesweit der am Wenigsten bekannte, trotz Talkshow-Präsenz und taufrischer Bestallung als Aachener Ritter wider den tierischen Ernst. Sein Zukunftsfaktor liegt in einem Versprechen, das in der Volkspartei CDU keinen schlechten Anklang hat: Ein leutselig- schlitzohriger Landesvater, der irgendwie Maß und Mitte hält.

Armin Laschet und Annegret Kramp-Karrenbauer beim Bundesparteitag in Hamburg. Foto: imago images/Ralph Sondermann Vergrößern
Armin Laschet und Annegret Kramp-Karrenbauer beim Bundesparteitag in Hamburg. © imago images/Ralph Sondermann

FRIEDRICH MERZ

Über den 64-jährigen Sauerländer ist seit seiner überraschenden politischen Renaissance im CDU-Kandidatenwettstreit 2018 so viel geschrieben und geredet worden, dass seine Vorstellung fast überflüssig wirkt. Was damals für ihn galt und fast die Hälfte des Hamburger Parteitags für ihn stimmen ließ, gilt heute noch: Merz verkörpert die Sehnsucht nach geordneten Verhältnissen mit einer CDU, die wieder so dominant werden soll wie um die Jahrtausendwende, als er frustriert der Politik den Rücken kehrte. Dass er in der Zwischenzeit beim Finanzriesen Blackrock sein Geld verdiente, steigert die Bewunderung eher noch. Merz bedient diesen Teil des eigenen Mythos, wenn er auf Neujahrsempfängen weltläufig über China und Amerika plaudert.

Doch so laut er regelmäßig von enthusiastischen CDU-Anhängern bejubelt wird, so bedenklich ist der Blick der Parteiprofis. Merz hat die zwei Jahren seit seiner Niederlage in Hamburg auf einem Ego-Trip verbracht. Einbindung in die Partei lehnte er ab. Der stellvertretende Vorsitz des CDU-nahen Wirtschaftsrats gilt als Alibi-Amt. Und seine Zwischenrufe von der Seitenlinie nervten die auf dem Spielfeld. Mit der „grottenschlecht“ -Attacke auf die alte Widersacherin Merkel nach der Thüringen-Wahl stellte er sich sogar selbst ins Abseits.

So blieb Merz ein Flügelmann, der von rechts manche Wähler anziehen und nach links andere abschrecken dürfte. Zwischenzeitlich drängte sich ja auch der Eindruck auf, dass er ganz zufrieden wäre, zum Karriereende noch einmal ein Ministerium leiten zu können. Da und als Wahlkampfhelfer wäre er für jeden anderen Kandidaten ein Gewinn.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Foto: imago images/photothek Vergrößern
Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. © imago images/photothek

JENS SPAHN

Der 39-jährige Münsterländer ist die schillerndste Figur im Dreier-Angebot. Seit 2002 immer mit einem Direktmandat im Bundestag, stieg er dort ziemlich schnell zum gefragten Gesundheitsexperten auf. Spahn kannte sich in dem Fach bald gut aus, war als Netzwerker begabt und ein Mann mit Kämpfer-Qualitäten. Ins CDU-Präsidium boxte er sich in einer Kampfabstimmung gegen den Ex-Generalsekretär Hermann Gröhe durch. Wolfgang Schäuble verschaffte ihm den ersten Regierungsposten als Parlamentarischer Finanz-Staatssekretär – mit Merkels Segen, obwohl er die Chefin gelegentlich herausforderte.

Sie revanchierte sich 2018 damit, dass sie den ehrgeizigen Aufsteiger ins Gesundheitsministerium abordnete, das er zu dem Zeitpunkt schon etwas zu klein für sich fand. Im Bewerber-Rennen um den CDU-Vorsitz erkannte er aber nach kurzer Zeit, dass Merz die Position des konservativen Merkel-Skeptikers schon voll ausfüllte. Dass er abgeschlagen trotzdem weitermachte und die – nach Stimmen erträgliche – Niederlage klaglos akzeptierte, trug ihm Achtung ein.

Er folgte danach Kramp-Karrenbauers Rat, hielt sich mit allgemeinpolitischen, erst recht mit frechen Anmerkungen zurück, und konzentrierte seine Energie auf das Ministeramt. Inzwischen gilt er nicht nur als der eifrigste, sondern auch als eins der wenigen unumstritten erfolgreichen Kabinettsmitglieder.

Auch flügelpolitisch schillert Spahn. Lange war er der Organisator der schwarz-grünen Abgeordneten-Gesprächsrunde. Die hat den Ruch des Illegitimen aus Bonner Tagen längst verloren. In der Debatte um Merkels Flüchtlingspolitik bezog er aber derart kalkuliert konservative Positionen, dass ihn die Truppe nur mehr als einfaches Mitglied dulden wollte, nicht mehr als Chef.

Das kalkuliert Taktische haftet manchen seiner Haltungen bis heute an, etwa als er gegen englischsprachige Kellner in Berliner Szene-Lokalen polemisierte. Sein Zukunftsfaktor ist trotzdem nicht zu unterschätzen. Ein Generationskollege hat das einmal so formuliert: Wenn AKK scheitere, „dann sind wir dran“.

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