Ein Protestierender mit einer Schleuder. Foto: Hussein Malla/dpa
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Weitere Proteste in Beirut Zweites Regierungsmitglied im Libanon zurückgetreten

Nun hat auch der Umweltminister sein Amt niedergelegt. Die Regierung ist aufgelöst, wenn mehr als ein Drittel der Kabinettsmitglieder zurücktreten.

In Beirut ist es am Sonntag zu neuen Zusammenstößen zwischen der Polizei und regierungskritischen Demonstranten gekommen. Diese warfen mit Steinen auf Beamte, die eine Straße in Richtung des Parlaments abriegelten, wie auf Fernsehaufnahmen zu sehen war. Die Polizei setzte Tränengas ein. Demonstranten brachen zudem in die Ministerien für Verkehr und Wohnungsbau ein.

Am Zugang zum Parlamentsplatz brach ein Feuer aus. Ein Reuters-Reporter berichtete von Tausenden Demonstranten, die dort und auf dem nahe gelegenen Märtyrer-Platz zusammenströmten.

Nach der verheerenden Explosion in Beirut vergangene Woche und Diskussionen über eine mögliche Neuwahl im Libanon hat ein zweiter Minister seinen Rücktritt eingereicht. Nach Informationsministerin Manal Abdel Samad legte am Sonntag auch Umweltminister Damianos Kattar sein Amt nieder. Es war am Abend unklar, ob Rücktritte weiterer Kabinettsmitglieder folgen würden.

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Die Regierung des Libanon ist aufgelöst, wenn mehr als ein Drittel der 30 Kabinettsmitglieder ihr Amt niederlegen. Das wäre der Fall bei einem Rücktritt von fünf weiteren Ministern. Regierungskreisen zufolge versuchte Ministerpräsident Hassan Diab am Sonntag, die Minister vor einer für Montag geplanten Kabinettssitzung vom Rücktritt abzuhalten. Bei der Sitzung wollte er dem Kabinett eine Neuwahl vorschlagen. Die nächste Parlamentswahl stünde eigentlich erst 2022 an.

Libanesische Truppen schützen sich mit Schildern vor den Demonstrierenden. Sie werfen Tränengaskanister auf die Protestierenden. Foto: Anwar Amro/AFP Vergrößern
Libanesische Truppen schützen sich mit Schildern vor den Demonstrierenden. Sie werfen Tränengaskanister auf die Protestierenden. © Anwar Amro/AFP

Bereits am Samstag war es zu Zusammenstößen im Zentrum der libanesischen Hauptstadt gekommen. Dabei waren ein Mensch getötet und mehr als 170 verletzt worden. Bei der schweren Explosion waren am Dienstag mehr als 150 Menschen getötet und 6000 weitere verletzt worden. Nach Regierungsangaben waren dabei 2750 Tonnen der gefährlichen Chemikalie Ammoniumnitrat explodiert, die jahrelang ungesichert in einer Halle im Hafen lagerten.

Am Vortag - am Montag - hatte Außenminister Nassif Hitti seinen Rücktritt eingereicht. Zum Nachfolger wurde Scharbil Wihbi bestimmt, der bisherige diplomatische Berater von Präsident Michel Aoun. Viele Libanesen haben das Vertrauen in die Regierung nach der Explosion, die möglicherweise durch grobe Fahrlässigkeit verursacht wurde, endgültig verloren. (dpa, Reuters)

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