Der Bundesvorsitzende der Grünen Robert Habeck. Foto: picture alliance/dpa/Peter Endig
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Wegen Indiskretionen Grüne sagen Homöopathie-Kommission ab

Die Grünen wollten ihre Haltung zur Homöopathie klären. Nun entschied des Bundesvorstand, in der Kommission sei keine vertrauensvolle Arbeit möglich.

Die Grünen sagen eine Kommission ab, die über die Haltung der Partei zur Homöopathie beraten sollte. Das berichtet die „taz“. Die Debatte um die Homöopathie sei von Anfang an durch einen aggressiven und teilweise polemischen Ton beschwert gewesen, zitiert die Zeitung den Bundesvorstand.

„Dass jemand seine Meinung sagt, ist völlig okay. Was nicht geht: Aus internen Gesprächen, die als vertraulich vereinbart sind, zu berichten“, sagte der Parteivorsitzende Robert Habeck schon vor einigen Tagen in einem längeren Interview mit der „taz“.

Dem Bericht zufolge sei eine vertrauensvolle und erfolgreiche Arbeit der Kommission nicht möglich gewesen. Deswegen habe der Parteivorstand einstimmig beschlossen, die Beschlussfassung zur Homöopathie nun an sich zu ziehen. Der Auftrag könne nur erfüllt werden, indem der Bundesvorstand die erforderliche programmatische Arbeit selbst verantworte und mit dem Entwurf des Grundsatzprogrammes vorlege.

Das Thema ist innerhalb der Partei heftig umstritten. Kritiker wollen erreichen, dass Krankenkassen die Kosten von homöopathischen Behandlungen nicht mehr erstatten. Sie weisen darauf hin, dass für die Homöopathie trotz intensiver Forschung niemals eine Wirksamkeit über den Placebo-Effekt hinaus gefunden wurde. Einer der Grundsätze der Politik der Grünen sei, „wissenschaftliche Fakten wahrzunehmen und sie als Grundlage für politische Gestaltung zu nutzen“.

Doch die Homöopathie hat bei den Grünen und bei einem Teil ihrer Anhänger traditionell auch viele Befürworter. Diese wollen, dass die Kassen weiterhin die Globuli bezahlen.

Parteitag hatte Kommission einberufen

Auf dem Parteitag der Grünen im November hatten die Delegierten beschlossen, das umstrittene Thema an eine Fachkommission des Bundesvorstandes zu übergeben. Die Leitung sollte Parteichef Robert Habeck übernehmen. Dieser Kompromiss sollte einen Streit zwischen Homöopathie-Kritikern und -Befürwortern in der Partei verhindern. 

Doch schon vor Arbeitsbeginn gab es hinter den Kulissen Ärger, unter anderem darüber, wer in der Kommission sitzen darf. Unter den 14 Parteimitgliedern, die in das Gremium berufen werden, seien Homöopathie-Befürworter in der Mehrheit, kritisierten die Globuli-Kritiker. Zwar hieß es in einem Papier des Bundesvorstands, die Kommission sei „nicht auf Mehrheitsentscheidung“ angelegt, „sondern auf Konsens“. Doch bei einigen gab es offenbar Zweifel, dass die Parteiführung das ernst meint. (Tsp)

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