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Landwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) will in Brüssel über eine Neuregelung bei der Fruchtfolge verhandeln. Foto: Michele Tantussi/REUTERS
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Wegen des Kriegs in der Ukraine Özdemir will mehr Weizenanbau ermöglichen

Landwirtschaftsminister Özdemir will Bauern in Deutschland beim Anbau von Weizen unterstützen. Als Hebel dient ihm dabei eine ab 2023 geplante EU-Regelung.

Soll es auf Feldern in Deutschland weniger ökologisch zugehen, weil in der Ukraine Krieg herrscht? Die Frage stellt sich, seit die Preise für Weizen und Futtermittel seit dem Beginn des russischen Angriffskrieges in der Ukraine in die Höhe geschossen sind. Bei einer Aktuellen Stunde machte sich die CDU/CSU am Mittwoch dafür stark, den Getreideanbau in Deutschland großflächig auszuweiten. Es brauche „ein Hinterfragen der bisherigen Politik“, sagte Fraktionsvize Steffen Bilger (CDU). Landwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) müsse „endlich in den Krisenmodus“ kommen, forderte Bilger.

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Die Stilllegung von Flächen für ökologische Zwecke ist  bei vielen Landwirten nicht sonderlich beliebt, sie ist aber gleichzeitig die Voraussetzung für Zuschüsse der EU. Anstatt Felder ganz brach liegen zu lassen oder dort nur Zwischenfrüchte wie Grünroggen oder Ölrettich anzubauen, wäre der Anbau anderer Feldfrüchte wie Weizen für viele Landwirte rentabler.

Özdemir hat die Brisanz des Themas inzwischen erkannt. Aus der Sicht des Ministers sind zwar von dem Ausfall der Getreideproduktion in der Ukraine in erster Linie andere Weltregionen als die EU betroffen. So kündigte der Grünen-Politiker jüngst die Lieferung weiterer Nahrung und Lebensmittel an die Ukraine an. Da aber auch hierzulande die Lebensmittelpreise steigen und die schwierige Versorgungslage in anderen Weltregionen andauern dürfte, will Özdemir inzwischen auch mehr Weizenanbau in Deutschland ermöglichen.

Eigentlich soll zweimaliger Weizenanbau verboten werden

Als Hebel sieht der Landwirtschaftsminister dabei eine EU-Regelung, die im kommenden Jahr in Kraft treten soll. Sie sieht vor, dass auf einer Fläche zum Beispiel nicht mehr zwei Jahre in Folge Winterweizen angebaut werden darf. Er setze sich in Brüssel dafür ein, dass die Neuregelung zum Fruchtwechsel verschoben werde, kündigte  Özdemir im Bundestag an. Damit könnten die Bauern in Deutschland mehr Weizen produzieren, bei der kommenden Herbstaussaat könnte zum zweiten Mal in Folge Weizen angebaut werden. „Dafür zahlen Umwelt und Böden einen Preis“, gab er  aber  zu bedenken.

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Gegenwärtig wird in Deutschland auf einer Fläche von rund 600.000 Hektar in zwei aufeinander folgenden Jahren Winterweizen angebaut. Falls sich Özdemir mit seinem Vorschlag  durchsetzen sollte, könnte der Anbau in zwei Jahren hintereinander im Höchstfall auf einer Fläche von drei Millionen Hektar möglich sein.

Künast: Nicht mehr den Großteil der Flächen für Tank und Trog nutzen

„Ich finde es richtig, ein solches Angebot innerhalb der EU-Diskussion zu machen“, sagte Renate Künast, die agrarpolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, dem Tagesspiegel mit Blick auf den Vorschlag. „Die Kernfrage der Ernährung ist allerdings, ob weiterhin der Großteil der Flächen für Trog und Tank genutzt werden sollen“, fügte sie hinzu.

Zuvor hatte es Özdemir wegen des Kriegs in der Ukraine ermöglicht, dass auf den Öko-Flächen in Deutschland, die entweder brachliegen müssen oder für Zwischenfrüchte genutzt werden, in diesem Jahr auch Tierfutter geerntet werden kann. Einen Anbau von Nahrungsmitteln auf den betroffenen Flächen lehnte die Ampel-Koalition aber ab.

Magdeburger Minister Schulze: Özdemir hätte EU-Spielraum nutzen müssen

Deutliche Kritik an dieser Entscheidung kam von Sven Schulze (CDU), dem Landwirtschaftsminister aus Sachsen-Anhalt. Er wies darauf hin, dass die EU-Kommission eine Nutzung der so genannten ökologischen Vorrangflächen zur Erzeugung von Nahrungsmitteln in diesem Jahr durchaus zugelassen hatte. Auch in Österreich, wo die Grünen ebenfalls an der Regierung beteiligt sind, habe man diesen Spielraum zur Erzeugung zusätzlicher Nahrungsmittel genutzt, so Schulze. Die Landwirte bräuchten jetzt bereits Klarheit für den Fall, dass die EU-Kommission auch für das Jahr 2023 einen Anbau von Getreide auf den bisher zur Stilllegung vorgesehenen Flächen ermögliche sollte, forderte er.

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