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Die ehemalige Bundeskanzlerin Angela Merkel bei einem Termin im vergangenen Jahr. Foto: Jan Woitas/dpa POOL/dpa
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Was macht eigentlich die Ex-Kanzlerin? Angela Merkel schleicht sich zurück

Nach Monaten des Schweigens macht die ehemalige Kanzlerin erste Wohlfühltermine – aber es kann noch ganz anders kommen. Ein Kommentar.

Aus den Augen, aus dem Sinn – so kann man das Phänomen Angela Merkel beschreiben. Tage, Wochen, Monate: als wäre sie nie da gewesen. Wie diffundiert. Puff. Ob das eine Strategie ist? Sie hätte allen Grund dafür.

Merkel, die 16 Jahre lang Kanzlerin war, 18 Jahre Bundesvorsitzende der CDU, hat sich so jeder argwöhnischen Betrachtung entzogen. Oder zumindest wird sie denken, dass das so ist.

Das war vielleicht so. Demnächst kann es schlagartig damit vorbei sein.

Seitdem Olaf Scholz ins Kanzleramt eingezogen ist, nach ihrem Abschied am 8. Dezember, hat Merkel einer Mitteilung von ihrem Büro verbreiten lassen, zur Ukraine. Inhalt: Dass sie zu allen ihren Entscheidungen stehe und ansonsten die jetzige Regierung unterstütze. Das war in der Lage unvermeidlich. Darüber hinaus Interviews, Erklärungen? Keine.

Fast privat in Bellevue

Öffentlich und trotzdem weitestgehend unbemerkt war nur ihre Teilnahme Anfang Mai an der Ordensverleihung für Ulrich Matthes im Schloss Bellevue. Matthes ist ja ein bekennender Merkel-Fan, wie auch umgekehrt. Was ihren Besuch mehr zu einer privaten Sache macht. Gesagt hat Merkel im Übrigen nichts.

Jetzt schleicht sie sich allmählich zurück. Beginnend mit Wohlfühlterminen im Juni. Zuerst eine Rede bei der Verabschiedung von Reiner Hoffmann, dem langjährigen Chef des DGB, der oft ihr willkommener Gesprächspartner war. Dann eine Begegnung mit Alexander Osang, Spiegel-Journalist, Autor, der Merkel lange kennt und ihr mit seinen Beschreibungen sehr nahe gekommen ist, im Berliner Ensemble, praktisch fußläufig von ihrer Wohnung.

Wohlfühltermine – nur wird Merkel mit denen wieder sichtbar, wahrnehmbar; da können dann noch ganz andere Termine hinterherkommen. Und das macht ausgerechnet einer klar, der mal als „Muttis Klügster“ galt, ehe er wegen eines misslungenen Wahlkampfs in NRW in Ungnade fiel und der einzige Minister wurde, den die gewesene Kanzlerin je von selbst entließ: Norbert Röttgen.

Er hält Merkel den „Spiegel“ vor. Im Blick auf Russland und Nord Stream sagt Röttgen, dass die CDU in der Regierung dem Druck der Industrie nach verfügbarem, billigem Gas „allzu leicht nachgegeben“ habe, unter „völliger Ausblendung der geopolitischen Risiken“. Und dass sie, die CDU, dem starken Druck des Koalitionspartners, der SPD, für eine Art Appeasement gegenüber Russland nachgegeben habe. „Man hat den Koalitionsfrieden und den Frieden mit der Wirtschaft zu hoch gewichtet und die damit verbundenen Gefahren für die Unabhängigkeit des Landes unterschätzt“, sagt Röttgen.

Jetzt kommt Merkel an die Reihe

Wen er mit dem „Man“ meint, ist sonnenklar: Merkel. Dafür muss er nicht einmal ihren Namen nennen. Auch nicht für diese, na ja, Drohung: „Während des Krieges ist es sicher gut, sich auf die aktuelle Situation zu fokussieren. Wenn er vorbei ist, dann sollten Fehler aufgearbeitet werden. Von allen Beteiligten.“ Kritik an Schröder und an Steinmeier war gestern. Jetzt kommt Merkel an die Reihe. Denn beteiligt war sie allerdings.

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Eine Untersuchung der Russlandpolitik ihrer Jahre erscheint im Bundestag möglich; zum „schwerwiegenden Versagen“, dass „einfach angenommen“ wurde, Wladimir Putin teile die deutsche Sicht der Welt und werde nicht einmarschieren, „obwohl schon 180000 Soldaten an der Grenze standen“. Röttgen findet das „schlicht naiv“.

Nicht nur die Opposition nimmt die Kanzlerin a.D. ins Visier: Röttgen – und Friedrich Merz als CDU-Chef wird ihn nicht stoppen. Der Spruch „Freund, Feind, Parteifreund“ kommt einem in den Sinn. Das kann für Merkel ins Auge gehen.

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