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Die Wahlsieger Kiril Petkow (links) und Assen Wassilew von der Antikorruptionspartei "Wir führen den Wandel fort" vor der nächtlichen Silhouette der Alexander-Newski-Kathedrale in Sofia. Foto: Valentina Petrova/AP/dpa
© Valentina Petrova/AP/dpa

Wahl in Bulgarien Im dritten Anlauf Anti-Korruption

Die Wähler haben die Schnauze voll und suchen nach einer unbelasteten Alternative zu den etablierten Kräften rechts und links. Wie zuvor in Prag. Ein Kommentar.

Winston Churchills Bonmot über die USA gilt offenbar auch für Bulgarien: Sie tun am Ende das Richtige – nachdem sie alles andere ausprobiert haben.

Nach der dritten Wahl binnen weniger Monate dürfen die Bürger ein bisschen hoffen. Sie haben die Schnauze voll von Selbstbereicherung der Regierenden, Missmanagement in der Pandemie und Korruption.

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Diesmal hat weder die Partei Gerb des bisherigen konservativen Regierungschefs Boiko Borissows gewonnen. Noch die nicht weniger anfechtbaren Sozialisten. Noch eine x-beliebige Protestpartei wie die undurchsichtige Bewegung „Es gibt ein solches Volk“, die vorwiegend von der Popularität des politisch unerfahrenen TV-Moderators Slawi Trifonow lebt.

Sieger ist die dezidierte Antikorruptionspartei „Wir setzen den Wandel fort“ von Kiril Petkow und Assen Wassilew, eine Neugründung. Beide sind durch die Ausbildung in den USA geprägt und haben in den Monaten als Interimsminister für Wirtschaft und Finanzen den Mut gezeigt, Korruption aufzudecken.

Erfasst der Trend auch Ungarn und Polen?

Damit scheint sich ein Trend aus Tschechien fortzusetzen: Auch dort muss der bisherige Premier Andrej Babiš abtreten - aus zwei ähnlichen Gründen wie Borissow in Bulgarien: Die Wähler wenden sich - auch wegen undurchsichtiger Geschäfte - von ihm ab. Und mit seinem Auftreten gegenüber anderen politischen Kräften hat er sich so viele Feinde gemacht, dass die nicht mit ihm koalieren wollen. Erfasst dieser Trend auch Ungarn und Polen?

Die Wahlsieger in Bulgarien stehen nun freilich vor dem Problem: Sie haben nur ein Viertel der Wähler überzeugt und müssen unter den etablierten Kräften Koalitionspartner finden, die ihren Reformwillen unterstützen. Die Wahl markiert also keinen Sieg über die Korruption, aber immerhin einen Anfang.

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