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Der türkischer Präsidenten Recep Tayyip Erdogan (2.v.r) sitzt neben EU-Ratspräsident Charles Michel. Ursula von der Leyen muss links auf dem Sofa sitzen. Foto: Dario Pignatelli/European Council/dpa
© Dario Pignatelli/European Council/dpa

Von der Leyen muss auf Sofarand Platz nehmen Erdogans Türkei bleibt eine Machowelt

Eklat beim Besuch der zwei höchsten EU-Vertreter in Ankara: Von der Leyen darf nur am Rand sitzen. Intention oder protokollarische Panne? Ein Kommentar.

War’s eine absichtliche Zurücksetzung oder eine Gedankenlosigkeit, die dann freilich ebenso viel über Recep Tayyib Erdogans Frauenbild aussagt? Ob Intention oder protokollarische Panne: Die Szene im Präsidentenpalast in Ankara zeigt die Türkei als eine Machowelt. Die Männer präsidieren, die Frau hat ihren Platz am Rand.

Ursula von der Leyen entfuhr ein entgeistertes „Ähm“. Ihre Körpersprache verriet erst Fassungslosigkeit, dann Ärger. An der Stirnseite des Saals vor den Flaggen der Türkei und der EU standen nur zwei Sessel, nicht drei. Auf dem einen nahm Erdogan Platz, auf dem anderen Charles Michel, Vorsitzender des Europäischen Rats und damit quasi „Präsident“ der EU-Mitgliedsstaaten.

Für die dritte Führungsperson, EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen, war kein Platz vorn im Präsidium vorgesehen. Sie musste auf einem Sofa am Rande dieser Inszenierung Platz nehmen -  gegenüber dem türkischen Außenminister auf dem symmetrisch angeordneten Sofa an der anderen Randseite.

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Dieses Bühnenbild drückt Hierarchien aus. Auf Augenhöhe begegnen sich die beiden Männer, Michel und Erdogan. Sie haben den Status der jeweiligen Nummer eins. Die Kommissionspräsidentin und Frau hat in dieser Anordnung nur eine nachgeordnete Funktion – wie der türkische Außenminister, der seinem Präsidenten dient.

Was es für von der Leyen noch schlimmer machte: Michel fügte sich widerspruchslos in Erdogans protokollarische Inszenierung. Er reagierte nicht auf von der Leyens hörbares „Ähm“ und ihre Körpersprache. Ob das nun Erdogans Intention war oder nicht, er führte die EU als gespalten vor – und damit auch Europa. Ein Teil ihrer Führung ist in der Welt der Gleichberechtigung angekommen, ein anderer nicht.

Steht der Ratspräsident protokollarisch über ihr?

In den sozialen Netzwerken macht der Vorfall als „Sofagate“ die Runde. Zum Teil wird der Interpretation, von der Leyen sei zurückgesetzt worden, weil sie eine Frau sei, widersprochen. Als Präsident des Europäischen Rats stehe Michel protokollarisch über der Kommissionspräsidentin.

Und auch inhaltlich betrachtet, sei er der Hauptgast und von der Leyen eine Mitreisende gewesen. Denn den Anstoß, in einem Gespräch mit Erdogan die Möglichkeiten einer besseren Kooperation der EU mit der Türkei auszuloten, habe der Gipfel der Regierungschefs gegeben.

Vorgänger Juncker saß nicht am Rand

Fotos früherer Dreiertreffen zeichnen ein anderes Bild: Da sitzen Erdogan, der damalige Ratspräsident Donald Tusk und der damalige Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hierarchisch gleichbehandelt auf drei Sesseln beieinander, allerdings nicht im Präsidentenpalast in Ankara.

Ein Trost bleibt freilich. Im anschließenden Gespräch nahm von der Leyen Erdogan in die Mangel wegen des Austritts der Türkei aus der Istanbul-Konvention, die Frauenrechte schützt. Und so gesehen war es dann doch wieder eine Frau, die die Ehre der EU rettete.

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