Menschen versuchen sich in der Region Idlib in Sicherheit zu bringen. Foto: Aaref Watad/AFP
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Vier Fragen an Josef Joffe Was macht die Welt?

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In Syrien versagen, Trump den Ausweis klauen und zum Discounter gehen: "Zeit"-Herausgeber Josef Joffe zu Themen dieser Tage.

Im Syrien-Krieg steht Assad schon vor der letzten Schlacht als Sieger fest. War alles umsonst?

Nicht für Russland, nicht für Iran. Die beiden haben früh auf Assad gesetzt; Erdogan ist der Dritte. Das Trio steht kurz vor dem „Endsieg“, wenn Idlib, die letzte Bastion der Rebellen fällt. Der Einsatz: eine halbe Million Tote und fünf Millionen Flüchtlinge. Es ist das größte humanitäre Desaster seit Jahrzehnten, und ein strategisches obendrein. Obama und Trump haben nicht kapiert, was sie taten, als sie US-Truppen aus Syrien abzogen. Nach dem Sieg des Dreierbundes wird sich Assad an Hunderttausenden rächen.

Im Weißen Haus stibitzen Mitarbeiter unterschriftsreife Erlasse aus dem Oval Office, um noch größeres Unheil zu verhindern. Was würde WmdW von Trumps Schreibtisch entfernen?

Als erstes alle Liebesbriefe an Wladimir Putin und Kim Jong Un – ab in den Reißwolf. Dann die Fernbedienung, so dass er wenigstens einen Tag lang nicht den Rechtsaußen-Sender Fox News gucken kann. Dann von zehn Vorlagen jeweils die zwei, die Amerikas Handelspartnern eine neue Eskalationsrunde im Handelskrieg androhen. Der Schreibtischklau funktioniert, weil Trump heute nicht mehr weiß, was er gestern diktiert hat. Am besten aber schnappen wir uns den Ausweis, der Trump den Zugang zum Weißen Haus erlaubt.

Kommissionspräsident Weber oder EZB-Chef-Weidmann, welches Amt stünde Deutschland besser zu Gesicht?

Beide Jobs kriegen die Deutschen nicht, schon gar nicht den Kommissionspräsidenten. Der letzte hieß Walter Hallstein, von 1958 bis 1968 Chef der damaligen Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft EWG. Heute sieht es nicht so aus, als würde Merkel dem CSU-Mann Weber am Ende den Segen geben. Dann schon lieber ihrem Spezi Altmaier, obwohl sie den in Berlin braucht. Den Weidmann scheint Merkel nicht als EZB-Chef zu schätzen; ihn hat sie jetzt schon angekokelt. WmdW bedauert das, weil Weidmann der Richtige nach Draghis inflationärer Geldpolitik wäre.

Ein letztes Wort zum Kaufhof...

Wer seit 30 Jahren das Kaufhaus-Sterben in Amerika beobachtet, wundert sich, dass Kaufhof und Karstadt überhaupt noch existieren. Die Mitte bricht weg; dafür florieren die schicken Konsumtempel (81 Prozent mehr Umsatz in fünf Jahren) und die billigeren Discounter, vor allem an den Stadträndern (plus 37 Prozent), wo es reichlich Parkraum gibt – auch bei uns, wie das Beispiel der Elektronikmärkte zeigt. Ein Trauerspiel: Die Fusion könnte die Hälfte der 180 Häuser kosten, und dementsprechend Arbeitsplätze. Die deutschen Lebensmittelketten waren schlauer. Die klassischen Anbieter haben Billigheimer gegründet - wie Edeka mit „Netto“.

Fragen: til

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