US-Präsident Donald Trump bei seiner Rede in Georgia am Freitag. Foto: John Bazemore/AP/dpa
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„Vielleicht werde ich das Land verlassen müssen“ US-Präsident Trump sinniert über Wahlniederlage gegen Biden

An Selbstbewusstsein mangelt es Trump nicht. Im Wahlkampf teilt er weiter heftig gegen Biden aus. Eine Aussage lässt nun aufhorchen. Alles nur Spaß?

Bisher zeigte Donald Trump sich vor der anstehenden Präsidentschaftswahl siegessicher. Zweieinhalb Wochen vor der Präsidentenwahl in den USA hat der Amtsinhaber nun über eine mögliche Niederlage gegen den Demokraten Joe Biden sinniert. Bei einer Wahlkampfveranstaltung in Macon im Bundesstaat Georgia sagte er: „Ich sollte nicht scherzen. Denn wissen Sie was? Gegen den schlechtesten Kandidaten in der Geschichte der amerikanischen Politik anzutreten, übt Druck auf mich aus“, sagte Trump vor der Menge.

Unter Gelächter des Publikums sagte er weiter: „Könnten Sie sich vorstellen, wenn ich verliere? Mein ganzes Leben – was werde ich dann tun? Ich werde sagen: Ich habe gegen den schlechtesten Kandidaten in der Geschichte der Politik verloren!“ Er werde sich dann nicht so gut fühlen. „Vielleicht werde ich das Land verlassen müssen, ich weiß es nicht.“ Der US-Präsident hatte zuvor bereits angedeutet, selbst im Falle einer Niederlage bei der Wahl am 3. November das Weiße Haus unter Umständen nicht einfach zu verlassen.

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Trump hat die Kandidatur Bidens, den er am liebsten den „schläfrigen Joe“ nennt, wiederholt verspottet und angedeutet, dass es peinlich wäre, gegen den ehemaligen Vizepräsidenten zu verlieren. Bei einer weiteren Wahlkampfveranstaltung in Ocala in Florida polterte Trump wieder gegen Biden und warnte, dessen Wahl würde „Kommunismus“ und eine „Flut“ krimineller Migranten bringen. Der US-Präsident warf seinem Herausforderer vor zahlreichen Anhängern zudem vor, dessen Familie sei korrupt und „ein kriminelles Unternehmen“, wie die Nachrichtenagentur AFP berichtete. „Sperrt sie ein“, forderte Trump unter dem Jubel der Zuschauer.

Trump liegt in Umfragen teils deutlich hinter Biden: In landesweiten Erhebungen hat der Amtsinhaber im Schnitt einen Rückstand von zehn Prozentpunkten. Auch in besonders wichtigen Schlüsselstaaten wie Pennsylvania und Wisconsin liegt der Republikaner hinter dem Demokraten. In Florida, einem der wichtigsten Swing States, liefern sich Trump und Biden in Umfragen ein Kopf-an-Kopf-Rennen.

In zwei getrennten, aber zeitgleichen TV-Auftritten zog Biden mehr Zuschauer an als Trump wie die Nachrichtenagentur Reuters am Samstag berichtete. Demnach verfolgten am Donnerstagabend 15,1 Millionen Menschen den 90-minütigen TV-Auftritt von Biden im Sender ABC. Trump wurde bei seinem 60-minütigen auftritt bei NBC und den angeschlossenen Kabelsender MSNBC und CNBC von 13.5 Millionen Zuschauern eingeschaltet. Für die einstündige Periode als beide Präsidentschaftskandidaten gleichzeitig auf Sendung waren, führte Biden mit 14,3 Millionen Zuschauern.

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Ursprünglich sollte am vergangenen Donnerstag das zweite TV-Duell zwischen Trump und Biden stattfinden. Da der mit dem Corona-Virus infizierte Trump aber eine virtuelle Debatte ablehnte, wurde das Streitgespräch abgesagt. Stattdessen wurden beide Kandidaten in getrennten Sendungen befragt. Das erste TV-Duell hatten sich über 73 Millionen Amerikaner angesehen. Das zweite TV-Duell soll kommenden Donnerstag nachgeholt werden.

Wie die „New York Times“ (NYT) berichtet, liegt der Republikaner auch bei den Wahlkampfspenden deutlich hinter Biden. Dieser hat demnach im vergangenen Monat eine Rekordsumme von 383 Millionen Dollar aufgebracht, mit Trump dagegen 247 Millionen Dollar.

Trump sagte der NYT zufolge, er habe nicht vor, noch mehr Geld aufzubringen. „Ich könnte mehr Geld aufbringen“, sagte er. „Ich wäre die größte Spendensammelaktion der Welt, aber ich will es einfach nicht tun.“Der Präsident sieht sich zudem mit einer Vielzahl potenzieller Strafverfolgungen konfrontiert. Erst vor wenigen Wochen machte die NYT öffentlich, dass Trump jahrelang keine Steuern bezahlt hat. Zudem sitzt der Präsident offenbar auf einem hohen Schuldenberg. Die Immunität des Präsidentenamtes hätte er im Falle einer Wahlniederlage nicht mehr.

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