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Auf diesem Satellitenfoto von Planet Labs PBC ist das Kernkraftwerk Saporischschja in Enerhodar, Ukraine, am 2. September 2019 zu sehen. Foto: Planet Labs Pbc/Planet Labs PBC via AP/dpa
© Planet Labs Pbc/Planet Labs PBC via AP/dpa

Video aus attackiertem AKW aufgetaucht „Stoppt den Beschuss, ihr setzt die Sicherheit der gesamten Welt aufs Spiel!“

Das am Freitag angegriffene AKW in Saporischschja entfachte neue Sicherheitsdebatten. In einem Video zeigen Medien nun Gespräche aus dem Inneren des Werks.

Nach Medienangaben warnte Belegschaft des Atomkraftwerkes Saporischschja, das in der Nacht von Donnerstag auf Freitag von russischen Truppen beschossen und eingenommen wurde, die Angreifer mehrmals bezüglich eines Angriffs. Das berichteten am Samstag die „New York Times“ sowie der amerikanische Fernsehsender CNN.

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Die russische Armee hatte die Anlage von Saporischschja im Süden der Ukraine in der Nacht zum Freitag mit Panzern angegriffen und dort einen Brand ausgelöst. Der Brand konnte gelöscht werden, das Gelände ist inzwischen von der russischen Armee besetzt.

Die besagte Szene ist in einem Video zu hören, das CNN und auch der „New York Times“ vorliegt. Das Video wurde den Medien demnach von einer Quelle mit Verbindungen zur örtlichen Regierung zugespielt. Es scheint im Inneren des Atomkraftwerkes aufgenommen zu sein und stimmt laut Recherchen mit Archivvideos und -fotos der Anlage überein.

Die Aufnahmen zeigen, wie ein Mitarbeiter über die Lautsprecher der Anlage an die Angreifer appellierte: „Stoppt den Beschuss des Atomkraftwerks, stoppt den Beschuss jetzt, ihr setzt die Sicherheit der gesamten Welt aufs Spiel. Zentrale Funktionen dieses Kraftwerks könnten beschädigt werden. Wir werden sie nicht wieder herstellen können. Stoppt den Beschuss.“ Den Satz wiederholte er mehrere Male.

Laut der Belegschaft und Experten läuft der Betrieb aktuell sicher, es wurden keine radioaktiven Stoffe freigesetzt. Nach Angaben des ukrainischen Akw-Betreibers Energoatom wurden drei ukrainische Soldaten bei dem Angriff auf das Atomkraftwerk getötet.

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Moskau bestreitet den Beschuss und macht ukrainische „Saboteure“ dafür verantwortlich. Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg sagte, der Angriff auf das AKW zeuge von der „Rücksichtslosigkeit" Russlands in dem Krieg. Er warf Russland auch den völkerrechtswidrigen Einsatz von Streubomben vor.

Die Anlage von Saporischschja ist das größte Atomkraftwerk Europas und verfügt über sechs Reaktoren. Aktuell läuft nur ein Reaktor mit reduzierter Leistung. Bereits in der vergangenen Woche hatte es Kämpfe in der Nähe des Unglücksreaktors von Tschernobyl gegeben, wo sich 1986 das schwerste Atomunglück der Geschichte ereignet hatte. Die Atomruine wird nun von russischen Truppen kontrolliert. (AFP, Tsp)

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