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Verschwörungstheorien 9/11 - Alles Lüge?

„Der Hauptverdächtige ist in der Tat die damalige US-Administration. Das Motiv war, Geld der Steuerzahler in die Kriege umzuleiten“, sagt mit Alexander Benesch einer, der den Diskurs in Deutschland maßgeblich beeinflusst hat. Sein Portal infokrieg.tv ist eine zentrale Anlaufstelle für alle, die sich von den Massenmedien hinters Licht geführt wähnen. „Es ist stellenweise zu beobachten, dass 9/11 vielen zum Hals raushängt, da wurde schon so viel gemacht“, sagt Benesch. Als seine Motivation beschreibt der 27-Jährige die „Suche nach Wahrheit“: „Wenn man heute den Fernseher einschaltet, müsste dort ein Warnhinweis sein: Achtung, sie gucken eine Werbesendung für die aktuelle Regierung.“ Auf seinem Portal macht Benesch selbst Nachrichten, im Gespräch mit ihm wird es schnell welthistorisch, von Manhattan aus landet man plötzlich bei der Mitverantwortung Wladimir Putins für die Bombenanschläge auf Hochhäuser in Moskau 1999 und dann beim Reichstagsbrand. Von seinem Portal kann Benesch leben, vor allem der Vertrieb von Büchern und CDs mit alternativen Deutungen verschiedener Ereignisse laufe gut.

Wie andere Multiplikatoren der Szene auch beruft sich Benesch bei seiner Beweisführung zu 9/11 auf die „Operation Northwoods“. Dabei handelt es sich um einen US-Geheimplan, im Jahr 1962 Terrorattacken von Kubanern auf US-Einrichtungen vorzutäuschen. Der Plan ist real, die CIA selbst veröffentlichte 1997 entsprechende Unterlagen, allerdings hat der damalige Präsident Kennedy ihn nie unterschrieben. Aber wenn es schon vor 50 Jahren solche Gedankenspiele gab, dann könnten doch 2001… Am Ende verlieren sich alle Alternativtheorien im Konjunktiv und der Frage danach, wem man noch glauben kann – und vor allem will. 9/11 ist für eine gar nicht so kleine Parallelgesellschaft im Netz zu einem Synonym einer überkomplexen Welt geworden, in der allein Machtinteressen zählen.

Der Tod Osama bin Ladens ist für die Verschwörerszene dabei kein Schlusspunkt unter die Anschläge von 2001 und das Jahrzehnt im Zeichen des „War on Terror“. Schließlich soll Osama bin Laden schon kurz vorher oder nicht lange danach gestorben sein, ganz friedlich, an einem Nieren- und Leberleiden. Dass seine Leiche von US-Militärs verbrannt und der Beweis, er sei bis 2011 noch am Leben gewesen, in den Augen vieler damit nicht erbracht wurde, gibt der bin-Laden-Verschwörungstheorie Nahrung.

Um die Jahrtausendwende lebte ein radikaler Islamist. Er hasste die USA und starb irgendwann zwischen 2000 und 2011. Mehr Konsens wird es auch im Fall bin Ladens zwischen den Verschwörungstheoretikern und den offiziellen Chronisten der Weltgeschichte nicht geben.

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