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Ein mobiles Impfteam in Bolton Foto: AFP/Oli Scarff
© AFP/Oli Scarff

Verbreitung von B.1.617.2 gefährdet Lockerungen Die Briten im Impf-Wettlauf gegen die indische Variante

In Großbritannien breitet sich die indische Corona-Variante aus. Experten setzen darauf, dass Impfungen auch hier vor schweren Krankheitsverläufen schützen.

An diesem Montag soll der Großteil der Pubs in England auch in den Innenräumen wieder öffnen. In der Corona-Pandemie hatte es das Vereinigte Königreich einem vergleichsweise harten Lockdown und einer zügigen Impfkampagne zu verdanken, dass die Lockerungen schneller kamen als auf dem Kontinent und beim EU-Mitglied Irland.

Doch nun steht wieder ein Fragezeichen hinter den geplanten weiteren Öffnungsschritten in Großbritannien. Der Grund: Die zunehmende Verbreitung der zuerst in Indien entdeckten Corona-Variante B.1.617.2.

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Trotz der Berichte über eine leichtere Übertragbarkeit der indischen Variante sehen viele Briten inzwischen mit größerem Optimismus der näheren Zukunft entgegen. Dennoch gleicht  die gegenwärtige Situation in Großbritannien einem Wettrennen zwischen der Verbreitung des Virus und der Impfkampagne.

Gegenwärtig liegt die Sieben-Tage-Inzidenz in Großbritannien bei rund 23. Allerdings wies Richard Jarvis von der britischen Ärzteorganisation BMA darauf hin, dass ein großer Teil der britischen Bevölkerung immer noch nicht geimpft sei. Deshalb appellierte er insbesondere an jüngere Ungeimpfte, sich möglichst draußen mit Freunden zu treffen und nicht im Inneren der Pubs.

Die Außengastronomie in Großbritannien ist bereits seit April wieder geöffnet. Als nächster Öffnungsschritt ist ab Montag neben der Bewirtung im Inneren geplant, dass sich wieder bis zu sechs Personen in Privathaushalten treffen können. Auch Theater, Kinos und Museen sollen wieder geöffnet werden. Zudem haben die Briten wieder die Möglichkeit, im Ausland Urlaub zu machen.

Weitere Öffnung im Juni in Gefahr

Trotz der Ausbreitung der indischen Variante will der britische Premierminister Boris Johnson an den geplanten Öffnungen ab diesem Montag festhalten. In den kommenden zwei bis drei Wochen müsse aber genau beobachtet werden, in wie weit sich die indische Variante bei der Übertragbarkeit von der Mutante B.1.1.7 unterscheide, die Ende 2020 zunächst in der Grafschaft Kent aufgetaucht war, betonte Johnson.

Johnson schloss indes nicht aus, dass die indische Variante den weiteren Öffnungsplan ins Wanken bringen könnte. Eigentlich ist vorgesehen, dass am 21. Juni sämtliche Corona-Beschränkungen in England fallen.

In Großbritannien hat inzwischen rund 53 Prozent der Gesamtbevölkerung zumindest eine Impfdosis erhalten. Damit besteht zwar noch keine Herdenimmunität, aber bereits ein gewisser Schutz auch gegen die indische Variante B.1.617.2. Anthony Harnden, der Vize-Chef der britischen Impfkommission JCVI, sagte dem Sender BBC, dass Geimpfte auch angesichts der indischen Variante gut gegen schwere Krankheitsverläufe geschützt seien.

Dennoch gibt es in Großbritannien Appelle zu einer verstärkten Vorsicht - gerade angesichts der für diesen Montag geplanten Öffnungen. Nach den Worten des Experten Jarvis von der Ärzteorganisation BMA dürfe die Regierung die während des harten Lockdown erzielten Erfolge nicht gefährden. Premier Johnson müsse „notfalls die Bremse betätigen, um zu verhindern, dass die Situation zum dritten Mal außer Kontrolle gerät“, warnte Jarvis. Die zweite Corona-Welle in Großbritannien konnte erst gebrochen werden, nachdem Johnson Anfang des Jahres einen harten Lockdown verhängt hatte.

Höchste Infektionszahlen in Bolton im Nordwesten Englands

Derweil versucht die Regierung die Impfungen in jenen ärmeren Stadtvierteln und Regionen zu beschleunigen, in denen sich die indische Variante besonders rasch ausbreitet. Die Stadt Bolton im Nordwesten Englands verzeichnet derzeit die höchste Rate an Neuinfektionen. Bereits am vergangenen Dienstag hatte der Bürgermeister des Großraums Greater Manchester, Andy Burnham, gefordert, dass alle über 16-Jährigen in der Region geimpft werden müssten. Besonders unter den Jüngeren in der Region verbreitet sich das Virus rasant. Das Angebot an die Bevölkerung in Bolton, sich ohne Termin ein Vakzin in einem Impfbus des Nationalen Gesundheitsdienstes NHS verabreichen zu lassen, wird derweil laut Medienberichten gut angenommen

Die Sorgen angesichts der Ausbreitung der indischen Corona-Variante hielt die Regierung in London aber nicht von einem viel beachteten Pilotversuch ab, der ein Stück Normalität in den Alltag der Briten zurückbringen soll. 21.000 Fans sind an diesem Samstagabend im Londoner Wembley-Stadion beim Fußball-Pokalfinale zwischen Chelsea und Leicester live dabei. Zu den Glücklichen, die ein Ticket fürs Stadion erhielten, gehören jeweils 6250 Fans beider Clubs, lokale Anwohner aus London und Funktionäre des englischen Fußballverbandes FA.

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