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Jesiden fliehen im Jahr 2014 vor den Kämpfern der Terrormiliz "Islamischer Staat". Foto: REUTERS
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Verbrechen des "Islamischen Staates" Hinweise auf ein Massaker

Hat der IS im Irak gefangene Jesidinnen getötet? Ein Gespräch mit Irfan Ortac, dem Vorsitzenden des Zentralrats der Eziden in Deutschland.

Herr Ortac, britische Medien berichten, dass Kämpfer der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) in ihrem letzten Stützpunkt in Baghuz im Osten Syriens 50 verschleppte jesidische Frauen geköpft haben. Was weiß der Zentralrat der Eziden in Deutschland über das Massaker?

Wir halten diese Berichte für plausibel, aber wir können sie nicht mit letzter Sicherheit bestätigen. Unsere Informanten vor Ort berichten, dass IS-Chef Abu Bark al-Baghdadi seinen Leuten den Befehl gegeben hat, in ihrer aussichtlosen Lage ein Massaker anzurichten und jesidische Gefangene zu töten. Wir haben auch ein Video mit weiblichen Leichen gesehen, aber wir wissen bisher nicht, ob es tatsächlich getötete Jesidinnen zeigt

Ihre eigenen Frauen und Kinder sollen die IS-Kämpfer aber aus dem Kampfgebiet schicken…

Irfan Ortac, Vorsitzender des Zentralrats der Eziden, der nach eigenen Angaben die größte Organisation der mehr als 200.000 Jesidinnen und Jesiden, die in Deutschland leben. Foto: Maurizio Gambarini/dpa Vergrößern
Irfan Ortac, Vorsitzender des Zentralrats der Eziden, der nach eigenen Angaben die größte Organisation der mehr als 200.000 Jesidinnen und Jesiden, die in Deutschland leben. © Maurizio Gambarini/dpa

Das bestätigen unsere Informanten auch. Aber mehr als 500 jesidische Frauen und Kinder hält der IS in Baghuz noch fest und nutzt sie bisher als menschliches Schutzschild, so sie nicht getötet wurden. Sicher ist, dass diese Frauen und Kinder nicht freigelassen wurden und werden.

Wie kann man ihnen helfen?

Ich bin kein Militärexperte. Aber ich das gewaltsame Vorgehen gegen die letzten IS-Stellungen ist die einzige Möglichkeit, für sie etwas zu tun. Nach viereinhalb Jahren Martyrium in Gefangenschaft des IS wäre es ein Segen für diese Menschen, wenn sie befreit würden.

US-Präsident Donald Trump hat die Europäer aufgefordert, IS-Kämpfer zurückzunehmen, die aus EU-Staaten stammen. Was soll mit Ihnen geschehen?

Es muss so schnell wie möglich ein Internationales Sondertribunal eingesetzt werden, das diese Verbrecher verurteilt. Der IS hat schwerste Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen und einen Völkermord zu verantworten.

Also sind Sie gegen eine Rücknahme von IS-Kämpfern durch Deutschland?

Es ist nicht sinnvoll, diese Verbrecher zwischen Staaten hin und her zu schieben. Die Staaten, deren Staatsbürger dort für den IS gekämpft haben, stehen nun in einer großen Verantwortung. Das gilt auch für Deutschland.  Die Bundesregierung sollte sich für die Schaffung eines Internationalen Sondertribunals einsetzen und so sicherstellen, dass diese Verbrecher bestraft werden. Diese Männer waren nicht naiv. Es gibt keinen Angehörigen des IS, der nicht Menschen getötet hat. Sie haben die Tötung von Jesidinnen und Jesiden als Sport betrachtet. Dafür müssen sie zur Rechenschaft gezogen werden.

Fühlen Sie sich in Deutschland sicher vor der Bedrohung durch den IS?

Wir meinen, dass die deutschen Sicherheitsbehörden noch mehr tun könnten, um Deutschland zu schützen. Bisher werden noch zu wenig nach Deutschland geflohene Jesidinnen und Jesiden von den Sicherheitsbehörden zu ihrem Wissen über den IS befragt. Wenn man das ausweiten würde, könnte man Deutschland noch sicherer machen.

Der Zentralrat der Eziden ist nach eigenen Angaben die größte Organisation der mehr als 200.000 Jesidinnen und Jesiden, die in Deutschland leben.

 

  

 

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