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Ukrainische Soldaten in der Region Charkiw. Foto: REUTERS/Sofiia Gatilova
© REUTERS/Sofiia Gatilova

Ukraine-Invasion Tag 163 Kiew bereitet womöglich Doppeloffensive im Süden vor

Sicherheit von AKW Saporischschja wohl gefährdet, Wochenend-Ausgangssperre in Mykolajiw, weitere Getreideschiffe verlassen Ukraine. Der Überblick am Abend.

Auch am 163. Tag des Ukraine-Krieges steht die Entwicklung im Süden des Landes im Fokus. Kiew spricht von einer russischen Großoffensive, die in den nächsten Tagen starten könnte. Auch heute kamen wieder Berichte, unter anderem vom Leiter der Militärverwaltung in Krywyj Rih (Selenskyjs Geburtsstadt), dass es vermehrt russische Truppenbewegungen in der Nähe der Stadt gebe.

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Allerdings gibt es auf der russischen Seite die Vermutung, dass die Ukraine durch Berichte wie diesen von den eigenen Plänen ablenken will. Das schreibt zum Beispiel der prorussische Veteran Igor Girkin, der immer noch als sehr gut vernetzt im russischen und prorussischen Militär gilt. Er berichtet wiederum, dass die Ukraine große Truppenverbände in der Gegend um Cherson und Saporjschscha zusammenzieht und eine Doppeloffensive im Süden starten könnte.

Schon jetzt ist der ukrainische Fortschritt deutlich: 60 Dörfer und Kleinstädte konnte die Armee in den vergangenen Wochen entlang der mehr als 200 Kilometer langen Frontlinie im Gebiet Cherson erobern. Mehr als 50 Munitionsdepots und Kommandostände wurden zerstört (Quelle hier).

Wie viele Soldaten und Soldatinnen sich im Süden des Landes gegenüberstehen, ist schwer zu sagen. Aktuelle Experten-Schätzungen gehen von 12.000 bis 25.000 Soldaten auf russischer Seite im Gebiet um Cherson aus. Mancher Beobachter schätzt, dass sich inzwischen die Hälfte der gesamten russischen Truppen im Süden der Ukraine befinden.

Die Experten des Think Tanks „The Institute for the Study of War“ kommen in der Analyse der aktuellen Kriegsphase zu einer interessanten Einschätzung: „Die Vorbereitungen der Ukraine auf die Gegenoffensive in Cherson und die ersten Operationen im Rahmen dieser Gegenoffensive in Verbindung mit der dramatischen Schwächung der russischen Streitkräfte scheinen es der Ukraine erstmals zu ermöglichen, den Verlauf des Krieges aktiv zu gestalten.“ (Quelle hier) Nicht mehr Russland könnte in den nächsten Wochen also das Geschehen bestimmen, sondern Kiew.

DIE WICHTIGSTEN NACHRICHTEN DES TAGES IM ÜBERBLICK

  • Lindner prüft Ausnahme der Gasumlage von der Mehrwertsteuer: Tausende Euro an Mehrkosten kommen wohl auf die Gaskunden zu. Habeck möchte, dass der Staat nicht noch mitverdienen darf. Auch der Finanzminister reagiert. Mehr hier.
  • Russland „bereit“ zu Diskussion über Gefangenenaustausch mit USA: Als Bedingung nannte der russische Außenminister Lawrow eine direkte Kommunikation zwischen Putin und Biden. Griner war zu neun Jahren Haft verurteilt worden. Mehr hier.
  • 41 Prozent der Deutschen wollen Akw-Neubau: Ein großer Teil der Deutschen wünscht sich einer Umfrage zufolge nicht nur die Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken. 52 Prozent sind allerdings dagegen. Mehr hier.
  • Drei weitere Getreide-Frachter aus ukrainischen Häfen ausgelaufen: Fünf Tage, nachdem das erste Schiff aus der Ukraine ausgelaufen ist, haben sich drei weitere auf ihren Weg gemacht. Sie sollen 58.000 Tonnen Mais geladen haben. Mehr hier.
  • Nach Angaben der ukrainischen Generalstaatsanwaltschaft sind während des russischen Angriffskrieges mindestens 359 Kinder getötet worden. Der Wert hat sich somit zum ersten Mal seit 15 Tagen erhöht. Den unbestätigten Daten zufolge wurden mindestens 700 Kinder körperlich verletzt. Mehr in unserem Newsblog.
  • Der Panzer- und Artilleriehersteller Rheinmetall bleibt vor dem Hintergrund des Ukraine-Krieges und globaler Spannungen auf Wachstumskurs, schraubt seine hohen Erwartungen aber etwas herunter. Im ersten Halbjahr habe der Umsatz um 3,5 Prozent auf 2,7 Milliarden Euro zugelegt, teilte das Unternehmen am Freitag in Düsseldorf mit. Das Betriebsergebnis (Ebit) stieg um acht Prozent auf 0,2 Milliarden Euro.
  • In der südukrainischen Hafenstadt Mykolajiw wird für die Suche nach Helfern der russischen Armee eine mehr als zweitägige Ausgangssperre verhängt. „Am Wochenende wird die Stadt geschlossen, kaufen Sie rechtzeitig Wasser und Lebensmittel. Wir arbeiten, darunter in Bezug auf die Kollaborateure“, sagte Gouverneur Witalij Kim am Freitag in einer Videobotschaft. Die allgemeine Ausgangssperre gilt demnach von Freitag 23.00 Uhr Ortszeit bis Montag 5.00 Uhr Ortszeit.
  • Russische und pro-russische Truppen haben einer Agenturmeldung zufolge am Rande der ostukrainischen Stadt Donezk in der Ostukraine das befestigte Dorf Pisky eingenommen. Auch in der Industriestadt Bachmut im Norden von Donezk seien Kämpfe ausgebrochen, meldet die russische Nachrichtenagentur Tass. Am Vortag teilte das ukrainische Militär mit, es habe zwei Angriffe der russischen Streitkräfte auf Pisky abgewehrt.
  • Nach Einschätzung britischer Geheimdienste gefährden Aktionen der russischen Streitkräfte mit hoher Wahrscheinlichkeit die Sicherheit des ukrainischen Atomkraftwerks Saporischschja. Moskaus Absichten im Hinblick auf das größte Atomkraftwerk in Europa seien fünf Monate nach Beginn des Krieges noch immer unklar, hieß es am Freitag in einem Update des britischen Verteidigungsministeriums.
  • Die Ukraine fordert eine Ausweitung des Abkommens für Getreide-Exporte über das Schwarze Meer auch auf andere Güter. Bei dem Abkommen gehe es um Logistik, um eine Bewegung von Schiffen im Schwarzen Meer, sagt der stellvertretende Wirtschaftsminister Taras Katschka der „Financial Times“.

HINTERGRUND UND ANALYSE

1. Berichte über „tiefes Misstrauen“: Wie ist das Verhältnis zwischen den USA und der Ukraine wirklich? (T+)
2. Erdgaskrise in Europa: Zehn Ideen, wie Deutschland Energie einsparen kann
3. Amnesty International erhebt schwere Vorwürfe: Hat die Ukraine durch ihre Kriegstaktik wirklich Zivilisten gefährdet?

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