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US-Präsident Donald Trump kehrt am 7. November 2020 nach einem Ausflug in seinen Golf-Club zum Weißen Haus zurück. Foto: ANDREW CABALLERO-REYNOLDS/AFP
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Twittern, Golfspielen, Twittern So verbrachte Donald Trump den Samstag der Entscheidung

Während Joe Biden als neuer Präsident ausgerufen wird, spielt Donald Trump Golf. Die Rekonstruktion eines historischen Tages.

In Krisenmomenten nach Kontinuität zu streben, ist menschlich. Auch während die ganze Welt am Samstag die Augen auf die USA gerichtet hat, sucht Donald Trump die Kontinuität.

Während die Verkündung des Ergebnisses der US-Wahl immer näher rückt, weiterhin Hochrechnungen vorgenommen und Einschätzungen gehört werden, begeht der amtierende Präsident seinen Wochenendtag, als sei alles wie immer. Donald Trump bleibt sich treu: Er twittert, er golft. Aus Berichten von zahlreichen Journalisten, unter an anderem der „BBC“ und der „Washington Post“, lässt sich der Tag nachzeichnen.

Um 8:20 Uhr und in den darauf folgenden Minuten setzt er an diesem Tag vier erste Kurznachrichten bei Twitter ab. Darin wiederholt er die Mär, es seien bei der US-Wahl Zehntausende illegale Stimmen gezählt worden – ohne dass es dafür Beweise gibt, ohne, dass Trump selbst Beweise anbringen könnte.

Während er diese Tweets schreibt, befindet sich Trump im Weißen Haus. Dieses Haus, so wird sich an diesem Samstagvormittag US-amerikanischer Zeit herausstellen, wird Trump im Januar 2021 verlassen müssen.

Die vier an diesem Morgen von Trump abgesetzten Tweets werden von Twitter allesamt mit Warnhinweisen versehen, „einige oder alle der Inhalte“, die geteilt wurden, seien „umstritten und möglicherweise irreführend“, heißt es da.

Landschaftsgärtnerei statt Luxushotel

Kurze Zeit später, um 09:41 Uhr, führt Trump erneut in die Irre – und sich selbst vor: Er kündigt eine Pressekonferenz seiner Anwälte im „Four Seasons, Philadelphia“ an. Nach fünf Minuten allerdings wird der Tweet vom Verfasser selbst gelöscht, denn auch diese Information ist falsch.

Seine Anwälte werden nicht, wie offenbar zunächst von Trump angenommen, im Luxushotel „Four Seasons“ in Philadelphia sprechen, sondern im „Four Seasons Total Landscaping“, einer Landschaftsgärtnerei. Statt Luxushotel eine Landschaftsgärtnerei, gelegen zwischen Porno-Shop und Krematorium, mehr Symbolik geht kaum. In den sozialen Netzwerken macht sich Häme und Belustigung breit.

Kurz vor 10 Uhr dann verlässt Trump das Weiße Haus, so schreibt es BBC-Reporterin Tara McKelvey, die zu dem kleinen Team von Journalistinnen und Journalisten gehört, die direkt aus dem Weißen Haus berichten dürfen. Trump trägt Freizeitkleidung, eine schwarze Jogginghose, graues Shirt, eine weiße „Make America Great Again“-Kappe. Und Golfschuhe.

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Der Golfplatz ist Trumpland

Mit seiner Entourage macht er sich auf den Weg zum Trump National Golf Club in Sterling, Virginia, etwa 40 Minuten Fahrzeit mit dem Auto vom Amtssitz des amerikanischen Präsidenten entfernt. Nach Angaben der Internetseite „Trump Golf Count “ ist es Trumps 284. Besuch eines Golfplatzes seit seiner Amtseinführung vor vier Jahren.

Der Golfplatz ist Trumpland. Laut der „Washington Post“ rufen andere Clubmitglieder Trump „We love you“ („Wir lieben dich!“) und „Great job, Mr. President“ („Super Job, Herr Päsident“) zu.

Um 11:24 Uhr US-amerikanischer Zeit (17:24 Uhr deutscher Zeit) ruft CNN Joe Biden zum 46. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika aus. Der politische Kommentator des Senders, Van Jones, hält eine emotionale Ansprache. Er verleiht der Erleichterung Ausdruck, die viele Menschen in diesem Moment spüren. Van Jones sagt: „Das ist eine Rehabilitierung für viele Menschen, die wirklich gelitten haben.“ Er sagt auch, mit Tränen in den Augen: „Character matters. It matters. Being a good person matters.“ („Charakter ist wichtig. Es ist wichtig. Es ist wichtig, ein guter Mensch zu sein.“) Donald Trump spielt derweil weiter Golf.

Der Noch-Präsident bleibt noch einige weitere Stunden auf dem Golfgelände. Er lässt den Morgen ausklingen mit Kevin Morris, dem Leiter des Golfclubs, und macht Fotos mit einem Brautpaar, das an diesem Tag in dem Club seine Hochzeit feiert. Dann verlässt er das Gelände und eine Welt, in der er noch die Kontrolle hat. Draußen auf den Straßen wird bereits gefeiert. Wann genau er genau von seiner Niederlage erfährt, ist unklar.

Jubel auf den Straßen, eingefallene Schultern bei Trump

Auf dem Weg zurück ins Weiße Haus dürfte der Präsident aus seinem Wagen die jubelnden Menschen am Straßenrand sehen, die ihm zuwinken – nicht zu seiner Huldigung, sondern zum langersehnten Abschied. Das demokratisch geprägte Washington feiert eine riesengroße Party, und es feiert, was der Siegertyp Trump nicht wahrhaben will: seine Niederlage.

Donald Trump kehrt am 7. Novmber 2020 nach einem Ausflug zum Golfplatz wieder nach Wahington DC zurück. Die Straßenzüge sind voller Menschen, die sich über seine Abwahl freuen. Foto: Mandel Ngan/AFP Vergrößern
Donald Trump kehrt am 7. Novmber 2020 nach einem Ausflug zum Golfplatz wieder nach Wahington DC zurück. Die Straßenzüge sind voller Menschen, die sich über seine Abwahl freuen. © Mandel Ngan/AFP

Nach der Rückkehr von seinem Golf-Ausflug nimmt Donald Trump den Seiteneingang des Weißen Hauses. „Seine Schultern waren eingefallen, und sein Kopf war nach unten gerichtet“, schreibt die BBC-Reporterin McKelvey über diesen Moment.

Von Einsicht aber kann keine Rede sein. Am Abend setzt Trump erneut zwei Tweets ab. In Großbuchstaben wiederholt er seine Anschuldigungen. Wahlbeobachter seien nicht zugelassen worden, „schlimme Dinge“ seien in den Wahlbüros passiert, Briefwahlzettel seinen an Millionen Menschen geschickt worden, die niemals danach gefragt hätten. In einem weiteren Tweet feiert er sich als den Präsidenten, der mit dem meisten Stimmen überhaupt wiedergewählt wurde.

Seine Anwälte gehen juristisch gegen die Stimmenauszählung vor. Doch die „Washington Post“ zitiert in einem Artikel eine dem Weißen Haus nahe stehende Person, die sagt, es gehe bei den Klagen gegen die Wahl in verschiedenen Bundesstaaten weniger darum, die Ergebnisse wirklich zu hinterfragen. Es gehe vielmehr darum, Trump zu helfen, seine Niederlage zu bewältigen.

Auch wenn am Entscheidungstag bei Trump alles nach Kontinuität aussah – das Ende ist nun eingeläutet. Ob seiner Niederlage eine psychische Krise folgen wird, weiß keiner. Was aber inzwischen feststeht: Spätestens am 20. Januar ist es mit der inszenierten Kontinuität vorbei. An dem Tag werden, so will es das Protokoll, der neue Präsident der Vereinigten Staaten und seine Vizepräsidentin ins Weiße Haus einziehen.

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