Derzeit ohne Hausherr: die US-Botschaft in Berlin. Foto: Christoph Soeder/dpa
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Trump benennt Botschafter für Deutschland Ob Macgregor tatsächlich je nach Berlin kommt, ist zweifelhaft

Mit der Nominierung Douglas Macgregors wollen Trump und sein Berater Grenell den Druck erhöhen, dass Deutschland mehr für Verteidigung tut. Ein Kommentar.

Donald Trump lässt nicht locker in seinem Druck auf Deutschland, mehr für die Verteidigung zu tun. Mitten in der Sommerpause nominiert er einen neuen Botschafter für Berlin. Douglas Macgregor, ein Ex-Oberst, soll mit seiner Fachkenntnis da weitermachen, wo Vorgänger Richard Grenell aufgehört hat: die US-Truppen in Deutschland von rund 34.500 auf 25.000 zu reduzieren. Oder zumindest damit zu drohen, damit die Bundesregierung ihre Zusagen gegenüber der Nato erfüllt.

Ein Botschafter, der die US-Militärstruktur plattmacht?

Ob es je soweit kommt, ist aus drei Gründen zweifelhaft. US-Botschafter müssen vom Senat bestätigt werden. Die Anhörungen dauern üblicherweise Monate. Der Senat wird wohl kaum vor September damit beginnen. Es ist unwahrscheinlich, dass Macgregor vor der US-Wahl am 3. November nach Berlin kommen kann. Ein Sieg des Demokraten Joe Biden wäre das Aus für Macgregor. Und selbst wenn Trump Präsident bleibt und ihn entsenden kann: Ist er der richtige Mann, um die für die Weltmachtrolle der USA so wertvolle militärische Infrastruktur in Deutschland abzuwickeln?

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Die Einsatzfähigkeit und Kampfkraft des US-Militärs sind die Passion des pensionierten Berufssoldaten. In einer ausufernden Militärbürokratie, der es mehr ums Verwalten als um das Kämpfen und Siegen gehe, sieht er den inneren Feind. So hat er in Büchern wie „Breaking the Phalanx“ und Interviews immer wieder argumentiert und eine grundlegende Reform der Streitkräfte gefordert.

Ein Oberst, der nicht General wurde - und sein Frust

Macgregor stammt aus Philadelphia, Pennsylvania, begeisterte sich schon als Kind für Kriegsgerät und Panzerschlachten. Er absolvierte die Militärakademie in West Point. Als Schüler und als Offizier lebte er zeitweise in der Bundesrepublik. Eines seiner Bücher handelt vom Einfluss der Sowjetunion auf das geteilte Deutschland. Im Golfkrieg 1991 zur Befreiung Kuwaits führte er eine Panzereinheit. Im Kosovokrieg war er militärischer Chefplaner unter General Wesley Clark. 2002 empfahl er Verteidigungsminister Donald Rumsfeld für den sich anbahnenden Irakkrieg zum Sturz Saddam Husseins einen Tempovorstoß mit schweren Panzereinheiten direkt nach Bagdad.

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Trotz militärischer Erfolge und Auszeichnungen verpasste er die Beförderung zum General mehrfach. Manche sagen, weil er arrogant auftrat und sich mit dem Vorwurf unbeliebt machte, viele Offiziere legten ihre Karriere darauf an, nach der Frühpensionierung zum hochbezahlten Lobbyisten der Rüstungsindustrie zu werden. Andere meinen, dass er sich mit dem undiplomatischen Drängen auf eine Militärreform zum Außenseiter machte.

2004 schied Macgregor aus dem Dienst aus und gründete eine Beratungsfirma. Er verkörpert den ziemlich verbreiteten Typus auf rechten Sendern wie Fox News und in Trumps Anhängerschaft: der frustrierte Ex-Oberst, der vor dem Niedergang der USA warnt, dessen Rat aber nicht gehört wird. Und der mit politischen Prognosen auch leicht einmal daneben liegt. 2012 sagte er voraus, dass 2015 wohl kaum noch jemand den USA Geld leihen werde wegen deren hoher Verschuldung und die Eurozone noch früher auseinanderbrechen werde. Das US-Militär müsse sich auf sinkende Budgets einstellen.

Ein Fox-Kommentator, der mit Prognosen zu Dollar und Euro irrte

Macgregors Nähe zu Trump, der seine Anhängerschaft unter den Unzufriedenen sucht, lässt sich leicht nachvollziehen. Schwerer zu verstehen ist, warum einer wie er, der eine mangelnde Einsatzbereitschaft des US-Militärs beklagt, die Stützpunkte in Deutschland schwächen sollte, auf denen die globale Handlungsfähigkeit mit beruht. Wie sollen die gewohnten Operationen in Afrika, im Nahen und Mittleren Osten ohne Afrika-Command in Stuttgart, ohne das Luftdrehkreuz Ramstein oder das Militärkrankenhaus Landstuhl funktionieren? Und wie der US-Beitrag zur Verteidigung Europas in der Nato ohne  das Kavallerieregiment in Vilseck, die Luftabwehr und die Truppenübungsplätze in Grafenwöhr und Hohenfels?

Je mehr Zeit verstreicht, seit Trump und Grenell erstmals drohten, fast ein Drittel der US-Soldaten aus Deutschland abzuziehen, desto mehr fällt auf: Sie wiederholen die Drohung immer wieder, legen aber keinen Plan vor, wie das gehen soll, ohne die Handlungsfähigkeit der USA zu beschädigen. Grenell, der inzwischen in Trumps Wahlkampfteam arbeitet, hat es bis heute nicht verwunden, dass er mit seiner Taktik des öffentlichen Drucks auf Deutschland wenig bewirkt hat. Womöglich ist die Nominierung Macgregors nur ein weitere leere Drohung, um die Forderung nach höheren deutschen Verteidigungsausgaben als Wahlkampfthema zu behalten. Wohl wissend, wie unwahrscheinlich es momentan ist, dass Macgregor Botschafter in Berlin wird.

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