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Immer dabei, wenn Merkel mächtige Menschen traf: Jan Hecker (Bildmitte) gemeinsam mit Angela Merkel und Joe Biden in Cornwall im Juni. Foto: Guido Bergmann/dpa
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Tod eines Botschafters Ein Vertrauter der Kanzlerin

Kurz nach seinem Amtsantritt ist Jan Hecker gestorben, neuer deutscher Vertreter in Peking. Im politischen Berlin reagieren viele bestürzt auf den Tod des Ausnahmebeamten.

Selten hat der plötzliche Tod eines Spitzenbeamten im politischen Berlin so viel Erschütterung ausgelöst wie nun der von Jan Hecker. Der neue deutsche Botschafter in China starb nur kurz nach der Übernahme des wichtigen diplomatischen Postens in Peking, wie das Auswärtige Amt in der Nacht zum Montag mitteilte.

Gerade erst hatte der 54-Jährige, der mit seiner Frau drei Kindern hat, die obligatorische Quarantäne durchlaufen, sein Beglaubigungsschreiben übergeben und die Arbeit in der Botschaft aufgenommen. Seine Frau ist Leiterin der politischen Abteilung der Botschaft. Die Todesumstände von Hecker sind unklar. Das Auswärtige Amt beeilte sich aber zu versichern, mit seiner Funktion hätten sie nichts zu tun.

Die Kanzlerin zeigt sich tief erschüttert

Vor seiner Entsendung nach China hatte Hecker im Kanzleramt seit 2017 die außenpolitische Abteilung geleitet und war damit Merkels wichtigster Berater auf diesem Feld gewesen. Er bereitete Treffen mit schwierigen Partnern wie Wladimir Putin und komplizierte Prozesse wie den Libyen-Gipfel vor, musste auch Kontakt zu Beratern des Deutschland-kritischen US-Präsidenten Donald Trump halten und saß mit dabei, als die Kanzlerin im Juni dessen Nachfolger Joe Biden in Cornwall am Rande des G-7-Gipfels zum Acht-Augen-Gespräch traf.

„Der Tod Jan Heckers erschüttert mich zutiefst. Ich trauere um einen hochgeschätzten langjährigen Berater von tiefer Menschlichkeit und herausragender Fachkenntnis“, erklärte Merkel. Sie denke dankbar an die Zusammenarbeit zurück und sei froh, mit ihm über Jahre so eng verbunden gewesen zu sein: „Mein tiefstes Mitgefühl gilt seiner Frau, seinen Kindern und den anderen Angehörigen in ihrem unermesslichen Schmerz.“

Ein Ausnahmebeamter, dessen Menschlichkeit nun viele vermissen: Jan Hecker, zuletzt deutscher Botschafter in Peking. Foto: Michael Kappeler/dpa Vergrößern
Ein Ausnahmebeamter, dessen Menschlichkeit nun viele vermissen: Jan Hecker, zuletzt deutscher Botschafter in Peking. © Michael Kappeler/dpa

Mit diesem Urteil steht die Kanzlerin nicht alleine da. „Einer der feinsten Menschen, die ich kennenlernen durfte", schrieb der frühere Vize-Regierungssprecher Georg Streiter auf Facebook. Ähnliche Würdigungen kamen auch aus dem Auswärtigen Amt und aus Thinktanks.

Der gebürtige Kieler war der erste Außenpolitik-Berater im Kanzleramt, der nicht die klassische Diplomatenkarriere durchlaufen hatte. Nach dem Studium unter anderem in Grenoble und Cambridge hatte der Spitzenjurist und spätere Professor an der Universität Viadrina zunächst für das Bundesinnenministerium gearbeitet. Als Beamter und als Wissenschaftler verteidigte er auch das Recht der Exekutive, in einem geschützten Raum ohne Öffentlichkeit Entscheidungen zu treffen. Von 2011 bis 2015 war Hecker Richter am Bundesverwaltungsgericht.

Seine Aufgabe: Merkels Flüchtlingspolitik zum Erfolg führen

Der damalige Kanzleramtschef Peter Altmaier (CDU) holte den Beamten 2015 als Leiter des damals neu geschaffenen Koordinierungsstabes Flüchtlingspolitik zurück. In dieser Funktion musste er schon nicht nur innenpolitische Aufgaben lösen, sondern auch Kontakte in Herkunfts- und Durchgangsländer aufbauen, um die Zahl der Flüchtlinge zu begrenzen und Merkels Versprechen („Wir schaffen das“) wahr werden zu lassen.

Aus Sicht der Kanzlerin tat er das so überzeugend, dass sie ihn zwei Jahre später unter Bruch alter Regeln zum Nachfolger ihres außenpolitischen Beraters Christoph Heusgen machte, was in diplomatischen Kreisen durchaus verwundert registriert wurde. Die Arbeitsbelastung auf dem Posten war hoch, private Pausen trat der Beamte zuweilen im Laufschritt an.

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Als engem Vertrautem von Merkel war Hecker die Aufgabe zugedacht, im Zeitalter wachsender Spannungen im Verhältnis zu China Kontinuität zu wahren. Deshalb war seine Ernennung von den Gastgebern positiv aufgenommen worden. Eine neue Bundesregierung allerdings könnte andere Akzente setzen als die auf Ausgleich bedachte Kanzlerin. Die Funktion des außenpolitischen Beraters im Kanzleramt war nach Heckers Wechsel vakant geblieben, wird nun kommissarisch geführt, um einer neuen Regierung nicht vorzugreifen. Das Gleiche dürfte nun für den Posten des Verstorbenen in Peking gelten. 

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