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Tiere leiden, Menschen essen: Muttersäue mit ihren Ferkeln im Stall. Foto: Jens Büttner/dpa
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Tierwohl-Label ist gescheitert Das Leiden in den Ställen geht weiter

Das staatliche Gütesiegel für mehr Tierwohl beim Fleischkauf kommt nicht. Dabei würde es dringend gebraucht. Ein Kommentar.

Vor zwei Jahren verständigte sich die große Koalition auf ein staatliches Gütesiegel für mehr Tierwohl beim Fleischkauf, das von der Aufzucht über den Transport der Tiere bis hin zur Schlachtung gewisse Kriterien festlegt. Dabei herausgekommen ist: nichts. Denn wie am Dienstag verkündet wurde, kommt das Label in dieser Legislaturperiode nicht mehr durch den Bundestag.

Die SPD hatte angekündigt, die bestehenden Pläne nicht zu unterstützen, weil sie "absolut ungenügend" seien und es an ausreichenden Kriterien fehle. Zudem brauche es kein freiwilliges, sondern ein verpflichtendes Tierwohl-Label. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner wertete die Reaktion des Regierungspartners als wahlkampftaktisches Blockademanöver und gab im Deutschlandfunk zu verstehen, dass die Verbindlichkeit am geltenden EU-Recht scheitere. Und während sich die Politik das Thema für den Wahlkampf zurechtlegt, geht das Leiden in der Massentierhaltung weiter. Die nächste Bundesregierung - vielleicht ja mit grüner Beteiligung - sollte nicht mehr darauf vertrauen, dass allein der Markt es schon regeln wird, sondern muss für mehr Verbindlichkeit sorgen.

Ein staatliches verpflichtendes Gütesiegel für mehr Tierwohl gehört dazu. Käme es als europäische Maßnahme, wäre das umso besser, um zusätzlichen Konkurrenzdruck auf die hiesigen Landwirt:innen zu vermeiden. Aber reicht es wirklich, ein neues, buntes Siegel auf die Verpackungen zu hauen, um die gewünschte Lenkungswirkung zu erzielen?

Dass immer mehr Menschen ihren Fleischkonsum drosseln oder sich zumindest eine bessere Haltung der Tiere wünschen, wird seit Jahren in Umfragen belegt. Der diesjährige Ernährungsreport des Bundeslandwirtschaftsministeriums zeigt, dass 86 Prozent der Befragten ein staatliches, unabhängiges Tierwohlkennzeichen unterstützen und auch bereit wären, hierfür mehr Geld auszugeben. Trotzdem liegt in den Supermärkten immer noch überwiegend Fleisch, das gerade mal die gesetzlichen Mindeststandards erfüllt.

Der Fleischkonsum muss teurer werden

Eine Untersuchung der Verbraucherzentrale zeigt, dass etwa 87 Prozent der Fleischprodukte, die das weitverbreitete "Haltungsform"-Siegel tragen, nur die vorgeschriebenen Standards einhalten oder sie leicht übertreffen. Eine Machbarkeitsstudie zur langfristigen Transformation der Nutztierhaltung stellt fest, dass es hier eine "Bürger-Konsumenten-Lücke" gibt: Das gesellschaftlich vorhandene Interesse am Tierwohl deckt sich nicht mit dem beobachteten Kaufverhalten. Effizient für Tierwohl zu sorgen geht anders.

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Die Politik darf den Wandel hin zu einer umweltschonenden und artgerechten Nutztierhaltung nicht einfach den Marktkräften überlassen. Das Label-Wirrwarr im Handel - mehr als Tausend allein in Deutschland - führt vielleicht zu mehr Transparenz, aber nicht zu einem Sinneswandel mit der gebotenen Dringlichkeit. "Es gibt kein Recht auf Billigfleisch", proklamierte Julia Klöckner noch vor kurzem im Interview mit der "Zeit", doch genau das subventioniert die Regierung mit ihrer Tatenlosigkeit. Wer heute im Supermarkt ein Tofuschnitzel kauft, zahlt darauf mehr als doppelt so viel Mehrwertsteuer wie beim Nackensteak.

Ob über eine Steueranhebung oder eine Tierwohlabgabe: Der Fleischkonsum muss teurer werden, die zusätzlichen Einnahmen müssen in eine bessere Haltung fließen. Laut einer Studie des staatlichen Thünen-Instituts könnten hierfür schon drei bis vier Milliarden Euro im Jahr reichen, das entspricht etwa fünf Cent pro Mahlzeit. So viel sollte einem das Tierwohl wert sein.

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