Die Wartburg über der Stadt Eisenach. Foto: imago/imagebroker
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Thüringen-Wahl 2019 Das große Thüringen-ABC – von Altenburg bis Zeiss

Thüringen ist das geografische Herz Deutschlands. Was das Bundesland mit Kindergärten zu tun hat und wie man Knödel macht - das ABC zur Landtagswahl.

Altenburg. Wer Skat kloppt, kennt Altenburg. In dem Residenzstädtchen wurde das Spiel erfunden, um 1820. Bald siedelte sich die Spielkartenfabrik an, die noch heute besteht. Es gibt ein Skatmuseum – und das Skatgericht für Streitfälle.

Bauhaus. Nein, nicht der Baumarkt, sondern die Avantgarde-Schule für Design und Architektur, vor 100 Jahren von Walter Gropius in Weimar gegründet. Ihre Devise: Leben ist Kunst – und Kunst entsteht in der Werkstatt.

Clueso. Den Künstlernamen lieh Thomas Hübner sich vom Filminspektor Clouseau aus dem „Rosaroten Panther“. Geboren 1980 in Erfurt, blieb der Songwriter seiner Heimatstadt treu.

Dora-Mittelbau. Die Insassen nannten das Konzentrationslager am Rande des Harz „kalte Hölle“. Ab August 1943 mussten Häftlinge eine gigantische Waffenfabrik in den Berg graben, zur Produktion der V2-Rakete unter der Erde. Im Lager arbeiteten 60 000 Menschen, 20 000 starben.

Eichsfeld. Vier Fünftel der Fläche liegen in Thüringen, Teile gehören zu Niedersachsen und Hessen. Seit der Gegenreformation 1575 hat die katholische Kirche hier das Sagen – eine Insel inmitten evangelischer Gebiete.

Friedrich Fröbel, 1782 in Oberweißbach geboren, Erfinder des Kindergartens. Der erste entstand in Bad Blankenburg. Ein System von Liedern, Beschäftigungen und „Spielgaben“ machte den Unterschied zu den damals existierenden „Kinder-Bewahranstalten“. Viele Spiel- und Lernmaterialien des Pädagogen sind heute noch anerkannt.

Glasherstellung hat im Thüringer Wald eine lange Tradition. Lange war sie ein Hauptindustriezweig der Region. Bekannt ist besonders die Glasbläserstadt Lauscha, als „Wiege des gläsernen Christbaumschmucks“.

Hainich. Jahrzehntelang war der heutige Nationalpark militärisches Sperrgebiet, deshalb konnte der Wald sich hier ungestört entwickeln. Einer der wenigen Buchen- Urwälder in Europa, seit 2011 Unesco-Weltnaturerbe.

Inselsberg. Mit 916 Metern ist der Große Inselsberg nicht der höchste Berg im Thüringer Wald, aber eines der beliebtesten Ausflugsziele. An Tagen mit guter Sicht kann man bis zur Wasserkuppe in der Rhön und zum Brocken im Harz gucken.

Jena. Oben die Kernberge, unten Philharmonie. Ziemlich grün und gemütlich für eine Großstadt. Mit bewegter und oft eigensinniger Geschichte. Goethe und Napoleon prägten sie ebenso wie DDR-Oppositionelle. Die vielen Studenten bemerkt man, auch an Kneipen, Cafes und Konzerten. Ein traditionelles Schellenbier zu Rouladen und Klößen lohnt sich.

Kleinstaaterei. Die Landgrafschaft Thüringen gehörte im Mittelalter zu den größeren Fürstentümern, aber dann zersplitterte die Region durch Landesteilungen. Thüringen wurde zum Sinnbild deutscher Kleinstaaterei, aber auch kultureller Vielfalt in der Provinz. Bis heute. Erst am 1. Mai 1920 wurde aus den thüringischen Staaten ein Land.

Luther. Geboren und gestorben in Eisleben, der Thesenanschlag 1517 in Wittenberg: Natürlich ist Martin Luther Sachsen-Anhaltiner. Aber sein Großwerk, die Übersetzung der Bibel, vollbrachte er in Thüringen, auf der Eisenacher Wartburg, wo er sich 1521/22 vor dem Kaiser verstecken musste.

Mittellage. Grünes Herz Deutschlands wird das Land genannt, wegen des vielen Waldes und der zentralen Lage. Wo die geografische Mitte Deutschlands liegt, ist zwar umstritten. Aber die meisten Orte mit Anspruch liegen im westlichen Thüringen – Niederdorla etwa.

NSU. Zwei Untersuchungsausschüsse im Erfurter Landtag beschäftigten sich mit der rechten NSU-Terrorzelle um Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe. Die drei wuchsen in Jena auf und gingen von Thüringen aus in den Untergrund. Bei der Suche nach den Rechtsterroristen gab es zahlreiche Versäumnisse der Thüringer Sicherheitsbehörden.

Opel. 1897 gründeten die Brüder Ehrhardt in Eisenach das Motorenwerk Wartburg. Erst wurden Militärfahrzeugteile gefertigt, nach 1945 der Zweitakter „Wartburg“. In den 90er Jahren übernahm die Adam Opel AG den Fertigungsstandort, der seither alle Höhen und Tiefen des Unternehmens mitmachte.

Point Alpha an der Grenze zu Hessen galt im Kalten Krieg als einer der heißesten Punkte. Hier standen sich Vorposten von Nato und Warschauer Pakt gegenüber. Heute Gedenkstätte mit Wachtürmen und Resten der Grenzanlagen.

Quadratmeterpreise für Baugrundstücke sind in Thüringen niedrig wie kaum irgendwo sonst in Deutschland – nur Sachsen-Anhalt ist billiger.

Rostbrätel. Die marinierte und über Holzkohle gegrillte Scheibe vom Schweinenacken ist eine Thüringer Spezialität. Beliebt und ein Exportschlager ist auch die Thüringer Rostbratwurst. Laut EU-Verordnung muss sie heute mindestens 15 Zentimeter lang sein. Sie wurde schon von Luther und Goethe sehr geschätzt.

Suhl, die Stadt, die den höchsten Altersschnitt Deutschlands hat. Eine ausführliche Reportage lesen Sie hier.

Thüringer Klöße werden aus zwei Kilogramm Kartoffeln, 125 Millilitern heißer Milch und Salz gemacht: Zwei Drittel der Kartoffeln reiben, in einem Tuch ausdrücken. Kartoffelwasser auffangen – die Stärke darin setzt sich ab. Gekochte Kartoffeln zu Püree zerstampfen, Milch und eine Prise Salz zugeben. Anschließend mit der rohen Masse vermengen und Klöße formen. Gefüllt werden können sie mit gerösteten Brotwürfeln. Die Klöße mit der Stärke einreiben. Gesalzenes Wasser in einem Topf aufkochen und von der Flamme nehmen, Klöße darin ziehen lassen. Wenn die Klöße oben schwimmen, sind sie fertig.

Uranbergbau. „Pechblende“ hieß das schwarze Gestein, das in den Minen des Erzgebirges im 16. Jahrhundert entdeckt und abgebaut wurde. Jahrhunderte später baute die Sowjetunion auf dem Uran aus den Bergwerken der „Wismut“ ihre Atomindustrie auf. Bis 1990 wurden 216 000 Tonnen Uranerz abgebaut.

Vita-Cola, seit 1958 von verschiedenen Getränkebetrieben der DDR abgefüllt, hat seit Mitte der 90er Jahre seinen Hauptsitz in Thüringen – bei der Thüringer Waldquell in Schmalkalden. Inzwischen im Osten und Westen zu haben, in Thüringen beliebter als die US-amerikanische Cola-Konkurrenz.

Wintersport. In Oberhof werden die Weltcups im Biathlon, Langlauf und Rennrodeln ausgetragen. In Erfurt steht eine von nur drei Eisschnelllaufhallen der Republik. Sieben Medaillen gab es für Athleten aus Thüringen bei den Olympischen Winterspielen 2018 – das waren fast ein Viertel aller Medaillen für Deutschland.

Xenien gab es vor Goethes und Schillers Gemeinschaftswerk nur beim römischen Dichter Martial. Was das legendäre Freundespaar der Weimarer Klassik 1795 im brieflichen Hin und Her zu insgesamt 676 epigrammatischen Zweizeilern, sogenannten Distichen, aussponn, war so etwas wie eine Vorform des Tweets: Spöttisch bis aggressiv gegen Zeitgenossen, riefen sie zahllose Verfasser von Gegen-Xenien auf den Plan.

Ypsilon. Im „Traumzauberbaum“, einer DDR-Produktion von Geschichtenliedern für Kinder, kommt das blaue Ypsilon vor, das singt und tanzt – und partout nicht zurück will ins Lexikon. Seine Erfinderin ist Monika Ehrhardt-Lakomy, 1947 bei Weimar geboren.

Zeiss, 160 Jahre Optik aus Jena: Von der Linse über das Fernrohr bis zu Beobachtungssystemen für den Weltraum. Stolz sind die Jenenser vor allem darauf, dass sie die wissenschaftlichen Kompetenzen ihres größten Arbeitgebers über 40 Jahre Sozialismus hinweg retten konnten.

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