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„Mit massiver iranischer Hilfe“: Terrorismus-Experte Steinberg erklärt die militärische Schlagkraft der Hamas. Foto: Mohammed Talatene/dpa
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Terrorismus-Experte über Angriffe der Hamas „Was den Israelis richtig zu schaffen macht, ist die schiere Masse“

Terrorismus-Experte Guido Steinberg spricht im Interview über die militärische Schlagkraft der Hamas, Raketenhilfe aus dem Iran und überraschte Israelis.

Guido Steinberg ist Mitarbeiter der Stiftung Wissenschaft und Politik. Der Islamwissenschaftler gilt als einer der führenden Terrorismus-Experten. Vor Kurzem erschien von ihm das Buch „Krieg am Golf: Wie der Machtkampf zwischen Iran und Saudi-Arabien die Weltsicherheit bedroht“.

Herr Steinberg, Terrorgruppen der Hamas feuern innerhalb kurzer Zeit mehr als 1000 Raketen auf Israel ab. Woher kommt diese militärische Schlagkraft der Islamisten?
Die meisten Raketen werden lokal produziert, also in Gaza selbst. Aber das passiert mit massiver iranischer Hilfe. Wir müssen davon ausgehen, dass zumindest ein Teil der Waffen in den Küstenstreifen geschmuggelt wurde. Und zwar entweder direkt vom Iran aus oder vom Libanon über die mit Teheran verbündete Hisbollah. Wichtig ist zudem, dass der Iran den Bau der Waffen finanziert und vor allem das notwendige Know-how vermittelt. Zum Beispiel, indem Hamas-Mitglieder im Iran und im Libanon ausgebildet werden.

Warum unterstützt das schiitische Regime in Teheran sunnitische Terroristen in Gaza?
Der Anti-Imperialismus schweißt beide zusammen. Die Feindschaft gegenüber den USA, Israel und dem Westen ist trotz aller religiöser Vorbehalte der gemeinsame Nenner. Teheran geht es dabei in erster Linie darum, Israel davon abzuhalten, Irans Atomanlagen anzugreifen. Und zwar indem damit gedroht wird, dass die Hamas und die Hisbollah gemeinsam den jüdischen Staat in einer konzertierten Aktion angreifen könnten.

Guido Steinberg, Terrorismusexperte der Stiftung Wissenschaft und Politik Foto: Karlheinz Schindler/dpa Vergrößern
Guido Steinberg, Terrorismusexperte der Stiftung Wissenschaft und Politik © Karlheinz Schindler/dpa

Der Gazastreifen wird von Israel weitgehend abgeriegelt. Wie gelangt die Hamas dennoch an die Waffen?
Es ist zwar in den vergangenen Jahren schwieriger geworden. Vor allem, seit dem Militärputsch in Ägypten 2013. Präsident Sisi achtet darauf, dass über die Grenze zu Gaza weder Extremisten noch Waffen in den Küstenstreifen gelangen. Aber schon vorher wurden in großem Umfang Raketen, Bauteile und ausgebildete Raketentechniker nach Gaza geschmuggelt. Das alte Material mag schon aufgebraucht sein, die Hamas kann jetzt allerdings auf das Wissen für den Bau von Raketen zurückgreifen.

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Die Raketen richten großen Schaden in Israel an, töten Menschen, zerstören Häuser. Simple Geschosse sind das nicht, oder?
Zielgenauigkeit und Reichweite der Waffen sind zwar nicht mit denen der Hisbollah vergleichbar, haben sich aber verbessert. Was den Israelis allerdings richtig zu schaffen macht, ist die schiere Masse. Wenn einige Hundert Raketen zur gleichen Zeit abgefeuert werden, dann schaffen es selbst die guten Abwehrsysteme der Israelis nicht mehr, alles abzufangen.

Sind die Israelis von der Feuerkraft der Hamas überrascht worden?
Es scheint so. Die militärische und politische Führung in Jerusalem hat vor allem auf den Libanon und Syrien geschaut und sich auf eine größere Bedrohung von dort eingestellt. Sie hat jedoch offenbar nicht damit gerechnet, dass es der Hamas von Gaza aus gelingen könnte, die Luftabwehr des jüdischen Staats dermaßen in Bedrängnis zu bringen. Das überrascht und schockiert Israel jetzt.

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