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Seit in Arztpraxen geimpft wird, zieht das Impftempo deutlich an. Foto: dpa/Sebastian Gollnow
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Tagesrekord an Impfungen in Deutschland Ist die Priorisierung schon überflüssig?

Francesco Schneider-Eicke

Seit in Hausarztpraxen geimpft werden kann, nimmt das Impftempo an Fahrt auf. Das rechtfertige jedoch keine Auflösung der Priorisierung, meinen einige Experten.

Seit in dieser Woche auch in Arztpraxen geimpft wird, beklagen Fachleute, dass die strenge Priorisierung das Impftempo bremse. Mit fast 656.000 verimpften Dosen wurde am Mittwoch der bisherige Tagesrekord von knapp 300.000 Dosen deutlich gebrochen – trotz Priorisierung. Die Kampagne scheint deutlich an Fahrt zu gewinnen. Ist es deshalb bald an der Zeit, die Priorisierung aufzuheben und den Impfstoff für alle freizugeben?

Alles hänge von der Verfügbarkeit des Impfstoffes ab, heißt es seitens der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV). „Also in Zeiten des Mangels ist natürlich richtig und wichtig, eine Impfreihenfolge zügig und streng einzuhalten“, sagte der Vorstandsvorsitzende der KBV Andreas Gassen im ZDF.

Mit zunehmendem Impftempo könnten sie allerdings immer mehr aufgeweicht werden. Im gestrigen ARD-Mittagsmagazin kündigte Gassen an, dass man bei Impfstoffmengen von bis zu 6 Millionen Dosen pro Woche die Priorisierung „relativ schnell“ verlassen könne.

Ulrich Weigeldt, Bundesvorsitzender des Deutschen Hausärzteverbandes, sieht die Lage ähnlich, ohne sich jedoch auf konkrete Zahlen festlegen zu wollen. Eine vollkommene Freigabe käme dann in Frage, wenn keine Knappheit mehr bestünde, sagt er dem Tagesspiegel. Bis dahin müsse weiter priorisiert werden. Allerdings hänge der Vortritt von Patient:innen nicht nur von ihrem Alter ab, sondern von mehreren Faktoren.

Priorisierung dürfe kein Knebel sein

Eine 69-jährige Person, die etwa an einer Hypertonie sowie an einer Diabetes leidet, müsste Vortritt vor Personen haben, die zwar ein paar Jahre älter, aber gesund seien. Hausärzte verfügen über das Wissen und die Ressourcen, um selbstständig entscheiden zu können, bei welchen Patient:innen die Impfung am wichtigsten ist.

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Diesen Ansatz unterstützt auch Alena Buyx, Vorsitzende des Deutschen Ethikrats. Grundsätzlich sollte die vereinbarte Reihenfolge eingehalten werden. Die Priorisierung dürfe allerdings bei den steigenden Impfstoffmengen kein Knebel sein. In den Hausarzt- und Betriebsarztpraxen müsse den Ärztinnen und Ärzten ein Ermessensspielraum gegeben werden. Sie könnten ein bisschen pragmatischer und ein bisschen flexibler sein, damit man mit dem Impfen ordentlich vorankomme, erklärt sie in der ARD.

Unterdessen wird seitens einiger Hausärzte der Ruf nach weniger Bürokratie laut, um noch schneller mit dem Impfen voranschreiten zu können. „Ich würde mir wünschen, dass die Priorisierung schneller aufgeweicht würde. Denn es dauert eben viel zu lange, bis wir alle Impfwilligen aus der Prioritätsgruppe 1 identifiziert haben“, sagt Dr. Christian Lübbers, HNO-Arzt aus Weilheim, im Interview mit dem Tagesspiegel.

Die vorhandenen Impfstoffe könnten durch neue Konzepte schneller an die Prioritätengruppen 2 und 3 gelangen. „Allein dadurch hätten wir weniger Aufwand und könnten gemeinsam mit den Impfzentren mehr und vor allem schneller impfen“, so Lübbers.

Vorwürfe, dass es so zu einer Form von Vetternwirtschaft zwischen Hausärzt:innen und Patient:innen kommen könnte, weist Weigeldt entschieden zurück. Einerseits sei es eine Frage der Berufsehre und des Ethos‘, andererseits seien die Abrechnungen der Praxen nachprüfbar – dadurch kämen solche Fälle schnell ans Licht.

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