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Syriens Präsident Assad (l.) hat seinen Bruder darauf angesetzt, Drogenfabriken zu bewachen und den Auslandstransport zu organisieren. Foto: imago images/ITAR-TASS
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Syriens Machthaber Baschar al Assad Wenn der Präsident mit Drogen dealen lässt

Syriens Machthaber Baschar al Assad profitiert vom Geschäft mit Rauschgift. Nun aber wird der Handel für ihn zum Problem.

Drogen aus dem Bürgerkriegsland Syrien überschwemmen den Nahen Osten. Das Regime von Präsident Baschar al Assad lässt nach Angaben von Nachbarstaaten und US-Behörden große Mengen des illegalen Aufputschmittels Captagon herstellen und exportieren. Bis nach Niederbayern gelangt die Droge aus Syrien.

Der Assad-Clan und seine Gefolgsleute verdienen viel Geld mit dem Drogenhandel – doch er hat politische Folgen, die dem syrischen Machthaber nicht recht sein können.

Überall im Nahen Osten taucht das Captagon aus syrischen Drogenküchen auf. Im Frühjahr fanden saudische Drogenfahnder in der Hafenstadt Jeddah mehr als fünf Millionen Captagon-Pillen, die in ausgehöhlten Granatäpfeln versteckt waren. Die Lieferung kam aus dem Libanon, doch die Granatäpfel stammten aus Syrien.

Im November beschlagnahmten die saudischen Behörden eine weitere Lieferung von 2,3 Millionen Pillen aus Syrien. Saudi-Arabien ist einer der größten Märkte für das illegale Rauschmittel, wie die UN in ihrem Drogenreport für das laufende Jahr feststellt.

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Captagon wurde in den 1960er Jahren in Deutschland entwickelt und legal auf den Markt gebracht, etwa 20 Jahre später aber verboten. Das Präparat steigert die Aufmerksamkeit, verhindert Ermüdung und unterdrückt Schmerzen. Es macht aber auch abhängig und kann langfristig Depressionen und Herzschäden auslösen.

In Syrien wurde Captagon als Droge für Kämpfer im Bürgerkrieg bekannt, die unter anderem von den Extremisten des „Islamischen Staates“ (IS) hergestellt wurde. Der IS wurde vor zwei Jahren besiegt – doch die Captagon-Ausfuhren aus Syrien steigen weiter.

Nach Entdeckung der ausgehöhlten Granatäpfel stoppte Saudi-Arabien den Import aller landwirtschaftlichen Produkte aus dem Libanon, doch die Schmuggler haben andere Wege – darunter Drohnen, die mit Rauschgiftpaketen beladen aus Syrien über die Grenze nach Jordanien fliegen. Von dort aus werden die Pillen nach Saudi-Arabien transportiert.

Selbst Umwege über Europa werden genutzt. Im Mai stießen deutsche Drogenfahnder bei einer Razzia auf einem Hof in Niederbayern auf 230 Kilogramm Captagon, die aus dem Nahen Osten an einen 35-jährigen Syrer in Deutschland geliefert worden waren. Der Verdächtige soll geplant haben, die Drogen nach Saudi-Arabien zu schicken.

Auch in anderen EU-Ländern tauchte Captagon aus Syrien auf. Im vergangenen Jahr beschlagnahmten die italienischen Behörden mehr als 80 Millionen Pillen, vor zwei Jahren stießen griechische Beamte auf fast 40 Millionen Stück. US-Regierungsangaben zufolge ist seit Februar 2020 weltweit Captagon aus Syrien oder dem Libanon mit einem Straßenwert von 2,7 Milliarden Euro sichergestellt worden. Das sei mehr Geld, als Syrien mit legalen Ausfuhren verdiene.

"Die syrische Regierung selbst exportiert das Rauschgift"

Ein Drogenhandel in dieser Größenordnung ist nicht ohne Mitwirkung der Assad-Regierung denkbar. Die „New York Times“ berichtete jetzt, eine Armee-Einheit unter dem Befehl von Assads Bruder Maher sei die treibende Kraft bei der Captagon-Herstellung. Maher Assads Truppe, die 4. Panzerdivision, bewacht demnach die Drogenfabriken und organisiert den Transport ins Ausland.

Bei dieser Verwicklung höchster staatlicher Stellen sei es sinnlos, die syrische Regierung um Hilfe bei der Eindämmung zu bitten, sagte der ehemaligen US-Syrienbeauftragte Joel Rayburn der „New York Times". In Syrien gehe es nicht um Drogenkartelle außerhalb der Kontrolle der Regierung: „Die syrische Regierung selbst exportiert das Rauschgift.“

Auch syrische Geschäftsleute mit engen Verbindungen zum Assad-Regime und ausländische Verbündete wie die Hisbollah-Miliz im Libanon machen nach dem Bericht der „New York Times“ bei den Drogengeschäften mit. Allein seit Jahresbeginn sind der Zeitung zufolge 250 Millionen Pillen Captagon sichergestellt worden, wie viele Millionen bei den Konsumenten ankamen, weiß niemand. Inzwischen produziere Syrien auch andere Drogen wie Crystal-Meth, meldete die „New York Times“.

Allerdings stört der Drogenhandel inzwischen Assads außenpolitische Pläne. Nach zehn Jahren Krieg sind wichtige arabische Staaten wie die Vereinigten Arabischen Emirate bereit, ihre Beziehungen mit Syrien zu normalisieren. Die Regierung in Damaskus empfängt wieder hochrangige Besucher, und einige Staaten werben dafür, Syrien wieder in der Arabischen Liga willkommen zu heißen; die Mitgliedschaft des Landes war wegen des Krieges im Jahr 2011 auf Eis gelegt worden.

Die Drogenexporte könnten diese Annäherung erschweren. Deshalb signalisiert Assad seine Bereitschaft, die Ausfuhren einzuschränken. Die syrischen Behörden gaben jetzt bekannt, sie hätten den Transport einer halben Tonne Captagon nach Saudi-Arabien gestoppt.

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