Südkoreas Präsident Moon Jae In (r.) und Premierminister Lee Nak Yon beobachten das Gipfeltreffen des US-Präsidenten Donald Trump mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un. Foto: AFP/Yonhap
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Südkoreas Botschafter über den Trump-Kim-Gipfel „Unser Präsident Moon war der Dealmaker"

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Südkoreas Botschafter Bum Goo Jong spricht über den „Dealmaker“ Moon Jae In und die koreanische Wiedervereinigung.

Herr Botschafter, wer ist der Gewinner des Gipfels von Singapur – Kim Jong Un oder Donald Trump?

Vor allem sind die Menschen in Süd- und Nordkorea die Gewinner des Gipfels. Aber auch alle anderen Menschen, die sich Frieden wünschen. Der Gipfel hat die real bestehende Kriegsgefahr auf der koreanischen Halbinsel eingedämmt.

Internationale Experten reagieren sehr skeptisch. Es gebe keine Einzelheiten, keine belastbaren Ergebnisse...

Es ist richtig, dass die Abschlusserklärung vage gehalten ist. Wir vermuten, dass Trump und Kim in ihren Gesprächen weiter ins Detail gegangen sind, das aber noch nicht öffentlich machen.

Besteht Südkorea darauf, dass die Denuklearisierung international überwacht wird?

Die Denuklearisierung wird ein sehr langwieriger Prozess werden. Das Kommuniqué erwähnt weder ein Überwachungsregime noch regelt es, wie die Irreversibilität der Nuklearabrüstung gesichert werden soll. Die Internationale Atomenergiebehörde muss unbedingt in diesen Prozess eingebunden werden.

Der deutsche Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) hat deutsche Unterstützung angeboten für den Prozess der Denuklearisierung. Wird Deutschland dafür gebraucht?

Das wird von den Einzelheiten weiterer Vereinbarungen abhängen.

Bum Goo Jong ist Südkoreas Botschafter in Berlin. Foto: picture alliance / Maurizio Gambarini/dpa
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Was hat Kim Jong Un dazu bewogen, die Denuklearisierung anzubieten?

Ich sehe mehrere Gründe. Unser Präsident Moon Jae In war der „Dealmaker“, ohne ihn hätte der Gipfel in Singapur nicht stattgefunden. Moon hat das Vertrauen von Kim Jong Un gewonnen und Präsident Trump davon überzeugt, dass es Kim Jong Un mit der Entspannung ernst ist. Kim Jong Un braucht nicht nur Sicherheitsgarantien, sondern wirtschaftliche Hilfe nach dem Ende der Sanktionen.

Es gibt Beispiele, dass der Verzicht auf Atomwaffen angreifbar macht – Libyen oder die Ukraine. Warum sollte Kim Jong Un sein Faustpfand aus der Hand geben?

Das ist ein sehr wichtiger Punkt. Es war ein sehr kurviger Weg bis nach Singapur. Natürlich war der Fall Gaddafis, der auf Atomwaffen verzichtet hatte, für Kim Jong Un ein abschreckendes Beispiel.

Dieses Beispiel gibt es immer noch. Was hat sich geändert?

Präsident Moon Jae In hat als Vermittler viel erreicht. Zudem ist Trump ein pragmatischer Typ, ideologische Fragen interessieren ihn nicht, er handelt wie ein Kaufmann. Man darf auch nicht vergessen: Kim Jong Un ist auch ein ganz anderer Typ als sein Vater und sein Großvater.

Präsident Trump hat den Stopp aller gemeinsamen Manöver der USA und Südkoreas zugesagt, was viele überraschte. Beunruhigt das die Regierung Südkoreas?

Das hat Nordkorea immer gefordert, Trump ist darauf eingegangen. Wir sehen unsere Sicherheit deshalb nicht bedroht.

Ist Ihr Land mit dem Gipfel einer Wiedervereinigung näher gekommen?

Ganz deutlich ja. Wie schon gesagt: Die Kriegsgefahr ist nicht beseitigt, aber gemindert. Wir können wirklich aufatmen. Wenn wir es schaffen, eine friedliche Koexistenz zu etablieren, können wir auf diesem Weg auch zur Wiedervereinigung weitergehen. Wir wissen aber auch: Es wird ein langer Weg.

Bum Goo Jong ist Südkoreas Botschafter in Berlin. In den 80er Jahren studierte er in Marburg Politik, später arbeitete er als Dozent, Journalist und Politiker. Das Gespräch führte Hans Monath

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