Vier von zehn Deutschen sind laut einer Studie unzufrieden mit der Demokratie-Praxis in der Bundesrepublik. Foto: Tim Brakemeier/dpa
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Studie zum „Tag der Demokratie“ Vier von zehn Deutschen sind mit demokratischem Alltag unzufrieden

Funktioniert die Demokratie in Deutschland? Viele Menschen haben da Zweifel. Zudem sieht mehr als die Hälfte der Menschen die Demokratie in Gefahr.

40 Prozent der Deutschen sind unzufrieden damit, wie die Demokratie in der Bundesrepublik tatsächlich funktioniert. Das ist das Ergebnis einer Studie des Sinus-Instituts in Kooperation mit YouGov. Demnach sind 54 Prozent der Menschen in Deutschland „sehr zufrieden“ oder „eher zufrieden“.

Die Befragten bemängelten etwa die Partizipationsmöglichkeiten der Bürger: So sind knapp zwei Drittel (65%) der Meinung, dass das Volk zu wenig Mitbestimmungsmöglichkeiten hat; 34 Prozent finden, dass ihre Wahlstimme kaum Auswirkung hat.

Die Deutschen sind generell Verfechter der Demokratie

Generell aber sind die Deutschen große Verfechter der Demokratie: Demnach halten 83 Prozent die generelle Idee der Demokratie für eine gute Sache. Und 79 Prozent finden, dass die Demokratie die beste Herrschaftsform für dieses Land ist. Allerdings steht auch jeder Zehnte der Demokratie als Staatsform negativ gegenüber.

Die Zufriedenheit der Deutschen mit der bundesrepublikanischen Demokratie im Jahr 2019 variiert dabei stark - je nach politischer Präferenz: Am zufriedensten sind dabei die Grünen-Wähler. Trotz der langwierigen Debatten über den Klimaschutz, verpasste Klimaziele und den sich hinziehenden Umbau der Energieversorgung sind 79 Prozent der Grünen-Wähler mit dem aktuellen Zustand der demokratischen Prozesse sehr bzw. eher zufrieden. Komplett andersherum sieht es dagegen bei den Anhängern der AfD aus: Hier sind 79 Prozent der Wähler sehr oder eher unzufrieden und nur knapp jeder Fünfte sehr bzw. eher zufrieden.

53 Prozent sehen die Demokratie in Gefahr

Trotz der allgemeinen Zufriedenheit mit der Staatsform Demokratie und der relativen Zufriedenheit mit den aktuellen Verhältnissen in Deutschland sieht eine Mehrheit der Deutschen die Demokratie in Gefahr: 53 Prozent der Menschen sind dieser Meinung, 38 Prozent sehen keine Gefahr.

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Gefragt nach den größten Gefahren für die Demokratie in Deutschland schauten die meisten Menschen nach rechts: Rechtsextremisten und -populisten werden von 47 bzw. 27 Prozent der Menschen als Bedrohung genannt. Erst danach folgen Migranten (27 %), Linksextremisten sowie die USA (jeweils 22 %).

Auch hier variiert je nach Wählergruppe, wer oder was als besonders bedrohlich für die Demokratie wahrgenommen wird: So sind für AfD-Wähler Migranten (54 %), die Bundesregierung und Linksextremisten die größten Gefahren für unser demokratisches System. Für Grünen-Wähler sind es hingegen Rechtsextremisten (66 %) bzw. -populisten (49 %) sowie die USA.

Vier von zehn Deutschen sehen die Zukunft der Demokratie pessimistisch

Gefragt nach einer Prognose für die Zukunft erwarten viele Menschen eine Verschlechterung: So sagten 38 Prozent der Deutschen, in 10 Jahren werde die Demokratie schlechter funktionieren als heute. 41 Prozent sagen, es bleibe gleich gut bzw. gleich schlecht - und nur sieben Prozent erwarten eine Verbesserung des demokratischen Miteinanders.

Die Daten der Studie stammen aus einer Online-Umfrage der Forschungs- und Marketingplattform YouGov, an der 2.020 Personen teilgenommen haben. Die Ergebnisse wurden gewichtet und sind repräsentativ für die deutsche Bevölkerung ab 18 Jahren. Die Studie wurde anlässlich des Tags der Demokratie am 15. September erstellt.

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