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Strukturwandel im Ruhrgebiet Komm aus’m Pott!

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Noch kurz vor der Jahrtausendwende konnte man die Flamme in den Abendhimmel lodern sehen. Aber da wirkte das Feuer aus den Hochöfen schon nicht mehr wie das Leuchten der Heimat, sondern eher wie ein Ausdruck später Industrieromantik. Das Ende des Dortmunder Phoenixwerks war nahe, die Pläne für den gleichnamigen See, der die Fläche nach Stilllegung fluten sollte, gab es schon.

Heute reibt sich die Augen, wer auf dem früheren Werksgelände Phoenix Ost auf einer „Kulturinsel“ im See verweilt, dort wo auch die frisch polierte historische Thomasbirne steht, in der einst aus Roheisen Stahl erzeugt wurde. Wo man sich früher allein durchs Vorbeilaufen einen schwarzen Hals holte, werden nun in feinen Lokalen Sushi, Steak New York Style oder exotische Eissorten serviert – am Rande eines kleinen Segelhafens. Über allem wacht die zu einem romantischen Baumonument restaurierte Hörder Burg, in der einst die Buchhaltung des Werks untergebracht war.

Auch am See liegt die Weingarten-Schule. Dort prügelten sich früher Gastarbeiterkinder mit dem Nachwuchs von der Remberginsel nebenan, die ein sozialer Brennpunkt war. Heute lernen dort Kinder aus anderen Milieus, in der Umgebung stehen nun elegante Villen Dortmunder Honoratioren. Deren teuer erkaufte Ruhe vertreiben an Wochenenden regelmäßig Skater und Spaziergänger aus ganz Dortmund, die den See umkreisen.

An solche Bilder war nicht zu denken in den 60er Jahren, als das Stahlunternehmen Hoesch mit der Dortmund-Hörder Hüttenunion fusionierte. Damals arbeiteten allein 20 Prozent der Dortmunder Werktätigen bei Hoesch, und später kam es vor, dass Willy Brandt höchstpersönlich den Umzug zum Tag der Arbeit am 1. Mai anführte. Die Bewohner der angegrauten Mietshäuser nahe dem Westfalenpark gingen teils noch mit dem Henkelmann zur Maloche und beschwerten sich über Kinderlärm, wenn sie Nachtschicht hatten und tagsüber schlafen wollten.

Heute ist der Himmel über der Ruhr, wie von Brandt im Wahlkampf gegen Konrad Adenauer 1961 gefordert, blau. Gerade hat ein schickes Hilton-Hotel am Phoenix-See eröffnet, rundum wird gebaut, als zöge die gesamte High Society des Landes morgen nach Dortmund. Die verbliebenen Ureinwohner sind nach wie vor der festen, nur ganz leise selbstironischen Überzeugung: „Dortmund ist die schönste Stadt der Welt.“ Elisabeth Binder

Der Phoenix-See ist mit einer Wasserfläche von 24 Hektar größer als die Hamburger Binnenalster (18)

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