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Die Parteispitze der Grünen, Annalena Baerbock und Robert Habeck, hat die geplante Kommission zur Homöopathie abgesagt. Foto: picture alliance/dpa
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Streit um Globuli Habeck sagt Debatte über Homöopathie ab

Die Grünen-Spitze ist sauer über Indiskretionen der Homöopathie-Kommission. Eine vertrauensvolle Arbeit sei nicht möglich gewesen.

Die Grünen-Spitze hat eine Kommission gestoppt, die die Haltung der Partei zum Nutzen von Homöopathie klären sollte. Man sei „einstimmig zu dem Ergebnis gekommen, dass eine vertrauensvolle und erfolgreiche Arbeit dieser Kommission nicht möglich ist“, heißt es in einem am Dienstag gefassten Vorstandsbeschluss, der dem Tagesspiegel vorliegt.

Zuvor waren Interna in die Öffentlichkeit gedrungen. Die Kritiker sind gegen die weitere Erstattung homöopathischer Behandlungsmethoden durch die gesetzlichen Krankenkassen und begründen das mit fehlender Wirksamkeit über den Placebo-Effekt hinaus.

Als erstes hatte die „taz“ über die überraschende Wende berichtet. „Die Debatte um die Homöopathie war von Anfang an durch einen aggressiven und teilweise polemischen Ton beschwert“, heißt es in dem Grünen-Beschluss. Stattdessen soll nun der Vorstand die erforderliche programmatische Arbeit selbst verantworten und zusammen mit dem Entwurf des Grundsatzprogramms der Basis vorlegen.

„Zuvor sollen den vorgesehenen Mitgliedern der ursprünglich geplanten Kommission die Textpassagen zur Kommentierung zugeleitet werden“, betont der Vorstand.

Parteichef Habeck übernahm selbst die Leitung

Beim Parteitag im November hatten die Delegierten beschlossen, dass der Streit von einer 14-köpfigen Kommission beigelegt werden solle. Parteichef Habeck übernahm selbst die Leitung, denn das Thema birgt Sprengkraft für die Partei. Intern wurde betont, es gebe seit zwei Jahren unter Führung von Habeck und Annalena Baerbock eine enge vertrauensvolle Zusammenarbeit, das sei bei der Kommission von Anfang nicht gegeben gewesen.

So kritisierte einer der Wortführer der Homöopathie-Kritiker, Tim Demisch, im Dezember bei Twitter, es werde versucht, „uns als Personen zu beschädigen und eine inhaltliche Position für mehr Faktenbasiertheit in der eigenen Programmatik zu diskreditieren“.

Die Ärztin Paula Piechotta, ebenfalls Mitglied der bisherigen Kommission, hatte das Verhältnis der Grünen zu wissenschaftlichen Erkenntnissen kritisiert, während auf der Gegenseite Globuli-Anhänger darauf pochen, dass die Grünen weiter für die Kassen-Leistungen eintreten.

Der Bundesvorstand betont, zum Arbeitsauftrag von Parteigremien gehöre es, sich mit kritischen Fragen auseinanderzusetzen – aber Interna müssten „im gemeinsamen Vertrauensraum bleiben“.

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