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Republikaner Glenn Youngkin. Foto: Anna Moneymaker/AFP
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Stimmungstest in Virginia Republikaner Youngkin gewinnt Gouverneurswahl

Vor einigen Monaten sah es nach einem komfortablen Sieg für McAuliffe aus. Gewinner aber ist Republikaner Youngkin.

Mit Spannung wurde in den USA das Ergebnis der Gouverneurswahl im US-Bundesstaat Virginia erwartet - sie gilt als wichtiger Stimmungstest für US-Präsident Joe Biden. Um 19.00 Uhr am Dienstagabend (Ortszeit/Mitternacht MEZ) schlossen in dem Bundesstaat die Wahllokale. Der von Biden unterstützte Demokrat Terry McAuliffe lieferte sich mit dem Republikaner Glenn Youngkin ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Um 5.45 Uhr MEZ kam endlich das Ergebnis: Der Republikaner Glenn Youngkin hat gewonnen.

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Hatte es vor einigen Monaten noch nach einem komfortablen Sieg für McAuliffe ausgesehen, konnte Republikaner Youngkin in den vergangenen Wochen in Umfragen deutlich aufholen - und lag zuletzt sogar leicht vorn. McAuliffe (64) war von 2014 bis 2018 Gouverneur, Youngkin (54) ist ein erfolgreicher Geschäftsmann. Der ehemalige Präsident Donald Trump unterstützt ihn. Die Wahl ein Jahr vor den Kongresswahlen gilt als eine Art Referendum über Bidens Politik. Bei der US-Präsidentenwahl vor einem Jahr hatte Biden in Virginia mit einem Zehn-Punkte-Vorsprung vor Trump gewonnen.

Demokrat Terry McAuliffe. Foto: Leah Millis/REUTERS Vergrößern
Demokrat Terry McAuliffe. © Leah Millis/REUTERS

Der Bundesstaat grenzt an die US-Hauptstadt Washington an. Auch die Menschen im Bundesstaat New Jersey waren dazu aufgerufen, einen Gouverneur zu bestimmen. In der Metropole New York wurde am Dienstag ein neuer Bürgermeister gewählt. Das größte Interesse galt aber der Wahl in Virginia. Die Demokraten haben das Gouverneursamt dort in den vergangenen acht Jahren innegehabt. In Virginia ist es Gouverneuren nicht erlaubt, für zwei aufeinanderfolgende Amtszeiten zu kandidieren. Sie können aber - wie McAuliffe - später ein zweites Mal antreten. Derzeit hat der Demokrat Ralph Northam das Gouverneursamt inne.

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Trumps Republikaner wollen bei den Kongresswahlen in einem Jahr wieder die Mehrheit im Senat und im Repräsentantenhaus erobern. Derzeit verfügen Bidens Demokraten in den beiden Kongresskammern über eine knappe Mehrheit. Die Wahlen in Virginia gelten nun als Indikator für die politische Stimmung im Land. Verlieren die Demokraten, wird das als deutliche Schlappe für Präsident Biden gewertet. Dieser gab sich beim Klimagipfel in Glasgow am Dienstagabend siegesgewiss. „Wir werden gewinnen. Ich denke, wir werden in Virginia gewinnen“, hatte er dort erklärt.

Wähler in Fairfax, Virginia. Foto: Chip Somodevilla/AFP Vergrößern
Wähler in Fairfax, Virginia. © Chip Somodevilla/AFP

Davon, dass seine politische Leistung Einfluss auf das Wahlergebnis haben könnte, wollte er hingegen nichts wissen. „Ich habe auch keine Beweise dafür gesehen, dass die Frage, ob ich gut oder schlecht abschneide, ob ich meine Agenda durchgesetzt habe oder nicht, irgendeinen wirklichen Einfluss auf Sieg oder Niederlage haben wird“, sagte er. Biden versucht seit langem, zwei Investitionspakete durch den Kongress zu bringen. Er scheiterte damit bislang an Flügelkämpfen in seiner eigenen demokratischen Partei.

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Die Demokraten sind sich der Bedeutung der Wahl durchaus bewusst - und ließen Parteiprominenz bei Wahlkampfveranstaltungen auftreten. Von Vizepräsidentin Kamala Harris über Biden selbst bis Ex-Präsident Barack Obama warben alle für McAuliffe. Biden nannte Youngkin „einen Gefolgsmann von Donald Trump“. Obama warnte bei einem Wahlkampfauftritt für seinen Parteifreund vor einer „Rückkehr zu dem Chaos, das so viel Schaden angerichtet hat“.

„Trump in Khakihosen“

Auch McAuliffe versuchte, seinen politischen Gegner in die Nähe Trumps zu rücken und nannte ihn etwa „Trump in Khakihosen“. Youngkin bemühte sich hingegen, öffentlich Distanz zu Trump zu wahren. Der Republikaner präsentierte sich als vorbildlicher Vorstadtvater und machte etwa Bildung und die Frage, was im Unterricht gelehrt werden sollte, zum Wahlkampfthema. Er versuchte, vor allem gemäßigte Wählerinnen und Wähler für sich zu gewinnen.

Sein Aufstieg ging mit einem steilen Rückgang von Bidens Zustimmungsrate einher. Diese ist auf dem bisher niedrigsten Stand seiner Präsidentschaft. (dpa/afp)

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