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Die Generation von Frank-Walter Steinmeier wirft einen langen Schatten. Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa
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Steinmeier-Vorstoß Die Idee vom sozialen Pflichtjahr ist gut, adressiert aber die Falschen

Wer Probleme wie Personalmangel mit Pflichtdiensten angehen will, sollte sich an die Babyboomer wenden. Ein Kommentar.

Für Jugendliche und junge Leute, die ein Interesse daran haben, sich auszuprobieren und zu engagieren, gibt es einiges an Angeboten: Sie können zwischen Bundesfreiwilligendienst, Freiwilligem Sozialen Jahr oder auch dem Europäischen Freiwilligendienst wählen.

Kürzlich kam noch das Handwerk mit der Idee eines freiwilligen Jahres im Handwerk um die Ecke, und dabei wird es vermutlich nicht bleiben. Denn wo immer Nachwuchsmangel ist, wird versucht, mit Schnupperangeboten gegenzusteuern.

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Diesem freundlichen Werben mit der Aussicht auf neue Kontakte, Einblicke, Perspektivwechsel traut Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier offenbar nicht allzu weit. Er sprach sich jüngst für die Idee eines sozialen Pflichtjahres aus, das die Interessen der zu Akquirierenden nicht berücksichtigt, sondern Engagement dekretiert.

Zur Begründung nannte er den „gesellschaftlichen Zusammenhalt“ und die „Blase“, die zu verlassen also soziale Pflicht würde.

Die Boomer gehen gerade in Rente und hinterlassen Lücken

Steinmeier erhielt dafür vor allem Kritik. Zu Recht. Wie viel besser wäre es, wenn er die eigene Alterskohorte in die Pflicht nähme? Die strapaziert den gesellschaftlichen Zusammenhalt mitunter auch arg.

Nicht nur wird man in grober Pauschalität sagen können, dass die Babyboomer für die Krisen der Welt verantwortlich sind. Man darf auch beklagen, dass die Generation sich gerade in Größenordnungen (und oft noch so früh wie möglich) in die Rente verabschiedet.

Das schafft Lücken in der Arbeitswelt – und belastet die Rentenkassen, weil die nachfolgenden Generationen zahlenmäßig immer kleiner ausfallen. Ein Trend, mit dem – na? genau – die Babyboomer angefangen haben.

Vielleicht entdecken sie sogar ein Ehrenamt für die Rentnerjahre?

Man hätte also Anlässe genug, mit der Ideen vom sozialen Pflichtjahr an sie heranzutreten. Alle Berufsaussteiger könnten ihre Lebens- wie Berufserfahrung noch mal toll kompetent in den Dienst der Allgemeinheit stellen.

Nicht zu vergessen: Die Babyboomer können ihr Arbeitsleben eher beenden als fast alle, die nachfolgen. Und wenn sie im Pflichtjahr eine Tätigkeit entdecken, die ihnen Spaß macht, hätten sie gleich noch ein schönes Ehrenamt fürs Rentnerleben. Win-win!

Anders wäre es bei den Jungen, die ins Berufsleben müssten. Überhaupt: Gerade die Generation Corona hat in den Pandemiejahren auf allerlei verzichtet. Sie hat sicher viel verdient – aber doch kein soziales Pflichtjahr.

Dass dieser Gedanke den Zuspruch für die Idee nicht gedämpft hat, könnte man schnippisch als Hinweis darauf nennen, wer vor allem ein „Blasen“-Problem hat.

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