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Ein Mitarbeiter des Gesundheitswesens impft einen Mann im indischen Chennai. Foto: Sri Loganathan/dpa
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Spende der G7-Staaten an ärmere Länder Was bringen eine Milliarde Impfdosen im Kampf gegen die Pandemie?

Die G7-Staaten wollen ärmeren Ländern eine Milliarde Impfdosen spenden. Es ist kein Zufall, dass die großzügige Zusage erst jetzt kommt.

Die Zahl hört sich zunächst einmal gigantisch an. Eine Milliarde Impfdosen, so hat es der britische Premier Boris Johnson in Aussicht gestellt, wollen die reichsten westlichen Industrienationen (G7) ärmeren Ländern in der Corona-Pandemie zur Verfügung stellen. Nach Angaben der britischen Regierung soll die Spende entweder durch die Abgabe überschüssiger Vakzine oder die Finanzierung von Impfstoffen möglich werden.

Dem Löwenanteil leisten dabei die USA. Wie Präsident Joe Biden bereits vor dem G7-Treffen in Cornwall ankündigte, haben die USA eine neue Spende von 500 Millionen Impfdosen an 92 ärmere Länder sowie an die Afrikanische Union zugesagt.

Es ist kein Zufall, dass die großzügige Zusage erst jetzt kommt – rund ein halbes Jahr nach dem Start der Impfkampagnen in den USA und der EU. Zwar hatte sich in der EU unter anderem auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) schon im vergangenen Februar für eine G7-Initiative zur Abgabe von Impfstoffen an Entwicklungsländer ausgesprochen.

Damals war der Impfstoff allerdings noch äußerst knapp. Deshalb erklärte Merkel seinerzeit auch, dass trotz der globalen Initiative „kein Impftermin in Deutschland in Gefahr geraten“ werde. Mit anderen Worten: Bei allem Willen zur weltweiten Solidarität ging die heimische Impfkampagne immer vor.

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Wer die G7-Initiative und die Milliarden-Spende einordnen will, kann aus den aktuellen Impfzahlen für Europa ablesen, dass es sich dabei durchaus um eine ernst zu nehmende Größenordnung handelt. Nach Angaben der EU-Gesundheitsbehörde ECDC haben in der EU sowie in Island, Liechtenstein und Norwegen derzeit knapp 190 Millionen Erwachsene zumindest eine Impfdosis erhalten.

Andererseits ergibt sich mit Blick auf die derzeitige Erdbevölkerung von 7,8 Milliarden Menschen, dass die Spende von einer Milliarde Impfdosen nicht ausreichen dürfte, um eine weltweite Herdenimmunität zu erreichen. Zudem müsse man davon ausgehen, dass künftig jährlich Corona-Impfungen nötig sein werden, sagte der SPD-Europaabgeordnete Udo Bullmann dem Tagesspiegel. „Je langsamer wir den Globus impfen, umso mehr Mutationen wird es geben“, warnte er.

Inzidenz in Großbritannien steigt wieder

Welche Gefahr aktuell von der zuerst in Indien aufgetretenen  Delta-Variante des Virus ausgeht, lässt sich derzeit in Großbritannien beobachten. Nach britischen Behördenangaben  haben zwei Drittel derjenigen, die sich im Vereinigten Königreich mit der Delta-Variante infiziert haben, überhaupt noch keine Impfung erhalten. Dabei sind die Impfungen in Großbritannien weiter vorangeschritten als in der EU.

Die Delta-Variante ist inzwischen für mehr als 90 Prozent der Neuinfektionen in Großbritannien verantwortlich. An dieser Mutation  liegt es auch, dass der Trend bei den Neuinfektionen in Großbritannien mittlerweile  wieder nach oben geht. Dies gilt etwa für den Nordwesten Englands, die in Zentralengland gelegene Region der West Midlands, London und den Südosten Englands.

Expertin: Eigentlich sind elf bis zwölf Milliarden Dosen notwendig

Die  Co-Vorsitzende der sogenannten Covax-initiative, Jane Halton, machte derweil deutlich, dass die Milliarden-Spende der G7 zwar einen entscheidenden Fortschritt darstellt, aber auf Dauer nicht ausreichen dürfte. Das Covax-Programm, das unter anderem von der Weltgesundheitsorganisation, Deutschland, der EU und den USA unterstützt wird, soll die Schieflage bei der weltweiten Verteilung der Vakzine beseitigen. Halton sagte am Freitag dem britischen Radiosender „Radio Times“, dass insgesamt elf bis zwölf Milliarden Dosen notwendig seien, um die gesamte Weltbevölkerung zu schützen.

Mittlerweile sind weltweit rund 2,2 Milliarden Vakzine verimpft worden. Dass die reicheren Länder dabei  im Vorteil sind, wurde sehr schnell zu Beginn dieses Jahres klar: Seinerzeit führte die britische Fachzeitschrift „The Lancet“ aus, dass sich reiche Länder, in denen nur 16 Prozent der Weltbevölkerung leben, 70 Prozent der verfügbaren Impfstoffmengen gesichert haben.

An diesem Ungleichgewicht hat sich in den letzten Monaten nicht viel geändert. Nach gegenwärtigem Stand sind nach den Worten der Covax-Co-Chefin Halton drei Viertel der Impfdosen in nur zehn Ländern verabreicht worden.

Ausbau von Produktionskapazitäten in Entwicklungsländern

Wenn die Entwicklungsländer nicht auf Dauer bei den Impfstoffen auf Spenden der reicheren Staaten angewiesen sein sollen, hilft letztlich nur ein massiver Ausbau der Produktionsstätten außerhalb der USA und der EU. So forderte der EU-Abgeordnete Bullmann, dass in Südafrika, Bangladesch und Indien weitere Kapazitäten geschaffen werden müssten.

Er gab auch zu bedenken, dass die Produktion von mRNA-Impfstoffen, die niedrige Lagerungstemperaturen benötigen, gerade für Entwicklungsländer mit einer schwachen Gesundheits-Infrastruktur schwierig sei. 

Aber es mangelt bei der weltweiten Bekämpfung der Pandemie nicht nur an Impfstoffen. Der Covax-Initiative fehlen auch die nötigen Gelder, mit denen der Einsatz von medizinischem Personal für die Umsetzung der Impfkampagne gesichert werden kann.

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